7 Zeichen, dass deine Katze dich mag | So zeigt sie ihre Zuneigung

Manche Katzen begrüßen ihre Menschen an der Tür, schlafen jede Nacht auf ihrem Schoß und fordern lautstark Streicheleinheiten ein.

Andere liegen lieber einen Meter entfernt, kommen nur gelegentlich für einen kurzen Kopfstoß vorbei – und verschwinden danach wieder.

Beides kann zu einer engen Mensch-Katze-Beziehung gehören.

Denn Zuneigung sieht bei Katzen häufig deutlich leiser aus, als Menschen erwarten.

Die Forschung spricht dabei meist nicht davon, dass eine Katze jemanden „mag“ oder „liebt“. Untersucht werden stattdessen Dinge wie freiwillige Annäherung, affiliatives Sozialverhalten, Nähe, Interaktionsbereitschaft, Kommunikation und Bindungsverhalten.

Aus diesen Erkenntnissen lassen sich einige ziemlich gute Hinweise ableiten.

Das Wichtigste dabei: Nicht ein einzelnes Verhalten entscheidet – sondern ob die Katze freiwillig immer wieder Kontakt und Nähe zu dir sucht.

Was bedeutet „meine Katze mag mich“ überhaupt?

Wir Menschen verwenden Begriffe wie Liebe, Freundschaft und Zuneigung ganz selbstverständlich.

Bei Tieren können wir ihre subjektiven Gefühle jedoch nicht einfach erfragen.

Wissenschaftlich sauberer ist deshalb die Frage:

Zeigt die Katze gegenüber diesem Menschen freiwilliges, freundliches Sozialverhalten?

Hauskatzen sind durchaus in der Lage, enge soziale Beziehungen zu Menschen aufzubauen.

Eine Studie von Vitale, Behnke und Udell aus dem Jahr 2019 fand bei Katzen beispielsweise unterschiedliche bindungsähnliche Verhaltensmuster gegenüber ihren Bezugspersonen, vergleichbar mit Kategorien, die zuvor bei menschlichen Kindern und Hunden untersucht worden waren.

Das bedeutet nicht, dass eine Mensch-Katze-Beziehung exakt wie eine menschliche Eltern-Kind-Beziehung funktioniert.

Es zeigt aber: Das alte Bild von der Katze, die Menschen lediglich wegen ihres Futternapfes toleriert, greift deutlich zu kurz.

1. Sie kommt freiwillig zu dir

Eines der aussagekräftigsten Dinge ist gleichzeitig eines der unspektakulärsten:

Die Katze entscheidet selbst, deine Nähe aufzusuchen.

Sie kann beispielsweise:

  • zu dir laufen, wenn du einen Raum betrittst,
  • sich neben dich setzen,
  • dir im Haus folgen,
  • sich in deiner Nähe hinlegen,
  • dich mit der Nase oder dem Kopf berühren
  • oder selbst eine Interaktion beginnen.

Gerade die Freiwilligkeit ist wichtig.

Eine Katze, die auf dem Arm festgehalten wird, befindet sich zwar körperlich sehr nah an einem Menschen – sie hat diese Nähe aber nicht unbedingt selbst gewählt.

Eine Katze, die jederzeit gehen könnte und trotzdem immer wieder zurückkommt, liefert wesentlich mehr Information über ihre soziale Motivation.

Von der Katze begonnene Kontakte können länger dauern

Beobachtungsstudien zur Mensch-Katze-Interaktion haben gezeigt, dass Kontakte zwischen Katzen und ihren Bezugspersonen länger dauern können, wenn die Katze selbst die Interaktion begonnen hat.

Der Verhaltensforscher Dennis Turner fasste solche Untersuchungen 2021 in einer Übersichtsarbeit zusammen.

Dabei zeigte sich außerdem ein interessantes Wechselspiel:

Menschen, die auf Kontaktwünsche ihrer Katzen angemessen reagierten, hatten wiederum Katzen, die häufiger auf menschliche Kontaktangebote eingingen.

Eine gute Mensch-Katze-Beziehung ist also nicht nur:

„Meine Katze kommt zu mir.“

Sondern eher ein wechselseitiges System aus:

anbieten – reagieren – Abstand respektieren – später wieder Kontakt aufnehmen.

2. Der Schwanz geht bei der Begrüßung nach oben

Eine Katze läuft auf dich zu und richtet dabei ihren Schwanz fast senkrecht nach oben.

Das ist tatsächlich eines der besser untersuchten freundlichen Katzensignale.

Cafazzo und Natoli untersuchten 2009 die soziale Funktion des sogenannten Tail-up-Signals.

Ein aufgerichteter Schwanz zeigte sich dabei als wichtiges Signal bei freundlichen Annäherungen zwischen Katzen.

Auch Kitten verwenden dieses Signal gegenüber ihrer Mutter.

In der Forschung zur Mensch-Katze-Interaktion wird der aufgerichtete Schwanz ebenfalls zu den typischen affiliativen – also freundlichen und kontaktorientierten – Verhaltensweisen gezählt.

Typisch ist dabei:

  • die Katze nähert sich freiwillig,
  • der Schwanz zeigt deutlich nach oben,
  • der Körper wirkt locker,
  • die Ohren stehen neutral oder nach vorn
  • und häufig folgt anschließend ein Reiben oder anderer Kontakt.

Der Schwanz allein reicht trotzdem nicht

Auch hier gilt: Körpersprache sollte nie anhand eines einzelnen Körperteils interpretiert werden.

Ein aufgerichteter Schwanz in Kombination mit einer entspannten Annäherung ist etwas völlig anderes als eine Katze mit stark gesträubtem Fell, steifem Körper und hoher Erregung.

Der gesamte Kontext entscheidet.

3. Sie reibt Kopf oder Körper an dir

Katzen reiben sich an anderen Katzen, mit denen sie freundliche soziale Beziehungen pflegen.

Dieses sogenannte Allorubbing gehört zu den klassischen affiliativen Verhaltensweisen der Katze.

Ähnliche Bewegungen richten Hauskatzen auch an Menschen.

Vielleicht kennst du:

  • den Kopfstoß gegen deine Hand,
  • die Wange an deinem Bein,
  • das Entlangstreichen des ganzen Körpers
  • oder den Schwanz, der sich beim Vorbeigehen kurz an dich legt.

Die Feline Environmental Needs Guidelines beschreiben das Reiben an vertrauten Menschen ausdrücklich im Zusammenhang mit Vertrautheit und freundlicher sozialer Kommunikation.

„Sie markiert dich nur“ wäre zu einfach

Im Gesichtsbereich besitzen Katzen verschiedene Duftdrüsen.

Beim Reiben werden deshalb tatsächlich Geruchsstoffe übertragen.

Das bedeutet aber nicht, dass die soziale Bedeutung verschwindet.

Geruch und Berührung gehören bei Katzen eng zu ihrer Kommunikation.

Auch sozial verbundene Katzen reiben sich aneinander.

Deshalb wäre die Aussage:

„Sie reibt sich nur an dir, um dich zu markieren.“

genauso verkürzt wie:

„Jedes Reiben bedeutet Liebe.“

Bei einer entspannten Katze, die freiwillig auf einen vertrauten Menschen zugeht und sich an ihm reibt, ist es jedoch ein sehr gutes Zeichen für eine positive soziale Beziehung.

4. Sie blinzelt dich langsam an

Das berühmte langsame Katzenblinzeln gehört inzwischen tatsächlich zu den Verhaltensweisen, die experimentell untersucht wurden.

Humphrey und Kolleginnen und Kollegen veröffentlichten dazu 2020 zwei Experimente.

Beim sogenannten Slow Blink verengt eine Katze langsam die Augen, macht teilweise halbe Lidschlüsse und schließt sie mitunter kurz vollständig.

Katzen reagieren auf menschliches langsames Blinzeln

Im ersten Experiment zeigten Katzen häufiger eigene langsame Augenverengungen, nachdem ihre Bezugsperson ihnen langsam zugeblinzelt hatte, als in einer Vergleichssituation ohne entsprechende Interaktion.

Im zweiten Experiment blinzelte eine den Katzen unbekannte Versuchsleiterin langsam.

Anschließend waren die Katzen eher bereit, sich ihrer ausgestreckten Hand zu nähern als nach einer neutralen Gesichtssituation.

Die Forschenden kamen deshalb zu dem Schluss, dass langsames Blinzeln Teil einer positiven Katze-Mensch-Kommunikation sein könnte.

Das ist deutlich interessanter als die oft verbreitete Behauptung:

„Langsames Blinzeln heißt wörtlich: Ich liebe dich.“

Eine solche Übersetzung können wir natürlich nicht belegen.

Aber als ruhiges, positives Kommunikationssignal ist das Verhalten inzwischen gut begründet.

Kannst du zurückblinzeln?

Ja.

Du kannst:

  • die Katze ruhig anschauen,
  • die Augen langsam verengen,
  • sie kurz schließen
  • und anschließend den Blick wieder entspannen.

Wichtig ist, dabei nicht angespannt zu starren.

Wenn deine Katze zurückblinzelt: schön.

Wenn nicht: ebenfalls völlig normal.

Nicht jede Katze kommuniziert gleich häufig auf diese Weise.

5. Sie entspannt sich in deiner Nähe

Eine Katze muss nicht auf deinem Schoß liegen, damit deine Anwesenheit für sie positiv sein kann.

Auch gemeinsames ruhiges Verweilen kann sozial bedeutsam sein.

Bei sozial verbundenen Katzen gehört:

  • gemeinsames Ruhen,
  • Schlafen in räumlicher Nähe
  • und entspannter Aufenthalt nebeneinander

zum affiliativen Verhaltensrepertoire.

Auch gegenüber Menschen kann die freiwillige Wahl eines Ruheplatzes in ihrer Nähe ein Hinweis darauf sein, dass sich die Katze dort sicher und wohl fühlt.

Schlafen macht eine Katze verletzlicher

Im Schlaf reagiert eine Katze weniger unmittelbar auf ihre Umgebung.

Deshalb suchen Katzen zum Ruhen bevorzugt Orte, an denen sie sich ausreichend sicher fühlen.

Legt sich deine Katze regelmäßig freiwillig in deine Nähe und zeigt dabei eine lockere Körperhaltung, ist das deshalb durchaus aussagekräftig.

Typische entspannte Merkmale können sein:

  • lockere Muskulatur,
  • seitliches oder zusammengerolltes Liegen,
  • neutral stehende Ohren,
  • ruhige Atmung,
  • halb geschlossene Augen
  • oder tatsächliches Einschlafen.

Das bedeutet jedoch nicht:

„Jede Katze, die auf meinem Sofa schläft, liebt mich.“

Auch Temperatur, Komfort und Gewohnheit spielen bei der Wahl eines Schlafplatzes eine Rolle.

Wieder ist das Gesamtbild entscheidend.

6. Sie sucht Kontakt – aber auf ihre eigene Art

Ein häufiger Fehler bei der Beurteilung von Katzenbeziehungen ist, Nähe ausschließlich mit Körperkontakt gleichzusetzen.

Die eine Katze sitzt jeden Abend auf dem Schoß.

Eine andere liegt lieber:

  • neben dem Menschen auf dem Sofa,
  • auf dem Stuhl daneben,
  • am Fußende des Bettes
  • oder einfach im selben Raum.

Alle diese Varianten können freiwillige soziale Nähe sein.

Die Feline Environmental Needs Guidelines weisen ausdrücklich darauf hin, dass sich Katzen stark darin unterscheiden, wie viel und welche Form menschlichen Kontakts sie bevorzugen.

Viele Katzen bevorzugen sogar eher:

häufige, aber kurze und wenig intensive soziale Kontakte.

Eine Katze muss kein Schoßkater sein

Das ist ein wichtiger Punkt.

Wir Menschen neigen dazu, Katzen besonders viel Zuneigung zuzuschreiben, wenn sie:

  • auf uns schlafen,
  • sich tragen lassen,
  • lange kuscheln
  • oder körperlich sehr anhänglich sind.

Eine Katze, die das nicht möchte, kann trotzdem eine ebenso enge Beziehung zu ihrem Menschen haben.

Vielleicht besteht ihr bevorzugter Kontakt aus:

  • einem kurzen Kopfstoß,
  • gemeinsamem Aufenthalt im Raum,
  • Spiel,
  • Begrüßung an der Tür,
  • langsamen Blinzeln
  • oder gelegentlichem Streicheln am Kopf.

Die Qualität einer Beziehung lässt sich nicht daran messen, wie viele Minuten eine Katze auf einem Menschen liegt.

7. Sie beendet den Kontakt – und kommt später wieder

Dieses Zeichen ist besonders spannend, weil es leicht übersehen wird.

Eine Katze kommt zu dir, lässt sich kurz streicheln und geht wieder.

Eine halbe Stunde später ist sie erneut da.

Dann verschwindet sie wieder.

Und abends liegt sie erneut neben dir.

Für Menschen kann das fast widersprüchlich wirken.

Aus Katzensicht kann es aber genau zu einem angenehmen sozialen Kontakt passen.

Die Katze kann Nähe beginnen, dosieren und wieder beenden – und entscheidet sich später freiwillig erneut dafür.

Wahlfreiheit verbessert Mensch-Katze-Interaktionen

Haywood, Finka und Kolleginnen beziehungsweise Kollegen untersuchten 2021, was passiert, wenn Menschen einfache katzenfreundliche Interaktionsregeln beachten.

Die Regeln beruhten auf drei Grundprinzipien:

  • Choice: der Katze Wahl und Kontrolle lassen,
  • Attention: auf ihre Körpersprache achten,
  • Touch: bevorzugte Berührungsbereiche berücksichtigen.

Menschen sollten unter anderem:

  • die Katze selbst näherkommen lassen,
  • sie nicht verfolgen, wenn sie weggeht,
  • beim Streicheln regelmäßig kurze Pausen machen
  • und beobachten, ob die Katze den Kontakt erneut aufnimmt.

Das Ergebnis war bemerkenswert:

Wenn Menschen diese Regeln befolgten, zeigten die Katzen mehr affiliatives beziehungsweise positiv bewertetes Verhalten und weniger aggressive oder konfliktbezogene Reaktionen.

Das unterstützt einen der wichtigsten Grundsätze guter Katzenbeziehungen:

Eine Katze sollte jederzeit „Nein“ sagen dürfen – denn gerade dann bekommt ihr „Ja“ mehr Bedeutung.

Ist „sie kommt immer wieder zurück“ also der stärkste Liebesbeweis?

So weit würde die Wissenschaft nicht gehen.

Es gibt keine Rangliste mit:

„Dieses Verhalten bedeutet 82 Prozent Zuneigung.“

Aber im Alltag ist wiederholt freiwillig gewählter Kontakt tatsächlich sehr informativ.

Wenn eine Katze:

  • gehen kann,
  • nicht gelockt oder festgehalten wird,
  • keine Ressource erzwingen muss
  • und trotzdem regelmäßig deine Nähe aufsucht,

spricht das sehr dafür, dass der Kontakt für sie einen positiven Wert besitzt.

Nicht jede Katze zeigt alle sieben Zeichen

Eine sehr menschenbezogene Katze kann fast alle diese Verhaltensweisen zeigen.

Eine andere vielleicht nur zwei oder drei.

Die Unterschiede hängen unter anderem zusammen mit:

  • Genetik,
  • früher Sozialisation,
  • Erfahrungen mit Menschen,
  • Alter,
  • Gesundheitszustand,
  • Temperament
  • und individueller Persönlichkeit.

Finka fasste 2022 in einer großen Übersichtsarbeit zusammen, wie unterschiedlich die soziale Motivation einzelner Hauskatzen gegenüber Menschen und Artgenossen sein kann.

Es gibt deshalb keinen perfekten „Zuneigungs-Katalog“, den jede Katze erfüllen muss.

Was ist mit Schnurren?

Schnurren wird sehr häufig als eindeutiger Liebesbeweis interpretiert.

In entspannten sozialen Situationen kann es tatsächlich zu positivem Kontakt gehören.

Aber Katzen schnurren nicht ausschließlich dann, wenn sie glücklich sind.

Schnurren wurde auch beschrieben bei:

  • Kontakt- und Futteraufforderungen,
  • Stress,
  • Schmerzen
  • oder anderen belastenden Situationen.

Deshalb gilt:

Eine entspannte Katze, die sich freiwillig an dich schmiegt und schnurrt, zeigt ein ganz anderes Gesamtbild als eine kranke oder verletzte Katze, die ebenfalls schnurrt.

Schnurren allein ist kein zuverlässiger „Liebesmesser“.

Und wenn sie den Bauch zeigt?

Eine Katze auf dem Rücken wirkt für uns ausgesprochen vertrauensvoll.

Das kann tatsächlich bedeuten, dass sie sich in diesem Moment sicher genug fühlt, eine verletzliche Körperregion offen zu zeigen.

Aber:

Bauch zeigen ist nicht automatisch eine Einladung zum Bauchstreicheln.

Katzen reagieren auf Berührungen am Bauch sehr unterschiedlich.

Die Cat-Friendly-Richtlinien weisen darauf hin, dass Katzen Berührungen an Kopf und Wangen häufig besser akzeptieren, während der Bauch bei vielen Tieren deutlich empfindlicher ist.

Eine Katze kann also entspannt auf dem Rücken liegen und trotzdem sehr klar mitteilen:

„Anschauen ja. Anfassen nein.“

Und bringt sie dir wirklich Mäuse als Geschenk?

Ein weiterer Klassiker lautet:

„Meine Katze bringt mir ihre Beute, weil sie mich liebt und mir etwas schenken möchte.“

Dass Freigängerkatzen Beutetiere nach Hause bringen, ist sehr gut dokumentiert.

Die Interpretation als bewusstes Geschenk an den Menschen ist dagegen nicht belegt.

Katzen bringen lediglich einen Teil ihrer erbeuteten Tiere nach Hause. Andere Beute wird gefressen oder am Fangort zurückgelassen.

Warum eine einzelne Katze ein bestimmtes Beutetier zurückbringt, lässt sich aus dem Verhalten allein nicht sicher bestimmen.

Deshalb sollte ein Vogel oder eine Maus auf dem Teppich nicht automatisch als Liebesbrief übersetzt werden.

Auch Kneten ist kein exklusiver Liebesbeweis

Das sogenannte Milchtritt- oder Knetverhalten beginnt bereits im Kittenalter beim Säugen.

Viele erwachsene Katzen zeigen es später in entspannten Situationen weiter – beispielsweise auf einer Decke oder auf ihrem Menschen.

Bei einer entspannten Katze kann Kneten gut zu positivem Sozialkontakt gehören.

Aber auch hier gilt:

Das Verhalten hat mehrere mögliche Zusammenhänge und sollte nicht isoliert interpretiert werden.

Was ist aussagekräftiger als ein einzelnes „Liebeszeichen“?

Am besten betrachtet man ein ganzes Muster.

Besonders aussagekräftig ist eine Kombination aus:

  • freiwilliger Annäherung,
  • lockerer Körperhaltung,
  • neutralen oder nach vorn gerichteten Ohren,
  • freundlichem Schwanzsignal,
  • Reiben oder Nasenkontakt,
  • entspanntem Aufenthalt in deiner Nähe,
  • freiwilligem Beenden der Interaktion
  • und später erneutem Kontakt.

Das beschreibt eine Katze, die nicht nur Kontakt toleriert, sondern aktiv daran teilnimmt.

Warum freiwilliger Kontakt so wichtig ist

Die moderne Forschung zur Mensch-Katze-Interaktion betont immer wieder drei Dinge:

Wahl, Kontrolle und Vorhersagbarkeit.

Eine Katze sollte:

  • entscheiden können, ob sie Kontakt möchte,
  • weggehen dürfen,
  • nicht festgehalten werden, wenn sie Abstand möchte,
  • nicht ständig verfolgt werden
  • und möglichst vorhersehbare Reaktionen ihres Menschen erleben.

Genau daraus kann eine stabile soziale Beziehung entstehen.

Die AAFP/ISFM-Leitlinien formulieren ausdrücklich, dass Menschen eine Katze Kontakt initiieren, verändern und beenden lassen sollten.

Ein kleiner „Consent-Test“ beim Streicheln

Eine sehr einfache Methode aus den CAT-Interaktionsrichtlinien lässt sich auch zu Hause anwenden.

Wenn du deine Katze streichelst:

  1. Streichle sie einige Sekunden an einer Stelle, die sie normalerweise mag.
  2. Mach dann eine kurze Pause.
  3. Beobachte, was sie tut.

Kommt sie:

  • mit dem Kopf wieder an deine Hand,
  • reibt sich erneut an dir,
  • bleibt entspannt im Kontakt
  • oder fordert sichtbar weiteres Streicheln ein?

Dann spricht viel dafür, dass sie die Interaktion fortsetzen möchte.

Geht sie weg oder reagiert nicht auf deine Pause, darf der Kontakt einfach enden.

Das klingt banal – ist aber eine ausgesprochen katzenfreundliche Art der Kommunikation.

Was, wenn meine Katze plötzlich weniger Nähe möchte?

Persönlichkeit und soziale Vorlieben können sich im Laufe des Lebens verändern.

Auch ältere Katzen bevorzugen manchmal andere Formen von Kontakt als früher.

Eine Katze, die sich früher gern hochheben ließ, möchte vielleicht lieber im eigenen Körbchen gestreichelt werden.

Eine plötzliche deutliche Veränderung sollte man jedoch nicht immer nur mit Stimmung erklären.

Wenn eine normalerweise kontaktfreudige Katze plötzlich:

  • Berührungen meidet,
  • sich zurückzieht,
  • bei bestimmten Berührungen abwehrt,
  • weniger springt,
  • ungewohnt reizbar wirkt
  • oder andere Verhaltensänderungen zeigt,

können auch Schmerzen oder Erkrankungen eine Rolle spielen.

Dann ist eine tierärztliche Abklärung sinnvoll.

Vielleicht mag sie dich sehr – nur eben aus einem Meter Entfernung

Gerade zurückhaltende Katzen werden häufig unterschätzt.

Eine Katze muss nicht:

  • auf deinem Kopf schlafen,
  • ständig auf deinem Schoß liegen,
  • stundenlang schnurren
  • oder sich herumtragen lassen,

um eine enge Beziehung zu dir zu haben.

Vielleicht sitzt sie jeden Abend am anderen Ende des Sofas.

Aber sie könnte auch woanders liegen.

Sie entscheidet sich trotzdem für denselben Raum.

Vielleicht kommt sie morgens kurz für einen Kopfstoß vorbei und geht dann wieder.

Vielleicht blinzelt sie dich aus ihrem Körbchen an.

Oder sie folgt dir zuverlässig von Zimmer zu Zimmer, ohne jemals auf deinem Schoß zu sitzen.

Für manche Katzen ist genau das Nähe.

Kurz & knapp: 7 Zeichen, dass deine Katze dich wahrscheinlich gern um sich hat

  1. Sie kommt freiwillig zu dir. Selbst gewählte Nähe ist besonders aussagekräftig.
  2. Sie begrüßt dich mit aufgerichtetem Schwanz. Das Tail-up-Signal gehört zu freundlichem Annäherungsverhalten.
  3. Sie reibt sich an dir. Kopf- und Körperreiben gehören zum affiliativen Sozialverhalten und zur Kommunikation mit vertrauten Sozialpartnern.
  4. Sie blinzelt dich langsam an. Experimente sprechen dafür, dass Slow Blinking Teil positiver Katze-Mensch-Kommunikation sein kann.
  5. Sie kann sich in deiner Nähe entspannen. Freiwilliges ruhiges Verweilen oder Schlafen kann zeigen, dass sie sich dort sicher fühlt.
  6. Sie sucht Kontakt auf ihre eigene Art. Schoß, Sofakante oder ein Platz einen Meter entfernt können gleichermaßen freiwillig gewählte soziale Nähe sein.
  7. Sie kommt immer wieder zurück. Eine Katze, die Kontakt selbst beendet und ihn später erneut freiwillig aufnimmt, zeigt besonders deutlich, dass sie diesen Kontakt immer wieder auswählt.

Die leisesten Zeichen sind oft die interessantesten

Wir Menschen mögen eindeutige Liebeserklärungen.

Katzen liefern sie nicht unbedingt.

Ihre Beziehung zu uns zeigt sich häufig viel unauffälliger:

in einem hochgestellten Schwanz an der Tür.

In einem kurzen Kopfstoß.

In einem langsamen Blinzeln.

In einer Katze, die nicht auf unserem Schoß liegt – aber jeden Abend daneben.

Oder in einer, die nach fünf Minuten geht und eine Stunde später wiederkommt.

Vielleicht ist genau das eines der schönsten Zeichen einer guten Mensch-Katze-Beziehung: Die Katze könnte Abstand wählen – und entscheidet sich trotzdem immer wieder für unsere Nähe.

Quellen & weiterführende Informationen

  • Humphrey T, Proops L, Forman J, Spooner RM, McComb K (2020): „The role of cat eye narrowing movements in cat–human communication“, Scientific Reports, 10, 16503. DOI: 10.1038/s41598-020-73426-0 – experimentelle Untersuchung des langsamen Blinzelns in der Katze-Mensch-Kommunikation.
  • Cafazzo S, Natoli E (2009): „The social function of tail up in the domestic cat (Felis silvestris catus)“, Behavioural Processes, 80(1), 60–66. DOI: 10.1016/j.beproc.2008.09.008 – Untersuchung zur sozialen Funktion des aufgerichteten Schwanzes bei freundlichen Annäherungen.
  • Vitale KR, Behnke AC, Udell MAR (2019): „Attachment bonds between domestic cats and humans“, Current Biology, 29(18), R864–R865. DOI: 10.1016/j.cub.2019.08.036 – Untersuchung bindungsähnlicher Verhaltensmuster zwischen Katzen und ihren Bezugspersonen.
  • Turner DC (2021): „The Mechanics of Social Interactions Between Cats and Their Owners“, Frontiers in Veterinary Science, 8, 650143. DOI: 10.3389/fvets.2021.650143 – Übersichtsarbeit zu Initiierung, Dauer und wechselseitiger Steuerung von Mensch-Katze-Interaktionen.
  • Haywood C, Ripari L, Puzzo J, Foreman-Worsley R, Finka LR (2021): „Providing Humans With Practical, Best Practice Handling Guidelines During Human-Cat Interactions Increases Cats‘ Affiliative Behaviour and Reduces Aggression and Signs of Conflict“, Frontiers in Veterinary Science, 8, 714143. DOI: 10.3389/fvets.2021.714143 – experimentelle Untersuchung zu Wahlfreiheit, Körpersprache und katzenfreundlichen Berührungen.
  • Finka LR (2022): „Conspecific and Human Sociality in the Domestic Cat: Consideration of Proximate Mechanisms, Human Selection and Implications for Cat Welfare“, Animals, 12(3), 298. DOI: 10.3390/ani12030298 – umfassende Übersichtsarbeit zu Sozialverhalten, individuellen Unterschieden und Mensch-Katze-Beziehungen.
  • Ellis SLH, Rodan I, Carney HC et al. (2013): „AAFP and ISFM Feline Environmental Needs Guidelines“, Journal of Feline Medicine and Surgery, 15(3), 219–230. DOI: 10.1177/1098612X13477537 – Empfehlungen zu positiven, freiwilligen und vorhersehbaren sozialen Interaktionen mit Katzen.
  • Rodan I, Dowgray N, Carney HC et al. (2022): „2022 AAFP/ISFM Cat Friendly Veterinary Interaction Guidelines: Approach and Handling Techniques“, Journal of Feline Medicine and Surgery, 24(11), 1093–1132 – Bedeutung von Wahlfreiheit, Kontrolle und bevorzugten Berührungsbereichen bei Katzen.
  • Yeon SC, Kim YK, Park SJ et al. / Überblick zur felinen Lautkommunikation (2020): Feline vocal communication, Journal of Veterinary Science – Einordnung verschiedener Lautäußerungen und ihrer unterschiedlichen Kommunikationskontexte.

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