„Das war alles für die Katz!“
Wir sagen es, wenn wir uns angestrengt haben – und am Ende scheinbar nichts dabei herausgekommen ist.
Stundenlange Arbeit, die umsonst war.
Eine Vorbereitung, die plötzlich niemand mehr braucht.
Ein Plan, der komplett scheitert.
„Für die Katz“ bedeutet heute: vergeblich, nutzlos oder umsonst.
Aber warum ausgerechnet die Katze?
Die Antwort führt mehrere Jahrhunderte zurück – und ist etwas komplizierter, als es viele Erklärungen im Internet vermuten lassen.
Was bedeutet „für die Katz“?
Wenn etwas „für die Katz“ war, hat es keinen erkennbaren Nutzen gebracht oder das gewünschte Ergebnis wurde nicht erreicht.
Zum Beispiel:
„Ich habe den ganzen Nachmittag alles vorbereitet – und dann wurde die Veranstaltung abgesagt. Die ganze Arbeit war für die Katz.“
Oder:
„Wir haben das Problem repariert und zwei Tage später war wieder alles kaputt. Das war wohl für die Katz.“
Die Katze selbst wird dabei natürlich nicht beurteilt.
Die Wendung ist ein historisch entstandenes Sprachbild.
Für die Katz = wertlos?
Eine verbreitete Erklärung führt die Redewendung auf die frühere Stellung von Katzen im Haushalt zurück.
Katzen waren über Jahrhunderte nicht in erster Linie Familienmitglieder im heutigen Sinn.
Sie hielten Mäuse und andere Schädlinge fern und lebten häufig wesentlich unabhängiger vom Menschen als viele heutige Wohnungskatzen.
Gefüttert wurden sie unter anderem mit Resten, die für Menschen keinen besonderen Wert mehr hatten.
Der Duden erklärt die Wendung deshalb bildlich mit wertlosen Essensresten, die Katzen zum Fressen zugeworfen wurden.
Was „für die Katze“ bestimmt war, konnte damit sinngemäß für etwas stehen, das aus menschlicher Sicht kaum noch Wert besaß.
Das ist eine sprachhistorische Erklärung – keine Aussage darüber, welchen Wert Katzen tatsächlich hatten oder haben.
Auch das Deutsche Wörterbuch kennt die Wendung
Das historische Deutsche Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm dokumentiert Formen wie:
„Das ist der Katze“
und
„Das ist für die Katze.“
Gemeint ist etwas, das nichts taugt beziehungsweise nur geringen Wert besitzt.
Damit ist zumindest klar:
Die Verbindung von „Katze“ und „wertlos beziehungsweise vergeblich“ ist sprachgeschichtlich gut belegt.
Und dann gibt es noch den Schmied
Eine besonders bekannte Erklärung führt zu dem deutschen Dichter und Fabelautor Burkard Waldis.
1548 veröffentlichte er seine umfangreiche Fabelsammlung Esopus.
Sie umfasst 400 Fabeln und Erzählungen.
Darin findet sich auch die Geschichte „Vom Schmied und seiner Katze“.
Die Geschichte vom Schmied und seiner Katze
Der Schmied der Erzählung entscheidet sich für ein ungewöhnliches Geschäftsmodell.
Er verlangt für seine Arbeit keinen festen Preis.
Stattdessen dürfen seine Kunden selbst entscheiden, was ihnen seine Leistung wert ist.
Das funktioniert allerdings nicht besonders gut.
Viele Kunden bedanken sich lediglich.
Geld bekommt der Schmied kaum.
In seiner Werkstatt befindet sich eine Katze.
Wenn wieder jemand mit nichts weiter als einem Dank verschwindet, gibt der Schmied diesen Dank sinnbildlich an die Katze weiter.
Doch von Worten kann weder der Schmied noch seine Katze leben.
Die Katze verhungert schließlich.
Die Pointe ist ziemlich deutlich:
Ein Dankeschön ersetzt keinen Lebensunterhalt.
Hat Burkard Waldis also die Redewendung erfunden?
Das lässt sich nicht sicher behaupten.
Und genau hier werden viele moderne Erklärungen zu eindeutig.
Waldis‘ Fabel von 1548 ist ein wichtiger historischer Beleg und wird seit Langem mit der Wendung verbunden.
Aber ein schriftlicher Beleg beweist nicht automatisch, dass der Autor den Ausdruck selbst erfunden hat.
Redewendungen können bereits mündlich verbreitet sein, bevor sie erstmals in einem erhaltenen Text auftauchen.
Ältere sprachhistorische Literatur weist sogar ausdrücklich darauf hin, dass es genauso möglich ist, dass Waldis ein bereits bekanntes Sprichwort beziehungsweise Motiv für seine Geschichte verwendete.
Die vorsichtige Formulierung lautet deshalb:
Die Fabel von Burkard Waldis ist eng mit der Redewendung verbunden und ein bedeutender früher Beleg – aber ihr sicherer Erfinder ist Waldis damit nicht.
Zwei Erklärungen – müssen wir uns für eine entscheiden?
Nicht unbedingt.
Sprachgeschichte funktioniert selten wie eine Detektivgeschichte mit genau einem Täter und einem eindeutigen Entstehungstag.
Zum einen gibt es das Bild von Dingen oder Speiseresten geringen Werts, die „für die Katze“ bestimmt waren.
Zum anderen gibt es die sehr alte und gut dokumentierte Schmiedefabel, in der wertlose beziehungsweise leere Worte an die Katze weitergegeben werden.
Beide Vorstellungen bewegen sich um denselben Bedeutungsbereich:
Etwas hat für den Menschen keinen brauchbaren Wert mehr.
Welcher Weg die heutige feste Redewendung exakt hervorgebracht hat, lässt sich nicht mit letzter Sicherheit rekonstruieren.
Warum heißt es „Katz“ und nicht „Katze“?
Heute hört man meist:
„Das ist für die Katz.“
Das fehlende „e“ ist kein Katzenname und auch kein eigener alter Begriff.
„Katz“ ist eine verkürzte Form von „Katze“.
Solche Verkürzungen können sich gerade in festen Wendungen besonders lange erhalten.
Daneben ist auch die Form:
„Das ist für die Katze.“
historisch belegt.
Die verkürzte Variante ist heute einfach besonders fest mit der Redewendung verbunden.
Und „Alles für die Katz“?
Auch diese Form ist gebräuchlich.
Sie verstärkt meist den Gedanken, dass eine ganze Anstrengung erfolglos geblieben ist.
„Wochenlang vorbereitet – alles für die Katz.“
Die Bedeutung unterscheidet sich also nicht grundsätzlich von:
„Das war für die Katz.“
Ist „umsonst“ eigentlich dasselbe wie „vergeblich“?
Im Zusammenhang mit dieser Redewendung meistens ja.
„Umsonst“ kann im Deutschen allerdings zwei Bedeutungen haben:
- kostenlos
- vergeblich
Wenn etwas „für die Katz“ war, ist natürlich die zweite Bedeutung gemeint.
Die Arbeit war nicht unbedingt kostenlos – sie hatte nur nicht den erhofften Erfolg.
Eine erstaunlich alte Wendung
Die Geschichte von Burkard Waldis wurde bereits 1548 gedruckt.
Damit befinden wir uns in der frühen Neuzeit.
Die Redewendung beziehungsweise sehr ähnliche Formen begleiten die deutsche Sprache also seit Jahrhunderten.
Das ist für Redewendungen typisch:
Die Lebenswelt verändert sich, aber das ursprüngliche Bild bleibt erhalten.
Heute bekommen Hauskatzen normalerweise kein wertloses Küchenrestefutter und kaum jemand denkt beim Satz „Das ist für die Katz“ tatsächlich an eine Katze.
Trotzdem versteht fast jeder sofort, was gemeint ist.
Alte Redewendungen erzählen auch etwas über das Verhältnis zu Katzen
Gerade für uns Katzenmenschen klingt „für die Katz“ heute beinahe ein wenig ungerecht.
Etwas für die Katze?
Das klingt schließlich eher nach etwas besonders Schönem.
Historische Redewendungen spiegeln jedoch die Lebenswelt ihrer Entstehungszeit wider.
Katzen hatten früher häufig eine sehr praktische Aufgabe im Haushalt: Mäuse fangen.
Ihre Versorgung, ihr gesellschaftlicher Stellenwert und ihre Beziehung zum Menschen unterschieden sich teilweise erheblich von der heutigen Heimtierhaltung.
Genau deshalb sollte man historische Sprachbilder nicht mit heutigen Wertvorstellungen verwechseln.
Mythos: Burkard Waldis hat die Redewendung erfunden
So sicher können wir das nicht sagen.
Seine 1548 erschienene Fabel ist eng mit der Wendung verbunden und gehört zu den wichtigen frühen Belegen.
Ob Waldis einen bereits bekannten Ausdruck aufgriff oder ob seine Erzählung entscheidend zu seiner Verbreitung beitrug, lässt sich nicht eindeutig feststellen.
Mythos: Wir wissen genau, woher „für die Katz“ kommt
Nein.
Es gibt gut belegte historische Zusammenhänge und plausible Erklärungen.
Eine lückenlose Entstehungsgeschichte mit eindeutigem Zeitpunkt und Erfinder haben wir aber nicht.
Mythos: Die Wendung bedeutet, Katzen seien nutzlos
Nein.
Gemeint ist ausschließlich das Ergebnis einer Handlung:
Eine Mühe hat nichts gebracht.
Die heutige Redewendung bewertet keine Katze.
Kurz & knapp
- „Für die Katz“ bedeutet heute vergeblich, nutzlos oder umsonst.
- Historische Wörterbücher belegen Formen wie „das ist der Katze“ und „für die Katze“.
- Eine bildliche Erklärung verbindet die Wendung mit geringwertigen Essensresten, die Katzen überlassen wurden.
- Sehr bekannt ist außerdem Burkard Waldis‘ Fabel „Vom Schmied und seiner Katze“ aus dem Jahr 1548.
- Darin erhält die Katze sinnbildlich die wertlosen Dankesworte der Kunden.
- Die Fabel ist ein wichtiger früher Beleg.
- Dass Waldis die Redewendung selbst erfunden hat, ist damit nicht bewiesen.
- Die genaue Entstehungsgeschichte lässt sich nicht vollständig rekonstruieren.
- „Katz“ ist eine verkürzte Form von „Katze“, die sich in der festen Wendung erhalten hat.
Für die Katz?
Sprachlich bedeutet es:
Alle Mühe war vergebens.
Historisch steckt dahinter eine Welt, in der Katzen eine andere Stellung im menschlichen Alltag hatten als heute.
Und wie bei vielen jahrhundertealten Redewendungen kennen wir zwar wichtige Spuren ihrer Geschichte – aber nicht jeden einzelnen Schritt.
Für uns Katzenmenschen bleibt deshalb zumindest eine Sache eindeutig:
Mo würde vermutlich energisch widersprechen, dass irgendetwas, das wirklich für die Katze bestimmt ist, nutzlos sein könnte.
Quellen & weiterführende Informationen
- Duden: Sprachlich Interessantes zur „Katze“. Bedeutung der Redewendung und Erklärung über geringwertige Essensreste, die Katzen überlassen wurden.
- Jacob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch – Katze. Historische Belege zu Formen wie „das ist der Katze“ beziehungsweise „ist für die Katze“.
- Burkard Waldis: Esopus. Ganz neu gemacht und in Reime gefasst, 1548, insbesondere die Erzählung „Vom Schmied und seiner Katze“.
- Universität Heidelberg / Germanistisches Seminar: Editionsprojekt Burkard Waldis, Esopus. 400 Fabeln und Erzählungen nach der Erstausgabe von 1548.
- Georg Büchmann: Geflügelte Worte. Historische Einordnung der Verbindung zwischen der Waldis-Fabel und der Redewendung sowie Hinweis auf die nicht völlig eindeutige Entstehung.

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