Ist meine Katze zu dick? | Übergewicht bei Katzen richtig erkennen

„Meine Katze wiegt fünf Kilo – ist das schon zu viel?“

Auf diese Frage gibt es keine seriöse Antwort, solange wir nur die Zahl auf der Waage kennen.

Denn Katzen unterscheiden sich deutlich in:

  • Körpergröße,
  • Knochenbau,
  • Muskelmasse,
  • Geschlecht,
  • Alter
  • und individueller Körperform.

Vier Kilogramm können für eine kleine Katze bereits zu viel sein, während eine deutlich größere Katze mit sechs Kilogramm einen vollkommen normalen Körperzustand haben kann.

Ob eine Katze übergewichtig ist, erkennt man deshalb nicht an einer festen Kilogrenze – sondern an ihrem individuellen Körperzustand.

Dafür verwenden Tierärztinnen und Tierärzte unter anderem den sogenannten Body Condition Score, kurz BCS.

Die Waage ist trotzdem wichtig

Bevor wir die Kilozahl völlig verbannen: Das Gewicht einer Katze ist keineswegs unwichtig.

Im Gegenteil.

AAHA und AAFP empfehlen, bei tierärztlichen Untersuchungen regelmäßig:

  • das Körpergewicht,
  • den Body Condition Score
  • und den Muskelzustand

zu dokumentieren.

Besonders wertvoll ist die Waage nämlich, wenn man dieselbe Katze über längere Zeit betrachtet.

Wiegt eine Katze über Jahre ungefähr 4,3 Kilogramm und steigt ihr Gewicht innerhalb weniger Monate auf 5,2 Kilogramm, ist diese Veränderung relevant – auch wenn es keine allgemeine Regel gibt, nach der 5,2 Kilogramm automatisch „zu dick“ wären.

Umgekehrt kann ein unerklärlicher Gewichtsverlust ein wichtiges gesundheitliches Warnsignal sein.

Die Waage zeigt also Veränderungen sehr gut. Sie sagt allein aber nicht zuverlässig, ob das aktuelle Gewicht zur individuellen Katze passt.

Was ist der Body Condition Score?

Der Body Condition Score ist ein standardisiertes Verfahren zur Einschätzung der Körperfettreserven eines Tieres.

Dabei wird die Katze nicht nur angesehen.

Sie wird auch vorsichtig abgetastet.

Beurteilt werden unter anderem:

  • die Rippen,
  • die Taille,
  • die Bauchlinie
  • und die Verteilung von Fettpolstern.

Der BCS ist keine exakte Messung des Körperfettanteils wie eine aufwendige bildgebende Untersuchung.

Er ist eine semiquantitative klinische Einschätzung.

Studien zeigen jedoch, dass ein standardisiert erhobener BCS gut mit dem tatsächlichen Körperfettanteil zusammenhängt und für den tierärztlichen Alltag sehr brauchbar ist.

Warum gibt es verschiedene BCS-Skalen?

Im Alltag begegnen einem vor allem zwei Systeme:

  • eine 5-Punkte-Skala
  • und eine 9-Punkte-Skala.

Deshalb sollte bei einer Angabe immer dabeistehen, welche Skala verwendet wurde.

„BCS 5“ bedeutet auf einer 9-Punkte-Skala etwas völlig anderes als auf einer 5-Punkte-Skala.

Bei Katzen wird heute sehr häufig die 9-Punkte-Skala verwendet.

Die 9-Punkte-Skala

Auf der von der World Small Animal Veterinary Association – WSAVA – veröffentlichten Skala gilt:

  • BCS 1–4: unter dem Idealzustand,
  • BCS 5: ideal,
  • BCS 6–7: über dem Ideal beziehungsweise übergewichtig,
  • BCS 8–9: stark übergewichtig beziehungsweise adipös.

Die AAHA/AAFP Feline Life Stage Guidelines bezeichnen einen BCS von 6/9 und 7/9 als übergewichtig und einen BCS von 8/9 oder höher als adipös.

Das ist auch die Einteilung, die wir in unserer Grafik verwenden.

BCS 5/9 – wie sieht eine Katze im Idealbereich aus?

Bei einem BCS von 5 beschreibt die WSAVA eine Katze als gut proportioniert.

Typische Merkmale sind:

  • Die Rippen sind leicht tastbar.
  • Über ihnen liegt nur eine dünne Fettschicht.
  • Von oben ist hinter dem Rippenbogen eine Taille erkennbar.
  • Das abdominale Fettpolster ist nur gering ausgeprägt.

Wichtig:

„Ideal“ bedeutet nicht, dass jede Rippe deutlich sichtbar sein muss.

Sehr deutlich sichtbare Rippen können vielmehr auf einen zu niedrigen BCS hinweisen.

BCS 6/9 – erste Veränderungen können ziemlich unauffällig sein

Bei BCS 6 sind die Rippen normalerweise noch tastbar, allerdings liegt bereits etwas mehr Fett darüber.

Die Taille ist weniger deutlich.

Das abdominale Fettpolster kann stärker ausgeprägt sein und die von der Seite sichtbare Bauchaufziehung verschwindet zunehmend.

Genau hier liegt ein praktisches Problem:

Eine Katze muss noch lange nicht offensichtlich „rund“ aussehen, um bereits über ihrem idealen Körperzustand zu liegen.

BCS 7/9 – die Taille verschwindet zunehmend

Bei BCS 7 lassen sich die Rippen durch die darüberliegende Fettschicht schwieriger ertasten.

Von oben ist die Taille nur noch schwach erkennbar.

Der Bauch wirkt zunehmend rund und das abdominale Fettpolster deutlicher.

Spätestens hier reicht ein kurzer Blick auf die Waage erst recht nicht aus.

Eine große Katze mit BCS 5 kann schwerer sein als eine kleinere Katze mit BCS 7.

BCS 8 und 9 – Adipositas

Bei einem BCS von 8 sind die Rippen unter der ausgeprägten Fettschicht kaum beziehungsweise nicht mehr tastbar.

Eine erkennbare Taille fehlt.

Der Bauch ist deutlich gerundet und Fettpolster können auch im Bereich des unteren Rückens ausgeprägt sein.

Bei BCS 9 beschreibt die WSAVA:

  • eine starke Fettabdeckung der Rippen,
  • deutliche Fettdepots im Bereich von Rücken, Gesicht und Gliedmaßen,
  • keine erkennbare Taille
  • und ausgeprägte abdominale Fettansammlungen.

Kann man den BCS zu Hause einschätzen?

Ja – zumindest als Orientierung.

Eine gute Einschätzung besteht aus Anschauen und Fühlen.

Unsere Grafik fasst dafür drei besonders wichtige Punkte zusammen:

  1. Rippen fühlen,
  2. von oben auf die Katze schauen,
  3. die Katze von der Seite betrachten.

1. Die Rippen fühlen

Lege deine Finger vorsichtig seitlich auf den Brustkorb.

Bei einer Katze mit idealem Körperzustand sollten sich die Rippen ohne starken Druck ertasten lassen.

Sie dürfen von einer dünnen Fettschicht bedeckt sein.

Du solltest aber nicht erst kräftig drücken müssen, um überhaupt zu merken, dass darunter Rippen liegen.

Umgekehrt sollten die Rippen auch nicht stark hervorstehen.

Die Frage lautet also nicht: „Kann ich Rippen sehen?“ – sondern: „Wie leicht kann ich sie fühlen?“

Bei langhaarigen Katzen ist Fühlen besonders wichtig

Fell kann täuschen.

Eine sehr flauschige Katze kann deutlich voluminöser aussehen, als ihr tatsächlicher Körperbau vermuten lässt.

Bei langhaarigen Katzen ist eine reine Beurteilung über Fotos oder die Silhouette deshalb besonders unzuverlässig.

Das Abtasten von Rippen und Körperkonturen ist wesentlich aussagekräftiger.

2. Von oben auf die Katze schauen

Bei einer Katze im idealen Körperzustand sollte hinter dem Brustkorb eine erkennbare Taille vorhanden sein.

Das bedeutet nicht, dass die Katze extrem schmal oder „sanduhrenförmig“ aussehen muss.

Aber der Körper sollte von oben nicht wie ein gleichmäßig breites Oval verlaufen.

Mit zunehmendem Übergewicht wird die Taille:

  • zunächst weniger deutlich,
  • dann kaum noch erkennbar
  • und bei starker Adipositas vollständig verschwinden.

3. Die Katze von der Seite betrachten

Von der Seite besitzt eine Katze mit idealem Körperzustand hinter dem Brustkorb normalerweise eine leichte Aufziehung der Bauchlinie.

Bei zunehmendem Körperfett verschwindet diese Kontur.

Aber gerade hierbei gibt es einen wichtigen Stolperstein:

den Urbeutel.

Der Urbeutel ist nicht automatisch Übergewicht

Viele Katzen besitzen am unteren Bauch eine lockere Haut-Fett-Falte, die beim Gehen sogar sichtbar hin und her schwingen kann.

Sie wird als primordial pouch bezeichnet – auf Deutsch häufig Urbeutel oder Bauchtasche.

Diese Struktur ist ein normaler Bestandteil der Katzenanatomie.

Ihre Ausprägung kann von Katze zu Katze erheblich variieren.

VCA Animal Hospitals weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst eine schlanke Katze einen deutlich sichtbaren Urbeutel besitzen kann.

Ein hängender Bauch bedeutet deshalb nicht automatisch: Diese Katze ist zu dick.

Was steckt im Urbeutel?

Der primordial pouch besteht aus lockerer Haut und enthält auch Fettgewebe.

Er liegt vor allem im hinteren Bereich des Bauches zwischen beziehungsweise vor den Hinterbeinen.

Bei manchen Katzen ist er:

  • kaum sichtbar,
  • bei anderen deutlich ausgeprägt
  • und bei wieder anderen sehr groß.

Genetik, Alter und individuelle Anatomie können seine Ausprägung beeinflussen.

Warum haben Katzen überhaupt einen Urbeutel?

Darüber gibt es mehrere plausible Hypothesen.

Diskutiert werden beispielsweise:

  • zusätzliche Beweglichkeit der Bauchhaut beim Rennen und Springen,
  • eine gewisse Schutzfunktion für den Bauchbereich
  • oder eine evolutionäre Funktion im Zusammenhang mit größeren Mahlzeiten.

Eine eindeutige wissenschaftlich belegte Hauptfunktion ist allerdings nicht geklärt.

Deshalb sollte man diese Erklärungen nicht als gesicherte Tatsache darstellen.

Wie unterscheide ich Urbeutel und Übergewicht?

Nicht, indem du nur auf den Bauch schaust.

Ein primordial pouch ist eher eine lockere, bewegliche Hautfalte im unteren Bauchbereich.

Bei Übergewicht verändert sich dagegen der gesamte Körperzustand.

Dann können beispielsweise gleichzeitig:

  • die Rippen schlechter tastbar werden,
  • die Taille verschwinden,
  • der Rumpf runder werden
  • und Fettdepots an weiteren Körperstellen zunehmen.

Darum wird beim Body Condition Score immer die gesamte Katze beurteilt – nicht nur ihr Bauch.

Ein großer Urbeutel kann die Einschätzung sogar erschweren

Bei einer Katze mit ausgeprägter Bauchtasche kann die seitliche Silhouette schnell nach „Bauch“ aussehen, obwohl der übrige Körper schlank ist.

In solchen Fällen sind besonders:

  • Rippenpalpation,
  • Taille von oben
  • und die gesamte Fettverteilung

wichtig.

Das ist ein schönes Beispiel dafür, warum eine einzelne Körperregion nie allein beurteilt werden sollte.

Body Condition Score ist nicht dasselbe wie Muskelmasse

Dieser Punkt wird häufig vergessen.

Der BCS beurteilt vor allem die Körperfettreserven.

Ob eine Katze ausreichend Muskulatur besitzt, wird dagegen mit einem eigenen Verfahren eingeschätzt: dem Muscle Condition Score, kurz MCS.

Die WSAVA beurteilt dafür unter anderem die Muskulatur an:

  • Wirbelsäule,
  • Schulterblättern,
  • Schädel
  • und Becken.

Eine Katze kann gleichzeitig zu dick und muskelarm sein

Das klingt zunächst widersprüchlich, ist aber wichtig.

Eine Katze kann viel Körperfett besitzen und gleichzeitig Muskulatur verlieren.

Die WSAVA weist ausdrücklich darauf hin, dass selbst Tiere mit einem BCS über 5/9 deutlichen Muskelverlust zeigen können.

Das ist besonders bei älteren oder chronisch kranken Katzen relevant.

Ein runder Körper bedeutet also nicht automatisch, dass darunter viel Muskulatur steckt.

Gerade bei Senioren reicht der Blick aufs Gewicht nicht

Bei älteren Katzen können sich Fett- und Muskelmasse gleichzeitig in unterschiedliche Richtungen verändern.

Eine Katze kann beispielsweise:

  • ähnlich viel wiegen wie früher,
  • Muskelmasse verlieren
  • und gleichzeitig einen höheren Fettanteil besitzen.

Auf der Waage sieht diese Veränderung möglicherweise erstaunlich unspektakulär aus.

Deshalb empfehlen die AAHA/AAFP-Leitlinien auch bei älteren Katzen ausdrücklich, sowohl Gewicht als auch BCS und Muskelzustand regelmäßig zu beurteilen.

Warum gibt es keine allgemeine „Normalgewichtstabelle“ für Katzen?

Natürlich existieren Durchschnittswerte für verschiedene Katzenpopulationen und Rassen.

Sie sind aber keine zuverlässige Diagnose für die einzelne Katze.

Ein großer kräftiger Kater kann bei einem Gewicht vollkommen schlank sein, bei dem eine sehr kleine Katze bereits deutlich übergewichtig wäre.

Auch innerhalb derselben Rasse oder derselben Familie unterscheiden sich Körperbau und Muskelmasse.

Deshalb wäre eine Aussage wie:

„Ab fünf Kilogramm ist eine Katze übergewichtig.“

fachlich falsch.

Es gibt keine universelle Kilozahl, ab der jede Katze automatisch zu dick ist.

Ist der Body Condition Score vollkommen objektiv?

Nein.

Auch das gehört zur ehrlichen Einordnung.

Der BCS ist eine standardisierte, aber immer noch teilweise subjektive Einschätzung.

Unterschiedliche Personen können dieselbe Katze etwas unterschiedlich bewerten.

Erfahrung und konsequente Anwendung der Kriterien verbessern die Vergleichbarkeit.

Die 9-Punkte-Skala wurde wissenschaftlich untersucht und zeigt eine gute Beziehung zum gemessenen Körperfettanteil.

In einer Studie mit 72 erwachsenen Wohnungskatzen korrelierte der BCS deutlich stärker mit dem mittels DEXA bestimmten Körperfettanteil als das Körpergewicht allein.

Genau das verdeutlicht den Sinn des Systems:

Das Gewicht sagt, wie schwer die Katze ist. Der BCS hilft einzuschätzen, woraus ihre Körperform besteht.

Warum verschätzt man sich bei der eigenen Katze so leicht?

Gewichtsveränderungen entstehen meist langsam.

Wer eine Katze jeden Tag sieht, bemerkt deshalb kleine Veränderungen oft kaum.

Hinzu kommen:

  • dichtes Fell,
  • ein ausgeprägter Urbeutel,
  • unterschiedliche Körperformen
  • und Gewöhnung an den vertrauten Anblick.

Darum können regelmäßige Fotos hilfreich sein.

Die AAHA/AAFP-Leitlinien empfehlen sogar, in der tierärztlichen Dokumentation Aufnahmen von oben und von der Seite zu verwenden, damit Veränderungen über längere Zeit leichter auffallen.

Ein einfacher Körpercheck zu Hause

Du kannst beispielsweise alle paar Wochen oder einmal im Monat kurz prüfen:

  1. Gewicht: Hat es sich verändert?
  2. Rippen: Sind sie weiterhin leicht tastbar?
  3. Taille: Ist sie von oben noch erkennbar?
  4. Bauchlinie: Hat sich die gesamte Körperform verändert?
  5. Muskulatur: Wirkt Rücken oder Becken plötzlich knochiger?

Das ersetzt keine tierärztliche Untersuchung.

Es kann aber helfen, Veränderungen früher wahrzunehmen.

Beim Wiegen zählt vor allem der Verlauf

Wenn du deine Katze zu Hause wiegst, ist eine möglichst vergleichbare Messung sinnvoll.

Also beispielsweise:

  • dieselbe Waage,
  • ähnliche Bedingungen
  • und regelmäßige Abstände.

Ein einzelner Messwert ist weniger interessant als die Entwicklung über Wochen und Monate.

Schon deshalb lohnt es sich, das Gewicht gelegentlich zu notieren.

Warum ist Übergewicht gesundheitlich relevant?

Bei diesem Thema geht es nicht darum, ob eine Katze „schön schlank“ aussieht.

Übergewicht ist eine gesundheitliche Frage.

AAHA und AAFP führen Zusammenhänge mit verschiedenen Erkrankungen beziehungsweise Gesundheitsproblemen auf.

Dazu gehören unter anderem:

  • Diabetes mellitus,
  • Probleme des Bewegungsapparates und Lahmheiten,
  • Hautprobleme
  • und ein erhöhtes Risiko für bestimmte Harnwegserkrankungen.

Eine große prospektive Untersuchung mit 1.457 Katzen fand bei übergewichtigen und adipösen Katzen unter anderem häufiger Diabetes, Lahmheiten und nicht allergisch bedingte Hauterkrankungen als bei Katzen im optimalen Körperzustand.

Solche Studien zeigen Zusammenhänge auf – sie bedeuten nicht, dass jede übergewichtige Katze zwangsläufig krank wird.

Übergewicht erhöht Risiken. Es ist keine Garantie für eine bestimmte Erkrankung.

Beweglichkeit und Körperpflege können ebenfalls schwieriger werden

Mit zunehmendem Körperumfang kann es manchen Katzen schwerer fallen:

  • hoch zu springen,
  • bestimmte Körperstellen zu putzen,
  • sich bequem zu drehen
  • oder sich länger aktiv zu bewegen.

Bei einer Katze mit Arthrose kann zusätzliches Körpergewicht wiederum die Bewegung weiter erschweren.

Ein Kreislauf aus weniger Bewegung und weiterer Gewichtszunahme kann entstehen.

Was tun, wenn die Katze tatsächlich übergewichtig ist?

Bitte nicht einfach die Futtermenge drastisch halbieren.

Eine erfolgreiche Gewichtsreduktion bei Katzen sollte geplant erfolgen.

Das hat zwei Gründe.

Erstens muss die Katze trotz reduzierter Energieaufnahme weiterhin ausreichend:

  • Protein,
  • Vitamine,
  • Mineralstoffe
  • und andere essenzielle Nährstoffe

erhalten.

Zweitens kann eine zu schnelle Gewichtsabnahme für Katzen gefährlich werden.

Keine Crash-Diät für Katzen

Katzen dürfen nicht einfach hungern.

Besonders übergewichtige Katzen haben bei starker Futterverweigerung beziehungsweise extremem Kaloriendefizit ein erhöhtes Risiko für eine hepatische Lipidose.

Dabei lagert sich so viel Fett in der Leber ein, dass ihre Funktion schwer beeinträchtigt werden kann.

Diese Erkrankung kann lebensbedrohlich werden.

Eine Katze darf deshalb niemals nach dem Prinzip „Dann frisst sie eben ein paar Tage weniger“ auf Diät gesetzt werden.

Wie schnell sollte eine Katze abnehmen?

Je nach Ausgangszustand und individueller Situation wird bei übergewichtigen Katzen häufig eine langsame Gewichtsreduktion von ungefähr 0,5 bis 2 Prozent des Körpergewichts pro Woche angestrebt.

Bei sehr stark adipösen Katzen kann ein noch langsameres Vorgehen sinnvoll sein.

Das genaue Ziel sollte die Tierarztpraxis individuell festlegen.

Dabei kann gleichzeitig berechnet werden:

  • welches Zielgewicht realistisch ist,
  • wie hoch der tägliche Energiebedarf ungefähr ist,
  • welches Futter geeignet ist
  • und wie der Verlauf kontrolliert werden soll.

„Einfach etwas weniger vom normalen Futter“ ist nicht immer die beste Lösung

Wird ein normales Erhaltungsfutter stark reduziert, sinkt nicht nur die Kalorienzufuhr.

Auch die Aufnahme anderer Nährstoffe nimmt ab.

AAHA und Merck weisen darauf hin, dass für eine deutliche Gewichtsreduktion speziell formulierte Diätfuttermittel sinnvoll sein können, weil sie trotz reduzierter Kalorienmenge eine bedarfsgerechte Versorgung erleichtern.

Ob das für die individuelle Katze notwendig ist, entscheidet die Tierarztpraxis.

Leckerchen und Extras zählen mit

Eine Katze nimmt nicht nur über ihre Hauptmahlzeiten Energie auf.

Auch:

  • Leckerchen,
  • Schlecksnacks,
  • Essensreste,
  • Futter aus Beschäftigungsspielzeugen
  • und die Portion aus dem Napf einer anderen Katze

gehören zur Tagesration.

Gerade im Mehrkatzenhaushalt kann es deshalb schwierig sein einzuschätzen, wie viel eine einzelne Katze tatsächlich frisst.

Mehr Bewegung hilft – aber Ernährung bleibt entscheidend

Spiel und Aktivität gehören zu einem gesunden Katzenalltag.

Für Katzen, die Spaß daran haben, können beispielsweise:

  • Angelspiele,
  • Jagdspiele,
  • Futtersuche,
  • Klettermöglichkeiten
  • und Futterpuzzles

zusätzliche Bewegung schaffen.

Eine Katze kann sich Übergewicht allerdings nicht zuverlässig „wegspielen“, wenn ihre Energieaufnahme dauerhaft deutlich über ihrem Bedarf liegt.

Gewichtsmanagement besteht deshalb meist aus einer Kombination aus angepasster Fütterung, Bewegung, Beschäftigung und Verlaufskontrolle.

Plötzliche Gewichtszunahme nicht automatisch nur aufs Futter schieben

Gewichtsveränderungen können viele Ursachen haben.

Häufig ist eine positive Energiebilanz der Hauptgrund für zunehmendes Körperfett.

Trotzdem sollte besonders bei:

  • sehr schneller Veränderung,
  • einem plötzlich stark vergrößerten Bauch,
  • zusätzlicher Mattigkeit,
  • Atemproblemen,
  • verändertem Trink- oder Urinverhalten
  • oder anderen neuen Symptomen

nicht automatisch von gewöhnlichem Übergewicht ausgegangen werden.

Ein vergrößerter Bauch kann beispielsweise auch andere medizinische Ursachen haben.

Auch Gewichtsverlust verdient Aufmerksamkeit

Beim regelmäßigen Körpercheck geht es nicht ausschließlich um Übergewicht.

Eine Katze, die ohne geplante Futterumstellung zunehmend Gewicht oder Muskelmasse verliert, sollte ebenfalls untersucht werden.

Gerade bei älteren Katzen können unter anderem:

  • chronische Nierenerkrankungen,
  • Schilddrüsenüberfunktion,
  • Diabetes,
  • Magen-Darm-Erkrankungen,
  • Zahnerkrankungen
  • oder andere chronische Erkrankungen

zu Gewichtsverlust beitragen.

Darum ist das Ziel nicht:

„Eine möglichst leichte Katze.“

Sondern:

eine Katze mit einem zu ihr passenden Körper- und Muskelzustand.

Was der BCS nicht leisten kann

Der Body Condition Score ist ein hilfreiches Werkzeug – aber keine vollständige Gesundheitsuntersuchung.

Er kann nicht allein feststellen:

  • ob eine Katze gesund ist,
  • wie viel Muskelmasse sie besitzt,
  • warum sie Gewicht verändert,
  • welches exakte Idealgewicht sie haben sollte
  • oder welche Futtermenge für sie richtig ist.

Diese Fragen werden aus mehreren Informationen gemeinsam beantwortet.

Dazu gehören unter anderem Körpergewicht, BCS, Muskelzustand, Alter, Aktivität, Ernährung und Gesundheitszustand.

Mythos: „Meine Katze hat einen Bauch – also ist sie zu dick“

So einfach ist es nicht.

Ein deutlich sichtbarer primordial pouch kann vollkommen normal sein.

Entscheidend sind Rippen, Taille, Fettverteilung und der gesamte Körperzustand.

Mythos: „Meine Katze wiegt sechs Kilo – sie muss abnehmen“

Nicht ohne weitere Informationen.

Für eine kleine Katze können sechs Kilogramm deutlich zu viel sein.

Für eine große, kräftig gebaute Katze kann ein deutlich höheres Gewicht völlig anders einzuordnen sein.

Die Zahl allein erlaubt keine zuverlässige Aussage.

Mythos: „Wenn ich die Rippen nicht sehe, ist sie zu dick“

Auch das stimmt nicht.

Bei einer ideal konditionierten Katze dürfen die Rippen von einer leichten Fettschicht bedeckt sein.

Sie sollen vor allem gut tastbar sein.

Mythos: „Ein bisschen Übergewicht ist nur ein optisches Problem“

Nein.

Übergewicht und Adipositas sind mit verschiedenen gesundheitlichen Risiken verbunden.

Das bedeutet nicht, dass jede übergewichtige Katze krank sein muss.

Aber ein dauerhaft zu hoher Körperfettanteil sollte als gesundheitlicher Faktor ernst genommen werden.

Wann sollte die Tierarztpraxis den BCS bestimmen?

Die AAHA/AAFP Feline Life Stage Guidelines empfehlen die Beurteilung von Körpergewicht, BCS und Muskelzustand grundsätzlich über alle Lebensphasen hinweg.

Besonders sinnvoll ist eine Kontrolle:

  • bei regulären Vorsorgeuntersuchungen,
  • nach deutlicher Gewichtszunahme oder Gewichtsabnahme,
  • vor einer geplanten Gewichtsreduktion,
  • bei älteren Katzen,
  • bei chronischen Erkrankungen
  • und wenn man den Körperzustand selbst nicht sicher einschätzen kann.

Wer möchte, kann sich bei der Untersuchung einmal genau zeigen lassen, wie die Rippen und Körperkonturen der eigenen Katze im aktuellen BCS zu beurteilen sind.

Danach wird die Kontrolle zu Hause wesentlich leichter.

Kurz & knapp

  • Es gibt keine feste Kilozahl, ab der jede Katze übergewichtig ist.
  • Das Körpergewicht ist trotzdem wichtig – besonders im Verlauf derselben Katze.
  • Der Body Condition Score beurteilt vor allem die Körperfettreserven.
  • Eine häufig verwendete Skala reicht von 1 bis 9.
  • BCS 5/9 gilt als ideal.
  • BCS 6–7/9 gilt als übergewichtig.
  • BCS 8–9/9 gilt als adipös.
  • Bei Idealgewicht sollten die Rippen leicht tastbar und von einer dünnen Fettschicht bedeckt sein.
  • Von oben sollte hinter dem Rippenbogen eine Taille erkennbar sein.
  • Ein primordial pouch beziehungsweise Urbeutel ist ein normaler Teil der Katzenanatomie und allein kein Zeichen für Übergewicht.
  • Body Condition Score und Muscle Condition Score sind nicht dasselbe.
  • Eine Katze kann gleichzeitig übergewichtig sein und Muskelmasse verlieren.
  • Gewichtsveränderungen sollten regelmäßig beobachtet werden.
  • Gewichtsreduktion bei Katzen muss langsam und kontrolliert erfolgen – Crash-Diäten können gefährlich sein.

Nicht die Kilozahl entscheidet

Eine Waage kann uns sagen, ob Mo heute mehr oder weniger wiegt als vor einem halben Jahr.

Sie kann uns aber nicht allein sagen, ob dieses Gewicht zu seinem Körper passt.

Dafür müssen wir die ganze Katze betrachten.

Wie leicht lassen sich die Rippen fühlen?

Ist eine Taille vorhanden?

Wie sieht die Körperform aus?

Wie viel Muskulatur besitzt die Katze?

Und wie hat sich all das im Laufe der Zeit verändert?

Rippen, Taille, Körperform, Muskulatur und Gewichtsverlauf erzählen gemeinsam wesentlich mehr als eine einzelne Zahl auf der Waage.

Quellen & weiterführende Informationen

  • World Small Animal Veterinary Association – WSAVA Global Nutrition Committee: Body Condition Score – Cat. Neun-Punkte-Skala zur standardisierten Beurteilung des Körperzustands von Katzen; BCS 5 wird als Idealzustand beschrieben. Grundlage unter anderem: Laflamme DP (1997) und Bjornvad CR et al. (2011).
  • World Small Animal Veterinary Association – WSAVA Global Nutrition Committee: Muscle Condition Score – Cats. Leitfaden zur getrennten Beurteilung der Muskelmasse; weist ausdrücklich darauf hin, dass auch übergewichtige Katzen erheblichen Muskelverlust aufweisen können.
  • AAHA/AAFP (2021): Feline Life Stage Guidelines. Empfehlungen zur regelmäßigen Dokumentation von Körpergewicht, Body Condition Score und Muscle Condition Score über alle Lebensphasen hinweg. BCS 6–7/9 wird als übergewichtig und BCS ≥ 8/9 als adipös eingeordnet.
  • AAHA (2021): Nutrition and Weight Management Guidelines for Dogs and Cats. Empfehlungen zur individuellen Beurteilung des Ernährungszustands, Prävention von Übergewicht und sicheren Gewichtsreduktion.
  • AAHA (2024): Feline Fitness: How to Help Your Cat Lose Weight. Hinweise zur sicheren Gewichtsabnahme; schnelles Abnehmen soll vermieden werden, unter anderem wegen des Risikos einer hepatischen Lipidose.
  • Merck Veterinary Manual: Overview of Nutrition: Small Animals und Body Condition Score Scales for Dogs and Cats. Beschreibung des BCS als semiquantitative Einschätzung der Körperfettreserven mittels visueller Beurteilung und Palpation.
  • Merck Veterinary Manual: Feline Hepatic Lipidosis. Fachinformationen zur potenziell lebensbedrohlichen Fettlebererkrankung bei Katzen, insbesondere im Zusammenhang mit Anorexie und starker Mobilisierung von Fettreserven bei überkonditionierten Katzen.
  • Cornell Feline Health Center (aktualisiert 2026): Feeding Your Cat. Erläuterungen zum 5- und 9-Punkte-Body-Condition-Score sowie zur Bedeutung eines individuell passenden Körpergewichts.
  • Cornell Feline Health Center: Obesity. Informationen zu Körperkondition, Gewichtsmanagement und gesundheitlichen Zusammenhängen von Übergewicht bei Katzen.
  • VCA Animal Hospitals: What Is the Primordial Pouch in Cats?. Einordnung des primordial pouch als normalen Bestandteil der Katzenanatomie; seine Größe ist kein zuverlässiges Maß für Übergewicht.
  • Bjornvad CR, Nielsen DH, Armstrong PJ et al. (2011): „Evaluation of a nine-point body condition scoring system in physically inactive pet cats“, American Journal of Veterinary Research 72(4):433–437. DOI: 10.2460/ajvr.72.4.433. Die Studie verglich BCS, Körpergewicht und Körperfettmessung mittels DEXA und fand eine starke Beziehung zwischen BCS und Körperfettanteil.
  • Laflamme DP (1997): „Development and validation of a body condition score system for cats: a clinical tool“, Feline Practice 25:13–18. Entwicklung und Validierung der verbreiteten 9-Punkte-BCS-Skala für Katzen.
  • Scarlett JM, Donoghue S (1998): „Associations between body condition and disease in cats“, Journal of the American Veterinary Medical Association 212(11):1725–1731. Prospektive Untersuchung von 1.457 Katzen zu Zusammenhängen zwischen Körperkondition und verschiedenen Erkrankungen.
  • Verbrugghe A, Hesta M (2019/2020): Management of obesity in cats, Fachübersicht zum Gewichtsmanagement bei Katzen. Beschreibt unter anderem die validierte 9-Punkte-BCS-Skala sowie eine langsame, kontrollierte Gewichtsreduktion von ungefähr 0,5–2 % des Körpergewichts pro Woche.

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