Die meisten Katzen machen einen ziemlich überzeugenden Eindruck, wenn es darum geht, Wasser lieber aus dem Weg zu gehen.
Ein nasser Pfotenabdruck am Badewannenrand? Vielleicht.
Ein tropfender Wasserhahn? Durchaus interessant.
Aber freiwillig in einen Teich springen und ein paar Bahnen ziehen?
Das gehört bei der durchschnittlichen Hauskatze eher nicht zum normalen Tagesprogramm.
Doch daraus entsteht schnell ein verbreiteter Irrtum:
„Katzen können nicht schwimmen.“
Das stimmt so nicht.
Katzen können grundsätzlich schwimmen.
Wenn sie ins Wasser geraten, können sie sich mit paddelnden Bewegungen der Beine über Wasser halten und fortbewegen.
Aber genau hier beginnt der wichtigere Teil der Antwort:
Schwimmen können bedeutet noch lange nicht, im Wasser sicher zu sein.
Können Katzen wirklich schwimmen?
Ja.
Hauskatzen sind grundsätzlich in der Lage, sich schwimmend fortzubewegen.
Dafür müssen sie normalerweise nicht erst wie ein Mensch Schwimmunterricht bekommen.
Gerät eine Katze ins Wasser, kann sie ihre Beine in paddelnden Bewegungen einsetzen und versuchen, das Ufer oder einen anderen Ausstieg zu erreichen.
Veterinärmedizinische Informationen zu Beinahe-Ertrinken bei Katzen beschreiben ausdrücklich, dass Katzen schwimmfähig sind.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jede Katze:
- gern schwimmt,
- besonders ausdauernd schwimmt,
- in jedem Gewässer zurechtkommt
- oder sich aus jeder Wassersituation selbst retten kann.
Die Fähigkeit zu schwimmen ist nur ein Teil der Sicherheit.
Warum sieht man Katzen dann so selten schwimmen?
Weil „können“ und „wollen“ zwei völlig unterschiedliche Dinge sind.
Viele Hauskatzen suchen tieferes Wasser nicht freiwillig auf.
Andere interessieren sich durchaus dafür.
Manche spielen mit Wasser aus dem Hahn, tauchen eine Pfote in den Wassernapf oder beobachten bewegtes Wasser ausgesprochen aufmerksam.
Es gibt sogar einzelne Katzen, die freiwillig ins Wasser gehen oder schwimmen.
Wie eine Katze auf Wasser reagiert, ist individuell.
Sind Katzen grundsätzlich wasserscheu?
Auch das ist zu pauschal.
Die Aussage „Katzen hassen Wasser“ klingt zwar eingängig, beschreibt aber nicht jede Katze.
Manche meiden schon einzelne Tropfen.
Andere sitzen begeistert am Wasserhahn.
Wieder andere waten freiwillig durch flaches Wasser.
Und einige wenige scheinen sogar Schwimmen interessant zu finden.
Deshalb ist es sinnvoller zu sagen:
Viele Hauskatzen bevorzugen es, trocken zu bleiben – aber Wasserabneigung ist keine unveränderliche Eigenschaft jeder Katze.
Warum mögen viele Katzen es nicht, nass zu werden?
Warum eine einzelne Katze Wasser meidet, lässt sich nicht immer eindeutig feststellen.
Mehrere Faktoren können eine Rolle spielen.
Dazu gehören beispielsweise:
- das ungewohnte Gefühl von nassem Fell,
- fehlende Kontrolle über die Situation,
- unbekannte Geräusche,
- rutschige Oberflächen,
- negative frühere Erfahrungen
- oder schlicht individuelle Vorlieben.
Nasses Fell kann sich anders und unangenehm anfühlen.
Auch das Geräusch eines plötzlich laufenden Wasserhahns, einer Dusche oder einer gefüllten Badewanne kann für eine Katze ungewohnt sein.
Das alles bedeutet jedoch nicht, dass wir für jede wasserscheue Katze denselben Grund kennen.
Manche Katzen mögen Wasser durchaus
Es gibt Katzen, die freiwillig mit Wasser interagieren.
Sie können beispielsweise:
- mit tropfendem Wasser spielen,
- Pfoten in eine Schüssel tauchen,
- bewegte Wasseroberflächen beobachten,
- in flaches Wasser steigen
- oder in seltenen Fällen freiwillig schwimmen.
Wichtig ist dabei die Freiwilligkeit.
Eine Katze muss nicht ins Wasser gesetzt werden, um herauszufinden, ob sie schwimmen kann.
Die Fähigkeit dazu rechtfertigt keinen erzwungenen „Schwimmtest“.
Bitte die Katze nicht zum Spaß ins Wasser setzen
Videos von schwimmenden Katzen können unterhaltsam aussehen.
Das bedeutet aber nicht, dass jede Katze dieselbe Erfahrung machen sollte.
Eine Katze gegen ihren Willen ins Wasser zu setzen kann erheblichen Stress und Panik auslösen.
Gerade eine panische Katze kann:
- unkontrolliert strampeln,
- sich beim Fluchtversuch verletzen,
- Wasser einatmen
- oder einen Menschen beim Festhalten schwer kratzen.
Wenn eine Katze Wasser freiwillig interessant findet, darf sie sichere Erfahrungen in ihrem eigenen Tempo machen.
Schwimmen muss aber kein Bestandteil eines glücklichen Katzenlebens sein.
Das eigentliche Problem ist häufig nicht das Schwimmen
Bei Unfällen mit Pools, Gartenteichen oder anderen tiefen Wasserbehältern liegt die größte Gefahr häufig an einer anderen Stelle:
Die Katze findet keinen Weg mehr hinaus.
Genau davor warnen auch Tierschutzorganisationen.
Eine Katze kann eine Zeit lang schwimmen.
Wenn der Rand jedoch:
- zu hoch,
- zu glatt,
- zu steil
- oder völlig senkrecht
ist, kann sie sich möglicherweise nicht herausziehen.
Warum ein Pool so gefährlich werden kann
Viele Pools besitzen glatte, senkrechte Wände.
Eine Katze, die hineinrutscht oder hineinfällt, kann deshalb durchaus schwimmen und trotzdem in Lebensgefahr geraten.
Sie sucht den Rand ab.
Sie versucht sich hochzuziehen.
Ihre Pfoten finden keinen Halt.
Sie schwimmt weiter.
Irgendwann lässt die Kraft nach.
Eine schwimmfähige Katze kann deshalb trotzdem ertrinken.
Ausstieg ist genauso wichtig wie Zugang
Bei Wasserstellen im Garten denken wir häufig zuerst daran, wie wir verhindern können, dass eine Katze hineinfällt.
Das ist wichtig.
Zusätzlich sollte aber immer die Frage gestellt werden:
Wenn sie trotzdem hineingerät – kommt sie allein wieder heraus?
Bei geeigneten Wasserstellen können sichere Ausstiegsmöglichkeiten beispielsweise sein:
- flach auslaufende Ufer,
- stabile Rampen,
- griffige Ausstiegshilfen
- oder andere fest installierte Bereiche, an denen die Katze Halt findet.
Die konkrete Sicherung hängt von Bauform und Größe der Wasserstelle ab.
Ein Gartenteich ist nicht automatisch ungefährlich
Ein naturnaher Teich mit flachem Ufer kann einer Katze gute Ausstiegsmöglichkeiten bieten.
Ein anderer Gartenteich besitzt vielleicht:
- senkrechte Folienränder,
- glatte Steine,
- steile Böschungen
- oder kaum erreichbare Uferbereiche.
Dann kann er deutlich gefährlicher sein.
Cats Protection empfiehlt bei Gartenteichen entweder einen geeigneten Schutz oder einen niedrigen beziehungsweise gut erreichbaren Rand, über den eine Katze wieder hinausgelangen kann.
Regentonnen sind besonders tückisch
Eine offene Regentonne kann für Katzen ausgesprochen gefährlich werden.
Sie kombiniert mehrere ungünstige Eigenschaften:
- tiefe Wasseroberfläche,
- senkrechte Wände,
- häufig glatte Innenflächen
- und einen hohen Rand.
Fällt eine Katze hinein, kann sie unter Umständen kaum eine Möglichkeit finden, sich herauszuziehen.
Regentonnen sollten deshalb stabil und zuverlässig verschlossen sein.
Ein lose aufgelegter Deckel reicht nicht unbedingt aus, wenn er verrutschen oder von einem Tier verschoben werden kann.
Auch halbvolle Regentonnen bleiben gefährlich
Man könnte vermuten, dass eine fast leere Tonne weniger riskant ist.
Das Gegenteil kann der Fall sein.
Sinkt der Wasserstand, wird der Abstand zwischen Wasseroberfläche und oberem Rand sogar größer.
Damit kann der Ausstieg noch schwieriger werden.
Die sichere Lösung ist deshalb nicht ein bestimmter Wasserstand, sondern eine zuverlässige Abdeckung.
Und was ist mit Pools?
Auch Pools sollten so gesichert werden, dass Tiere möglichst nicht unbeabsichtigt hineinfallen können.
Ist ein Pool zugänglich, sollte zusätzlich eine für Tiere nutzbare Ausstiegsmöglichkeit vorhanden sein.
Bei ungenutzten Pools kann eine geeignete Abdeckung sinnvoll sein.
Dabei muss allerdings darauf geachtet werden, dass eine Abdeckung tatsächlich sicher ist.
Eine lose schwimmende Plane kann selbst zur Gefahr werden, wenn eine Katze darauf tritt, einsinkt und sich darin verfängt.
„Abgedeckt“ bedeutet deshalb nur dann „sicher“, wenn die konkrete Abdeckung dafür geeignet und stabil ist.
Poolwasser bringt noch weitere Risiken mit
Neben der Ertrinkungsgefahr können auch Chemikalien eine Rolle spielen.
Produkte zur Reinigung und Pflege von Pools oder Whirlpools sollten immer sicher und unerreichbar aufbewahrt werden.
Konzentrierte Poolchemikalien können für Tiere gefährlich sein.
Cats Protection empfiehlt deshalb sowohl Pools und Whirlpools zu sichern als auch die entsprechenden Chemikalien unzugänglich zu lagern.
Auch drinnen gibt es Wassergefahren
Das Thema betrifft nicht nur Gärten.
Vor allem kleine Katzen und Kitten können auch im Haus in Wasserbehälter geraten.
Mögliche Gefahren sind beispielsweise:
- volle Badewannen,
- große Wassereimer,
- offene Toiletten,
- tiefe Behälter
- oder andere mit Wasser gefüllte Gefäße.
Bei erwachsenen gesunden Katzen ist das Risiko je nach Situation unterschiedlich.
Bei sehr jungen, schwachen oder bewegungseingeschränkten Tieren sollte besonders aufmerksam gesichert werden.
Können Katzen lange schwimmen?
Eine allgemeingültige Zeitangabe gibt es dafür nicht.
Wie lange sich eine Katze über Wasser halten kann, hängt von sehr vielen Faktoren ab:
- Alter,
- Gesundheit,
- Körperzustand,
- Wassertemperatur,
- Stress und Panik,
- Strömung,
- Entfernung zum Ausstieg
- und individueller körperlicher Leistungsfähigkeit.
Deshalb wäre eine Aussage wie „Eine Katze kann X Minuten schwimmen“ unseriös.
Bei Wassersicherheit sollte niemals darauf vertraut werden, dass eine Katze schon lange genug durchhalten wird.
Panik verändert die Situation
Eine Katze, die freiwillig in ruhigem Wasser schwimmt, befindet sich in einer völlig anderen Situation als eine Katze, die überraschend in einen Pool fällt.
Bei einem Unfall können Schreck und Panik hinzukommen.
Die Katze versucht möglicherweise hektisch, denselben glatten Rand immer wieder hinaufzuklettern.
Dadurch verbraucht sie zusätzlich Kraft.
Die bloße Fähigkeit zu schwimmen sagt deshalb wenig darüber aus, wie gut eine Katze einen tatsächlichen Wasserunfall bewältigt.
Kälte kann zusätzlich zum Problem werden
Kaltes Wasser kann den Körper auskühlen.
Besonders gefährdet können unter anderem sein:
- Kitten,
- Senioren,
- kranke oder geschwächte Katzen
- und Tiere, die längere Zeit im Wasser verbringen.
Nach einem Wasserunfall sollte eine durchnässte Katze deshalb vorsichtig getrocknet und warmgehalten werden.
Das ersetzt allerdings keine tierärztliche Untersuchung nach einem Beinahe-Ertrinken.
Was passiert beim Ertrinken?
Ertrinken bedeutet, dass die normale Atmung durch das Eintauchen in Flüssigkeit beeinträchtigt wird.
Besonders problematisch ist, wenn Wasser in die Atemwege beziehungsweise Lunge gelangt.
Dadurch kann der Gasaustausch gestört werden.
Schwere Fälle können zu:
- Sauerstoffmangel,
- Atemnot,
- Kreislaufproblemen,
- Bewusstlosigkeit
- und lebensbedrohlichen Lungenschäden
führen.
Ein Beinahe-Ertrinken ist deshalb ein tiermedizinischer Notfall.
Die Katze ist wieder draußen und sieht normal aus – alles gut?
Nicht unbedingt.
Das ist einer der wichtigsten Punkte des gesamten Themas.
Nach einem Wasserunfall kann eine Katze zunächst scheinbar wieder normal wirken.
Trotzdem können sich anschließend Atemwegs- oder Lungenprobleme entwickeln.
Nach eingeatmetem Wasser können unter anderem Entzündungen, Flüssigkeitsansammlungen und andere Komplikationen auftreten.
Veterinärmedizinische Notfallinformationen weisen darauf hin, dass manche Probleme erst Stunden nach einem Beinahe-Ertrinken sichtbar werden können.
Deshalb sollte eine Katze nach einem ernsthaften Wasserunfall tierärztlich untersucht werden – auch wenn sie zunächst wieder recht fit erscheint.
Wann ist es besonders dringend?
Nach einem Wasserunfall sind Atemprobleme immer ein akuter Notfall.
Warnzeichen können beispielsweise sein:
- schnelle oder erschwerte Atmung,
- Maulatmung,
- ungewöhnliche Atemgeräusche,
- Husten,
- starke Schwäche,
- Taumeln,
- blasse oder bläuliche Schleimhäute,
- Kollaps
- oder Bewusstlosigkeit.
Bei Atemnot nicht abwarten, sondern sofort tierärztliche Notfallhilfe suchen.
Was tun, wenn eine Katze ins Wasser gefallen ist?
Zuerst gilt:
Die eigene Sicherheit nicht vergessen.
Eine panische Katze kann sich mit Krallen und Zähnen an allem festhalten, was sie erreichen kann.
Wenn möglich, sollte die Katze sicher aus dem Wasser geholt werden, ohne den Menschen selbst in Gefahr zu bringen.
Anschließend:
- Atmung und Allgemeinzustand prüfen,
- die Katze vorsichtig trocknen,
- warmhalten
- und tierärztlichen Rat beziehungsweise nach einem Beinahe-Ertrinken eine tierärztliche Untersuchung veranlassen.
Bei fehlender Atmung oder Bewusstlosigkeit handelt es sich selbstverständlich um einen unmittelbaren Notfall.
Nicht versuchen, Wasser gewaltsam „herauszuschütteln“
Bei Notfällen kursieren immer wieder drastische Erste-Hilfe-Tipps.
Eine Katze sollte nicht an den Hinterbeinen herumgeschwenkt oder geschüttelt werden, um vermeintlich Wasser aus der Lunge zu entfernen.
Das kostet wertvolle Zeit und kann zusätzliche Verletzungen verursachen.
Bei fehlender Atmung sind korrekte Wiederbelebungsmaßnahmen und schnellstmögliche professionelle Hilfe entscheidend.
Wer Katzen hält, kann deshalb von einem tiermedizinischen Erste-Hilfe-Kurs profitieren.
Was bedeutet Wasser in der Lunge?
Wenn Flüssigkeit in die Atemwege gelangt, sprechen Tiermediziner unter anderem von Aspiration.
Wie schwer die Folgen sind, hängt von Menge, Art der Flüssigkeit und Zustand der Katze ab.
Nach einem Beinahe-Ertrinken können sich beispielsweise ein nichtkardiogenes Lungenödem oder andere schwere Atemwegskomplikationen entwickeln.
Genau deshalb ist die Beobachtung zuhause allein keine sichere Alternative zur tierärztlichen Beurteilung.
Muss jede Katze nach einem kurzen unfreiwilligen Bad zum Tierarzt?
Hier muss man unterscheiden.
Eine Katze, die mit einer Pfote abrutscht, für einen Moment in sehr flaches Wasser gerät und sofort wieder heraussteigt, ist nicht automatisch ein Beinahe-Ertrinkungsfall.
Anders sieht es aus, wenn:
- die Katze unter Wasser geraten ist,
- sie sichtbar um ihr Leben schwimmen musste,
- unklar ist, ob sie Wasser eingeatmet hat,
- sie längere Zeit im Wasser war,
- sie anschließend hustet oder anders atmet
- oder ihr Allgemeinzustand verändert ist.
Dann sollte tierärztlicher Rat eingeholt werden.
Bei einem echten Beinahe-Ertrinken ist eine Untersuchung sinnvoll, selbst wenn sie zunächst stabil erscheint.
Was ist mit Meerwasser?
Auch am Meer sollte eine Katze nicht unkontrolliert ins Wasser gelangen.
Neben dem Ertrinkungsrisiko kommen dort weitere Faktoren hinzu:
- Wellen,
- Strömung,
- kaltes Wasser,
- weite Entfernung zum sicheren Ufer
- und die Aufnahme von Salzwasser.
Eine Katze, die freiwillig Wasser erkundet, sollte deshalb niemals mit einem sicheren Gartenteich gleichgesetzt werden, nur weil beides „Wasser“ ist.
Fließendes Wasser ist etwas völlig anderes
Bäche und Flüsse können ebenfalls unterschätzt werden.
Schon relativ geringe Strömung kann ein Tier vom geplanten Ausstieg wegtragen.
Ufer können zusätzlich steil, rutschig oder unterspült sein.
Schwimmen können bedeutet nicht, gegen jede Strömung schwimmen zu können.
Und warum trinken manche Katzen aus Teichen?
Freigänger trinken durchaus aus unterschiedlichen Wasserquellen.
Ein Interesse an einem Teich bedeutet jedoch nicht, dass die Katze hinein möchte.
Sie kann sich lediglich zum Rand beugen, um zu trinken.
Gerade deshalb sollte dieser Rand stabil und sicher erreichbar sein.
Ein Ausrutscher kann sonst aus einer völlig alltäglichen Trinkpause einen Unfall machen.
Kann man einer Katze einen sicheren Ausstieg zeigen?
Bei Pools oder anderen zugänglichen Wasserstellen wird manchmal empfohlen, Tieren die vorhandene Ausstiegsmöglichkeit vertraut zu machen.
Das kann eine zusätzliche Sicherheitsmaßnahme sein.
Darauf sollte man sich jedoch niemals allein verlassen.
Eine erschrockene Katze reagiert in einem tatsächlichen Unfall möglicherweise anders als bei einer ruhigen Übung.
Bauliche Sicherung ist zuverlässiger als die Hoffnung, dass sich die Katze im Notfall an eine Trainingssituation erinnert.
Was ist mit Katzen, die freiwillig schwimmen?
Wenn eine Katze von sich aus Wasser aufsucht, muss man ihr diese Vorliebe nicht grundsätzlich verbieten.
Dann gilt jedoch dasselbe wie bei anderen Aktivitäten:
Die Umgebung muss sicher sein.
Dazu gehören unter anderem:
- leichter Ein- und Ausstieg,
- keine starke Strömung,
- keine gefährlichen Chemikalien,
- angemessene Temperatur
- und unmittelbare Aufsicht.
Die Katze sollte jederzeit selbst entscheiden können, wann sie das Wasser wieder verlassen möchte.
Muss eine Katze eine Schwimmweste tragen?
Im normalen Katzenalltag natürlich nicht.
Bei besonderen Situationen wie Bootstouren mit einer entsprechend daran gewöhnten Katze kann eine geeignete Schwimmhilfe sinnvoll sein.
Eine solche Unternehmung setzt allerdings voraus, dass die Katze Reisen, Geschirr und die gesamte Situation wirklich entspannt toleriert.
Eine Schwimmweste macht aus einer wasserscheuen Katze keine Bootskatze.
Katzenrassen, die angeblich Wasser lieben
Bestimmten Rassen wird häufig eine besondere Vorliebe für Wasser zugeschrieben.
Ein bekanntes Beispiel ist die Türkisch Van.
Solche Rassebeschreibungen dürfen aber nicht mit einer Garantie verwechselt werden.
Rassezugehörigkeit sagt nicht zuverlässig voraus, ob eine einzelne Katze freiwillig schwimmen möchte.
Persönlichkeit und individuelle Erfahrung bleiben entscheidend.
Kann man Kitten früh an Wasser gewöhnen?
Ein junges Tier kann grundsätzlich positive Erfahrungen mit unterschiedlichen Umweltreizen sammeln.
Das bedeutet aber nicht, dass ein Kitten schwimmen lernen muss.
Wasserkontakt sollte niemals erzwungen werden.
Wenn ein Kitten neugierig mit einer flachen Schale oder einem tropfenden Wasserhahn spielt, kann es dies freiwillig erkunden.
Für eine sichere Entwicklung braucht eine Katze jedoch keinen Schwimmkurs.
Mythos: Katzen können nicht schwimmen
Falsch.
Katzen können sich grundsätzlich schwimmend fortbewegen.
Das bedeutet aber nicht, dass sie es gern tun oder in jedem Gewässer sicher sind.
Mythos: Katzen hassen alle Wasser
Zu pauschal.
Viele Katzen meiden Nässe, andere interessieren sich für Wasser und manche gehen sogar freiwillig hinein.
Die Reaktion ist individuell.
Mythos: Wenn eine Katze schwimmen kann, braucht ein Teich keinen Schutz
Falsch und potenziell gefährlich.
Eine Katze kann ertrinken, wenn sie keine Möglichkeit findet, das Wasser wieder zu verlassen.
Gerade glatte oder steile Ränder sind problematisch.
Mythos: Eine offene Regentonne ist für eine Katze kein Problem
Falsch.
Offene Wasserbehälter mit hohen, glatten Wänden können zur tödlichen Falle werden.
Regentonnen sollten sicher verschlossen sein.
Mythos: Eine Katze kommt aus jedem Pool selbst wieder heraus
Nein.
Glatte senkrechte Wände können einen selbstständigen Ausstieg verhindern.
Eine sichere Ausstiegsmöglichkeit ist deshalb entscheidend.
Mythos: Wenn sie nach dem Herausziehen normal aussieht, ist nichts passiert
Leider nicht.
Nach einem Beinahe-Ertrinken können Atemwegs- und Lungenprobleme verzögert auftreten.
Deshalb sollte ein entsprechender Unfall tierärztlich beurteilt werden.
Kurz & knapp
- Katzen können grundsätzlich schwimmen.
- Sie müssen dafür normalerweise nicht erst trainiert werden.
- Nicht jede Katze schwimmt gern oder freiwillig.
- Wasserabneigung ist individuell.
- Eine Katze sollte niemals zum Spaß ins Wasser gezwungen werden.
- Schwimmfähigkeit bedeutet nicht automatisch Sicherheit.
- Besonders gefährlich sind Wasserstellen ohne sicheren Ausstieg.
- Glatte Poolwände und steile Teichränder können zur Falle werden.
- Regentonnen sollten fest verschlossen sein.
- Teiche und Pools sollten sinnvoll gesichert werden.
- Geeignete, griffige Ausstiegsmöglichkeiten können lebensrettend sein.
- Eine lose Plane ist nicht automatisch eine sichere Poolabdeckung.
- Nach einem Beinahe-Ertrinken können Atemprobleme verzögert auftreten.
- Bei möglichem Einatmen von Wasser sollte die Katze tierärztlich untersucht werden.
- Atemnot oder Maulatmung sind ein sofortiger tiermedizinischer Notfall.
Schwimmen können ist nicht dasselbe wie wassersicher sein
Die eigentliche Überraschung ist also gar nicht, dass eine Katze schwimmen kann.
Viele Säugetiere besitzen grundsätzlich die Fähigkeit, sich im Wasser mit paddelnden Bewegungen fortzubewegen.
Entscheidend ist etwas anderes:
Kann die Katze die Situation kontrollieren?
Findet sie einen Ausstieg?
Hat sie genügend Halt?
Ist das Wasser ruhig?
Kann sie das Wasser jederzeit wieder verlassen?
Oder sitzt sie in einem tiefen Behälter mit glatten Wänden fest?
Genau deshalb sollten wir uns bei Pools, Teichen und Regentonnen nicht nur fragen:
„Kann meine Katze schwimmen?“
Sondern vor allem:
„Wenn sie hineinfallen sollte – kommt sie sicher wieder heraus?“
Denn:
Katzen können schwimmen.
Aber sicher sind sie erst, wenn sie auch wieder herauskommen.
Quellen & weiterführende Informationen
TASSO e. V.: Gefahren für Haustiere im Haushalt. Hinweise zu Pools und Teichen als Ertrinkungsgefahr für Katzen und Hunde sowie zur Bedeutung sicherer Abdeckungen und Ausstiegsmöglichkeiten.
TASSO e. V.: Informationen zum sicheren Freigang. Hinweise auf offene Regentonnen, ungesicherte Pools und andere gefährliche Strukturen im Außenbereich.
Cats Protection: Keeping Cats Safe Outside. Empfehlungen zur Sicherung von Gartenteichen, zu niedrigen beziehungsweise erreichbaren Ausstiegsbereichen und zum Verschließen von Regentonnen.
Cats Protection: Keeping Your Cat Safe in the Home. Hinweise zu Pools, Whirlpools, Wasserbehältern und sicherer Aufbewahrung von Poolchemikalien.
PetMD: Near Drowning in Cats. Veterinärmedizinische Informationen zur Schwimmfähigkeit von Katzen, zu Beinahe-Ertrinken, möglichen Komplikationen und zur Bedeutung eines sicheren Ausstiegs aus Wasserflächen.
Veterinary Information Network (VIN): Drowning or Near Drowning: First Aid. Aktualisierte tiermedizinische Notfallinformationen zu Ertrinken und Beinahe-Ertrinken sowie möglichen verzögerten Lungenkomplikationen.
Merck Veterinary Manual: Initial Triage and Resuscitation of Small Animal Emergency Patients. Einordnung von Beinahe-Ertrinken als mögliche Ursache schwerer Lungenschäden beziehungsweise eines nichtkardiogenen Lungenödems.
VCA Animal Hospitals: Acute Respiratory Distress Syndrome in Cats. Veterinärmedizinische Informationen zu schweren Lungenschäden nach Ereignissen wie Aspiration und Beinahe-Ertrinken.

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