Schwarze Katzen haben es im Tierheim schwerer.
Diesen Satz liest man immer wieder.
Manchmal heiĂt es sogar, schwarze Katzen wĂŒrden besonders lange warten, weil Menschen sie fĂŒr UnglĂŒcksboten halten.
Rund um Halloween kommt noch eine weitere Geschichte hinzu: Schwarze Katzen seien dann besonders gefĂ€hrdet und dĂŒrften deshalb besser gar nicht vermittelt werden.
Aber was davon lÀsst sich tatsÀchlich belegen?
Die Antwort ist ĂŒberraschend differenziert.
Ja, es gibt Tierheimdaten und Studien, in denen schwarze Katzen schlechtere Vermittlungschancen oder lÀngere Aufenthaltszeiten hatten.
Andere Untersuchungen finden dagegen kaum einen Nachteil â und eine aktuelle Studie aus Australien kam 2026 sogar zu dem Ergebnis, dass schwarze Katzen auf standardisierten Bildern besonders positiv bewertet wurden.
Die Fellfarbe kann also eine Rolle spielen.
Sie ist aber lÀngst nicht die ganze Geschichte.
Was sagen deutsche Tierheime?
FĂŒr Deutschland gibt es eine besonders interessante Zahl vom Deutschen Tierschutzbund.
Im Rahmen einer Befragung aus dem Jahr 2020 wurden 310 Tierheime, die Katzen aufnehmen, nach ihren Erfahrungen gefragt.
47 Prozent dieser Tierheime gaben an, dass schwarze Katzen schwerer vermittelt werden können als andersfarbige Katzen.
Diese Zahl wurde spĂ€ter auch im groĂen Katzenschutzreport des Deutschen Tierschutzbundes aufgegriffen.
Das ist bemerkenswert.
Aber auch hier mĂŒssen wir genau hinschauen, was die Zahl bedeutet.
47 Prozent bedeutet nicht: Schwarze Katzen haben nur halb so viele Chancen
Die 47 Prozent sind keine gemessene Adoptionsquote schwarzer Katzen.
Es bedeutet auch nicht, dass 47 Prozent aller schwarzen Katzen im Tierheim sitzen bleiben.
Die Zahl stammt aus einer Befragung von Tierheimen.
Fast die HĂ€lfte der teilnehmenden Einrichtungen berichtete aus ihrer praktischen Erfahrung, schwarze Katzen seien schwieriger zu vermitteln.
Damit liefert die Befragung einen wichtigen Hinweis auf ein reales Problem.
Sie zeigt aber gleichzeitig etwas anderes:
Mehr als die HĂ€lfte der befragten Tierheime berichtete diesen Nachteil offenbar nicht.
Schon deshalb wĂ€re die pauschale Aussage âSchwarze Katzen werden immer schlechter vermitteltâ zu einfach.
Auch internationale Tierheimdaten zeigen Unterschiede
Deutschland ist mit dieser Beobachtung nicht allein.
Die britische Tierschutzorganisation RSPCA veröffentlichte 2024 Daten, nach denen schwarze und schwarz-weiĂe Katzen besonders hĂ€ufig in ihrer Obhut waren.
Nach Angaben der Organisation benötigten schwarze Katzen zu diesem Zeitpunkt auĂerdem ungefĂ€hr dreimal lĂ€nger fĂŒr eine Vermittlung als Tabby-Katzen.
Die RSPCA betonte allerdings selbst, dass sie nicht sicher sagen könne, warum dieser Unterschied besteht.
Das ist eine wichtige EinschrÀnkung.
Denn eine lÀngere Aufenthaltszeit beweist noch nicht, dass Menschen schwarze Katzen grundsÀtzlich ablehnen.
Warum sind ĂŒberhaupt so viele schwarze Katzen im Tierheim?
Um Vermittlungszahlen richtig zu interpretieren, mĂŒssen wir zuerst wissen, wie viele Katzen einer bestimmten Fellfarbe ĂŒberhaupt in die Tierheime kommen.
Wenn schwarze Katzen in der allgemeinen Katzenpopulation besonders hÀufig vorkommen, könnten sie zwangslÀufig auch hÀufiger in Tierheimen vertreten sein.
Dann sieht man dort viele schwarze Katzen â ohne dass daraus automatisch folgt, dass jede einzelne von ihnen wegen ihrer Farbe schlechtere Chancen hat.
Auch Alter, Gesundheitszustand, Verhalten, Herkunft, die Zahl vorhandener Kitten und die lokale Nachfrage können Tierheimstatistiken beeinflussen.
Die Fellfarbe ist deshalb immer nur ein möglicher Faktor unter mehreren.
Was zeigen wissenschaftliche Untersuchungen?
Die Forschung zum sogenannten Black Cat Bias â also einer möglichen Benachteiligung schwarzer Katzen â liefert kein vollstĂ€ndig einheitliches Bild.
Einige Untersuchungen finden tatsÀchlich Nachteile.
Andere finden kaum einen Effekt.
Und manche kommen zu Ergebnissen, die dem verbreiteten Klischee sogar widersprechen.
Genau deshalb sollte man nicht eine einzelne Studie herausgreifen und daraus eine allgemeingĂŒltige Regel machen.
Eine groĂe Tierheimstudie aus den USA
Eine Untersuchung wertete die Daten von 7.983 Katzen aus, die 2010 und 2011 in ein stÀdtisches Tierheim im US-Bundesstaat Kentucky kamen.
Schwarze Katzen hatten in diesem Datensatz die niedrigste Adoptionsrate und die höchste Euthanasierate, wĂ€hrend weiĂe Katzen vergleichsweise gĂŒnstigere Ergebnisse hatten.
Der Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Ausgang war allerdings insgesamt eher schwach.
Auch nachdem weitere Faktoren wie Rassezuordnung und Fundtierstatus berĂŒcksichtigt wurden, blieb ein kleiner statistischer Zusammenhang bestehen.
Die Autoren werteten das als schwache UnterstĂŒtzung fĂŒr einen Black Cat Bias.
Das ist etwas anderes als die Aussage:
âMenschen wollen keine schwarzen Katzen.â
Die Daten zeigen einen Unterschied.
Sie erklÀren aber nicht automatisch seine Ursache.
Andere Tierheime finden wiederum andere Ergebnisse
Genau das zeigt eine weitere Untersuchung von Tierheimkatzen.
Dort war die Fellfarbe ebenfalls mit der Aufenthaltsdauer verbunden â allerdings warteten in diesem Datensatz weiĂe Katzen lĂ€nger als schwarze.
Das ist ein gutes Beispiel dafĂŒr, warum lokale Tierheimdaten nicht einfach weltweit verallgemeinert werden dĂŒrfen.
Die Zusammensetzung der Katzenpopulation, Vermittlungspraktiken, Fotos, Beschreibungen, regionale Vorlieben und viele andere Faktoren können Ergebnisse beeinflussen.
Ein Black Cat Bias kann existieren, muss aber nicht in jedem Tierheim gleich aussehen.
2026 wurde die Frage noch einmal ganz anders untersucht
Eine im MÀrz 2026 veröffentlichte US-amerikanische Studie untersuchte nicht die tatsÀchliche Vermittlung aus Tierheimen.
Stattdessen ging es um eine spannende andere Frage:
Wie wirken Vermittlungsfotos verschiedener Katzen auf Menschen?
1.004 Erwachsene aus den USA betrachteten insgesamt 40 Katzenfotos aus Vermittlungsanzeigen.
Gezeigt wurden schwarze, weiĂe, orange getigerte und braun getigerte Katzen.
Die Teilnehmenden sollten unter anderem einschĂ€tzen, welche Emotion die jeweilige Katze ihrer Meinung nach zeigte und wie wahrscheinlich sie innerhalb der nĂ€chsten zwei Wochen vermittelt werden wĂŒrde.
Schwarze Katzen wurden auf den Fotos schlechter eingeschÀtzt
In dieser Untersuchung wurden schwarze Katzen als weniger gut vermittelbar eingeschÀtzt als Katzen der anderen untersuchten Fellfarben.
AuĂerdem ordneten die Teilnehmenden ihnen hĂ€ufiger negative emotionale ZustĂ€nde wie Angst oder Ărger zu.
Und besonders interessant:
Die Menschen waren sich bei schwarzen Katzen unsicherer, welche Emotion sie auf dem Foto ĂŒberhaupt sahen.
Das könnte ein wichtiger Hinweis sein.
Vielleicht liegt ein Teil des Problems gar nicht darin, dass Menschen schwarze Katzen bewusst ablehnen.
Vielleicht sind manche schwarzen Katzen auf Fotos schlicht schwieriger zu âlesenâ.
Schwarzes Fell ist fotografisch anspruchsvoller
Bei einer sehr dunklen Katze können Details im Gesicht auf einem schlecht belichteten Foto leichter verschwinden.
Konturen von Augen, Maul, Nase und Fell können weniger deutlich sichtbar sein.
Besonders auf dunklem Hintergrund kann aus einer wunderschönen schwarzen Katze auf dem Foto schnell eine dunkle Silhouette mit zwei Augen werden.
Wer online durch Dutzende Vermittlungsprofile scrollt, trifft jedoch hÀufig innerhalb weniger Sekunden eine erste Auswahl.
Ein aussagekrÀftiges Foto kann deshalb durchaus eine Rolle spielen.
Die Autoren der Studie schlagen entsprechend vor, bei schwarzen Katzen besonders auf gute Beleuchtung, Kontrast und klar erkennbare GesichtszĂŒge zu achten.
Aber Vorsicht: Die Studie untersuchte Wahrnehmung â keine tatsĂ€chlichen Adoptionen
Dieser Unterschied ist entscheidend.
Die Teilnehmenden entschieden nicht, ob sie die gezeigte Katze tatsĂ€chlich adoptieren wĂŒrden.
Sie sollten einschÀtzen, wie wahrscheinlich eine Vermittlung ihrer Meinung nach sei.
Damit zeigt die Untersuchung:
Schwarze Katzen wurden auf diesen Fotos anders wahrgenommen.
Sie beweist nicht, dass dieselben Katzen anschlieĂend tatsĂ€chlich seltener adoptiert wurden.
Das wÀre eine andere Forschungsfrage.
War Aberglaube der Grund?
Die Studie untersuchte ausdrĂŒcklich auch den möglichen Einfluss aberglĂ€ubischer Vorstellungen.
Und hier wird es besonders spannend.
Die Forschenden fanden in dieser Untersuchung keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Aberglauben und der EinschÀtzung der Vermittelbarkeit.
Das bedeutet nicht, dass Aberglaube niemals eine Rolle spielt.
Es bedeutet aber:
Der beobachtete Unterschied lieĂ sich in dieser Studie nicht einfach mit dem alten âschwarze Katze bringt UnglĂŒckâ-Klischee erklĂ€ren.
Andere Forschung fand durchaus ZusammenhÀnge mit Aberglauben
Damit ist die Sache allerdings noch nicht erledigt.
Eine frĂŒhere Studie zum Black Cat Bias fand bei ihrem untersuchten Personenkreis durchaus einen Zusammenhang zwischen stĂ€rkerem Aberglauben und negativeren Bewertungen schwarzer Katzen.
Auch eine spĂ€ter veröffentlichte Untersuchung fand Hinweise auf implizite Vorurteile gegenĂŒber schwarzen Katzen bei bestimmten Teilnehmergruppen.
Bei einer kleinen Teilstudie war ein solcher impliziter Effekt nÀher an Halloween sogar stÀrker ausgeprÀgt.
Das zeigt erneut:
Menschen, Untersuchungsmethoden und kulturelle ZusammenhÀnge unterscheiden sich.
Es gibt nicht die eine Studie, die endgĂŒltig erklĂ€rt, warum schwarze Katzen manchmal schlechtere Vermittlungsergebnisse haben.
Und dann kam 2026 eine Studie mit dem gegenteiligen Ergebnis
Nur wenige Wochen vor der amerikanischen Untersuchung erschien eine australische Studie mit 624 Erwachsenen.
Diesmal verwendeten die Forschenden ein standardisiertes Katzenbild.
Aus demselben Ausgangsbild wurden verschiedene Varianten erstellt, bei denen unter anderem Fellfarbe und Augenform verÀndert wurden.
Dadurch konnten Unterschiede besser kontrolliert werden als bei echten Tierheimfotos, auf denen jede Katze anders aussieht, sitzt und fotografiert wurde.
Das Ergebnis?
Die schwarzen Katzen wurden keineswegs schlechter bewertet.
Eine schwarze Variante mit einer bestimmten Augenform erhielt sogar die höchste Bewertung hinsichtlich der Vermittelbarkeit.
Schwarze Katzen wurden auĂerdem als besonders freundlich und verspielt wahrgenommen.
Also gibt es den Black Cat Bias gar nicht?
So einfach ist es ebenfalls nicht.
Die australische Studie zeigt vielmehr, dass schwarzes Fell allein nicht automatisch zu einer negativen Bewertung fĂŒhren muss.
Das Studiendesign unterschied sich deutlich von der US-Untersuchung.
In Australien wurde ein kontrolliertes Bild verÀndert.
In der US-Studie wurden echte Vermittlungsfotos verschiedener Katzen verwendet.
Das eröffnet eine interessante Möglichkeit:
Vielleicht spielt nicht nur die Fellfarbe selbst eine Rolle, sondern auch die Art, wie eine Katze fotografiert und prÀsentiert wird.
Ein schwarzer Fleck im dunklen Katzenzimmer?
FĂŒr Tierheime kann das ganz praktische Konsequenzen haben.
Eine schwarze Katze vor dunkler Decke in einem schwach beleuchteten Raum hat fotografisch schlechte Voraussetzungen.
Dieselbe Katze vor einem helleren, ruhigen Hintergrund mit natĂŒrlichem Licht kann völlig anders wirken.
Das bedeutet nicht, dass Tierheimmitarbeiter schlechte Fotos machen.
Tierheimalltag ist hektisch, Zeit ist knapp und nicht jede Katze lÀsst sich entspannt fotografieren.
Aber gerade bei schwarzen Katzen kann etwas mehr Aufmerksamkeit fĂŒr Licht und Kontrast einen Unterschied machen.
Fotos sind inzwischen Teil der Vermittlung
FrĂŒher gingen Interessenten vielleicht zuerst durch die Katzenzimmer eines Tierheims.
Heute beginnt die Suche hÀufig auf einer Website oder in sozialen Medien.
Das erste Treffen mit der Katze findet dann als kleines Vorschaubild auf einem Bildschirm statt.
Damit bekommen Fotos eine Bedeutung, die sie frĂŒher in dieser Form nicht hatten.
Wer bereits anhand eines Fotos entscheidet, welche drei Katzen er sich genauer ansieht, kann Tiere ĂŒbersehen, deren Persönlichkeit auf einem Bild kaum sichtbar wird.
Kann man den Charakter einer Katze an der Fellfarbe erkennen?
Nein â jedenfalls nicht zuverlĂ€ssig bei einer einzelnen Katze.
Menschen verbinden Fellfarben gern mit Charaktereigenschaften.
Orange Katzen gelten im Internet als chaotisch und freundlich.
Schildpattkatzen sollen besonders temperamentvoll sein.
Schwarze Katzen werden je nach Kultur als geheimnisvoll, elegant, distanziert oder besonders verschmust beschrieben.
Solche Bilder können unterhaltsam sein.
FĂŒr die Auswahl einer konkreten Katze sind sie aber kein verlĂ€sslicher Ersatz fĂŒr das Kennenlernen des Tieres.
Eine schwarze Katze kann selbstbewusst oder schĂŒchtern, verspielt oder ruhig, sehr menschenbezogen oder zurĂŒckhaltend sein.
Die Fellfarbe ist kein Charaktertest.
Warum halten sich die Vorurteile dann so hartnÀckig?
Schwarze Katzen sind kulturell auĂergewöhnlich stark aufgeladen.
Seit Jahrhunderten tauchen sie in Geschichten, Kunst, Aberglauben und spÀter in Filmen und Halloween-Dekorationen auf.
Besonders in Teilen der westlichen Kultur wurden schwarze Katzen mit Hexen, UnglĂŒck oder ĂbernatĂŒrlichem verbunden.
Doch selbst dieser Aberglaube ist nicht ĂŒberall gleich.
In anderen Regionen gelten schwarze Katzen traditionell sogar als GlĂŒcksbringer.
Die Aussage:
âMenschen glauben seit jeher, schwarze Katzen bringen UnglĂŒck.â
wÀre deshalb historisch und kulturell viel zu pauschal.
Und was ist mit Halloween?
Hier begegnet uns regelmĂ€Ăig ein besonders dĂŒsterer Mythos.
Manche Tierheime und Tierschutzorganisationen haben in der Vergangenheit die Vermittlung schwarzer Katzen vor Halloween eingeschrÀnkt oder sogar vollstÀndig gestoppt.
Die BegrĂŒndung lautet meist, Menschen könnten schwarze Katzen gezielt adoptieren, um sie zu misshandeln, fĂŒr angebliche Rituale zu verwenden oder nach Halloween wieder auszusetzen.
Das klingt erschreckend.
Nur:
FĂŒr eine systematisch erhöhte Misshandlungsgefahr schwarzer Katzen durch Halloween-Adoptionen gibt es bislang keine belastbare wissenschaftliche Evidenz.
Das bedeutet nicht, dass TierquÀlerei nicht vorkommt
NatĂŒrlich werden Katzen misshandelt.
Und natĂŒrlich können auch schwarze Katzen Opfer von TierquĂ€lerei werden.
Einzelne FĂ€lle sind real und ernst zu nehmen.
Die entscheidende Frage lautet jedoch:
Sind schwarze Katzen, die rund um Halloween vermittelt werden, nachweislich einem höheren Risiko ausgesetzt als zu anderen Jahreszeiten vermittelte Katzen?
DafĂŒr fehlen belastbare Belege.
Eine Studie zu Tierheimdaten bezeichnet die empirische Grundlage fĂŒr diese Annahme ausdrĂŒcklich als sehr dĂŒnn.
Was passierte tatsÀchlich im Oktober?
Die bereits erwÀhnte US-Tierheimstudie untersuchte zusÀtzlich 1.219 vollstÀndig schwarze Katzen.
Die Forschenden wollten wissen, ob sich deren Vermittlung rund um Halloween verÀnderte.
Die Adoptions- und Transferzahlen im Oktober waren nicht auffÀllig besser als in anderen Monaten.
Die Studie zeigte also keinen besonderen Halloween-Vermittlungsboom.
Sie lieferte aber auch keinen Nachweis einer besonderen Welle von Missbrauch nach Halloween-Adoptionen.
Sollten Tierheime schwarze Katzen vor Halloween trotzdem nicht vermitteln?
Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen guten Grund fĂŒr eine pauschale Vermittlungssperre allein aufgrund von Fellfarbe und Kalenderdatum.
Eine solche Sperre kann sogar einen Nachteil haben:
Gerade Katzen, die ohnehin lÀnger auf ein Zuhause warten, verlieren zusÀtzliche Vermittlungstage.
Viel sinnvoller ist eine sorgfĂ€ltige Vermittlung, wie sie ohnehin fĂŒr jedes Tier gelten sollte.
Interessenten sollten beraten werden.
Die Lebenssituation sollte zur Katze passen.
Spontane Anschaffungen ohne Vorbereitung sind unabhÀngig von Halloween keine gute Idee.
Eine gute Vermittlung braucht keinen Sonderverdacht gegen Menschen, nur weil der Kalender Oktober zeigt.
Halloween kann sogar eine Chance sein
Das bekannte Bild der schwarzen Halloween-Katze lÀsst sich nÀmlich auch umdrehen.
Statt schwarze Katzen im Oktober aus der Ăffentlichkeit zu nehmen, nutzen manche Organisationen die Aufmerksamkeit inzwischen gezielt fĂŒr positive Vermittlungsaktionen.
Eine Katze mit schwarzem Fell ist schlieĂlich keine Halloween-Dekoration.
Aber Halloween kann ein Anlass sein, ĂŒber Vorurteile zu sprechen und genau diesen Katzen Sichtbarkeit zu geben.
Was können Tierheime bei der Vermittlung schwarzer Katzen tun?
Besonders hilfreich können gute, helle Fotos sein.
Das Gesicht sollte klar erkennbar sein.
Ein Hintergrund mit ausreichendem Kontrast verhindert, dass die Katze optisch âverschwindetâ.
Fotos bei natĂŒrlichem Licht können Fellstruktur und Augen deutlich besser zeigen.
ZusÀtzlich sollten Vermittlungstexte möglichst konkret beschreiben, wie die Katze tatsÀchlich ist.
Nicht:
âTypisch schwarze Schmusekatze.â
Sondern beispielsweise:
âKommt nach kurzer Kennenlernzeit selbststĂ€ndig zum Menschen, spielt gern mit Angelspielzeug und sucht ein ruhiges Zuhause ohne andere Katzen.â
Damit tritt die individuelle Katze hinter ihrer Fellfarbe hervor.
Und was können Interessenten tun?
Wer eine Katze adoptieren möchte, kann sich selbst bei der ersten Auswahl beobachten.
Welche Katzen springen mir auf der Vermittlungsseite sofort ins Auge?
Warum?
Ăbergehe ich Tiere, deren Fotos weniger spektakulĂ€r aussehen?
WĂŒrde ich eine schwarze Katze genauso zum Kennenlernen auswĂ€hlen wie eine auffĂ€llig gezeichnete?
Das bedeutet nicht, dass jeder Mensch bewusst Vorurteile besitzt.
Wir treffen viele Entscheidungen automatisch anhand erster EindrĂŒcke.
Gerade deshalb kann es sinnvoll sein, den zweiten Blick bewusst zuzulassen.
Die Katze persönlich kennenlernen
Fotos sind hilfreich.
Aber sie sind nur ein Moment.
Eine schĂŒchterne Katze kann auf dem Vermittlungsfoto ernst oder angespannt wirken und beim persönlichen Kennenlernen ausgesprochen freundlich sein.
Eine wunderschöne professionelle Aufnahme erzĂ€hlt wiederum noch nichts darĂŒber, ob die Katze zum eigenen Haushalt passt.
Bei der Adoption sollten deshalb andere Fragen wichtiger sein:
Passt die Katze zu Kindern?
Wie kommt sie mit anderen Tieren zurecht?
Braucht sie Freigang oder Wohnungshaltung?
Wie viel Ruhe benötigt sie?
Wie menschenbezogen ist sie?
Welche gesundheitlichen BedĂŒrfnisse hat sie?
Das sind fĂŒr ein gemeinsames Leben wesentlich wichtigere Informationen als die Farbe ihres Fells.
Warum sind Tierheimstatistiken so schwer zu vergleichen?
Ein Tierheim kann viele junge Katzen aufnehmen.
Ein anderes versorgt ĂŒberwiegend Ă€ltere Tiere.
Eine Region hat besonders viele schwarze Katzen.
In einer anderen sind bestimmte Fellzeichnungen hÀufiger.
Manche Einrichtungen vermitteln ausschlieĂlich regional.
Andere erreichen ĂŒber soziale Medien Menschen im ganzen Land.
Auch die Kriterien fĂŒr Aufnahme, Vermittlung und Euthanasie unterscheiden sich international erheblich.
Deshalb können Studien aus Deutschland, GroĂbritannien, den USA oder Australien nicht einfach eins zu eins miteinander verglichen werden.
Auch âschwarze Katzeâ ist nicht immer dieselbe Kategorie
Ein weiteres Problem steckt schon in der Datenerfassung.
Manche Statistiken unterscheiden zwischen vollstĂ€ndig schwarzen Katzen und schwarz-weiĂen Katzen.
Andere fassen dunkle Fellfarben zusammen.
Wieder andere analysieren Fellfarbe und Fellzeichnung getrennt.
Schon dadurch können Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen.
Wer Zahlen ĂŒber schwarze Katzen vergleicht, sollte deshalb prĂŒfen, was in der jeweiligen Untersuchung ĂŒberhaupt als âschwarzâ gezĂ€hlt wurde.
Was ist vom sogenannten âBlack Cat Syndromeâ zu halten?
Der Begriff wird hÀufig verwendet, wenn schwarze Katzen oder auch schwarze Hunde angeblich besonders schlechte Vermittlungschancen haben.
Er klingt allerdings eindeutiger, als die Forschungslage tatsÀchlich ist.
Es gibt Hinweise auf Nachteile schwarzer Katzen.
Es gibt praktische Tierheimerfahrungen, die dazu passen.
Aber es gibt ebenso Studien, die nur schwache oder gar gegenteilige Effekte finden.
Deshalb ist Black Cat Bias als Beschreibung einer möglichen Wahrnehmungsverzerrung sinnvoller als die Vorstellung eines universellen âSyndromsâ, das ĂŒberall gleichermaĂen auftritt.
Warum widersprechen sich die beiden Studien von 2026?
Auf den ersten Blick wirken ihre Ergebnisse fast unvereinbar.
Die amerikanische Studie:
Schwarze Katzen wurden als weniger gut vermittelbar eingeschÀtzt.
Die australische Studie:
Schwarze Katzen erhielten teilweise besonders gute Bewertungen.
Doch beide Untersuchungen testeten etwas Unterschiedliches.
Die US-Studie verwendete 40 echte Vermittlungsfotos verschiedener Katzen.
Dadurch unterschieden sich zwangslÀufig nicht nur Fellfarben, sondern auch Gesichter, Körperformen und weitere Details.
Die australische Studie verÀnderte dagegen dasselbe Ausgangsbild systematisch.
Dadurch konnte die Fellfarbe viel stÀrker isoliert betrachtet werden.
Eine plausible Schlussfolgerung lautet deshalb:
Schwarz allein muss kein Nachteil sein. Die Kombination aus Fellfarbe, Foto, Ausdruck, PrÀsentation und menschlicher Wahrnehmung könnte wesentlich entscheidender sein.
Das ist eine Schlussfolgerung â noch kein endgĂŒltiger Beweis
Auch diese ErklÀrung muss vorsichtig formuliert werden.
Die beiden Studien wurden in unterschiedlichen LĂ€ndern mit unterschiedlichen Personengruppen und Methoden durchgefĂŒhrt.
Wir können daraus nicht beweisen, dass ausschlieĂlich die Fotografie den Unterschied verursacht.
Aber die Ergebnisse liefern eine interessante Hypothese fĂŒr weitere Forschung.
Und fĂŒr den Tierheimalltag ist gute Fotografie ohnehin eine risikoarme und sinnvolle MaĂnahme.
Wahr oder Miau?
âSchwarze Katzen werden immer schlechter vermittelt.â
Miau.
Es gibt Tierheime und Studien, in denen schwarze Katzen schlechter abschnitten. Andere Untersuchungen fanden keinen solchen Nachteil oder sogar positive Bewertungen schwarzer Katzen.
â47 Prozent deutscher Tierheime berichteten, dass schwarze Katzen schwerer zu vermitteln sind.â
Wahr.
Diese Zahl stammt aus einer Befragung des Deutschen Tierschutzbundes aus dem Jahr 2020 mit 310 Tierheimen, die Katzen aufnehmen.
â47 Prozent bedeutet, dass schwarze Katzen nur halb so oft adoptiert werden.â
Miau.
Die Zahl beschreibt den Anteil der Tierheime, die von einer erschwerten Vermittlung berichteten â keine Adoptionsrate einzelner Katzen.
âAberglaube ist eindeutig der Hauptgrund.â
Miau.
Aberglaube kann bei manchen Menschen eine Rolle spielen. Die US-Studie von 2026 fand jedoch keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Aberglauben und der dort gemessenen wahrgenommenen Vermittelbarkeit.
âSchwarze Katzen können auf Vermittlungsfotos schwieriger zu beurteilen sein.â
Wahr â zumindest als Ergebnis einer aktuellen Untersuchung.
Teilnehmende einer US-Studie von 2026 waren bei der EinschÀtzung emotionaler Signale schwarzer Katzen unsicherer als bei anderen untersuchten Fellfarben.
âDie Studie beweist, dass schwarze Katzen tatsĂ€chlich seltener adoptiert werden.â
Miau.
Die Untersuchung erfasste Bewertungen von Fotos und die geschÀtzte Vermittelbarkeit, nicht die spÀteren realen Adoptionen dieser Katzen.
âEine andere Studie aus 2026 bewertete schwarze Katzen sogar besonders positiv.â
Wahr.
In einer australischen Untersuchung mit standardisierten Bildern erzielten schwarze Varianten hohe Adoptierbarkeitsbewertungen und wurden unter anderem als freundlich und verspielt eingeschÀtzt.
âSchwarze Katzen, die vor Halloween adoptiert werden, werden nachweislich hĂ€ufiger misshandelt.â
Miau.
FĂŒr eine systematisch erhöhte Misshandlungsgefahr durch Halloween-Adoptionen fehlen belastbare Belege.
âDeshalb braucht man bei Halloween-Adoptionen ĂŒberhaupt nicht sorgfĂ€ltig zu vermitteln.â
NatĂŒrlich ebenfalls Miau.
Eine grĂŒndliche und verantwortungsvolle Vermittlung ist immer wichtig â im Oktober genauso wie im Februar oder Juni.
Kurz & knapp
- 47 Prozent von 310 im Jahr 2020 befragten deutschen Tierheimen berichteten, schwarze Katzen seien schwerer zu vermitteln.
- Das ist eine Tierheimbefragung und keine individuelle Adoptionsquote.
- Auch britische RSPCA-Daten zeigen in bestimmten ZeitrÀumen lÀngere Aufenthalte schwarzer Katzen.
- Internationale wissenschaftliche Untersuchungen liefern jedoch kein einheitliches Bild.
- Eine US-Studie von 2026 fand eine geringere wahrgenommene Vermittelbarkeit schwarzer Katzen auf echten Vermittlungsfotos.
- Die Teilnehmenden waren zugleich unsicherer beim EinschĂ€tzen ihrer GesichtsausdrĂŒcke.
- Aberglaube erklÀrte den Effekt in dieser Studie nicht signifikant.
- Eine australische Studie von 2026 fand bei standardisierten Bildern dagegen besonders gute Bewertungen schwarzer Katzen.
- Schwarzes Fell allein ist deshalb offenbar keine Garantie fĂŒr einen Vermittlungsnachteil.
- Fotos, Licht, PrÀsentation, Alter, Gesundheit, Verhalten und die jeweilige Tierheimpopulation können ebenfalls eine Rolle spielen.
- Die Fellfarbe erlaubt keine zuverlĂ€ssige Aussage ĂŒber den individuellen Charakter einer Katze.
- FĂŒr eine systematisch erhöhte Misshandlungsgefahr durch Halloween-Adoptionen schwarzer Katzen fehlen belastbare Belege.
- Eine sorgfÀltige Vermittlung ist unabhÀngig von Fellfarbe und Jahreszeit wichtig.
Vielleicht ist der zweite Blick der wichtigste
Die Forschung liefert keine einfache Geschichte.
Schwarze Katzen werden nicht ĂŒberall automatisch ĂŒbergangen.
Aber es gibt genĂŒgend Tierheimerfahrungen und wissenschaftliche Hinweise darauf, dass Fellfarbe unter bestimmten Bedingungen Einfluss auf Wahrnehmung und Vermittlung haben kann.
Vielleicht liegt genau darin das eigentliche Problem.
Eine Katze muss nicht aktiv abgelehnt werden, um ĂŒbersehen zu werden.
Es reicht manchmal schon, wenn ein anderes Tier auf dem Bildschirm etwas auffÀlliger aussieht.
Wenn ein schwarzes Gesicht auf einem dunklen Foto weniger deutlich zu erkennen ist.
Oder wenn wir unbewusst Eigenschaften in eine Fellfarbe hineinlesen.
Deshalb lohnt sich bei einer Adoption der zweite Blick.
Nicht:
âWelche Katze sieht auf dem Foto besonders schön aus?â
Sondern:
âWelche Katze passt tatsĂ€chlich zu meinem Leben â und zu wem passe ich?â
Denn die Fellfarbe macht keine Katze freundlicher, schwieriger, geheimnisvoller oder weniger liebenswert.
Entscheidend ist die Katze dahinter.
Quellen & weiterfĂŒhrende Informationen
Deutscher Tierschutzbund: Der groĂe Katzenschutzreport â Das versteckte Leid der Katzen und unsere Verantwortung. EnthĂ€lt unter anderem die Ergebnisse einer Tierheimumfrage aus dem Jahr 2020 mit 310 Tierheimen. 47 Prozent berichteten, dass schwarze Katzen schwerer vermittelt werden können als andersfarbige Katzen.
RSPCA (2024): Veröffentlichung zu schwarzen Katzen in der Vermittlung. Die Organisation berichtete unter anderem, dass schwarze Katzen in ihren damaligen Daten ungefĂ€hr dreimal lĂ€nger bis zur Vermittlung benötigten als Tabby-Katzen und betonte gleichzeitig, dass die Ursachen dafĂŒr nicht eindeutig bekannt seien.
Villarreal, J. A.; Gebauer, R.; Ha, J. C. (2026): Do Black Cats Look Less Adoptable? Human Judgments of Emotions and Adoptability in Online Shelter Photographs in the United States. Animals 16(6), 869. Untersuchung mit 1.004 Erwachsenen und 40 realen Vermittlungsfotos. Schwarze Katzen wurden als weniger gut vermittelbar eingeschÀtzt; ihre emotionalen Signale wurden mit geringerer Sicherheit beurteilt. Aberglaube erklÀrte diesen Unterschied in dieser Studie nicht signifikant.
Whelan, S. C. et al. (2026): The Influence of Cat Coat Colour, Eye Shape, and Pupil Size on Ratings of Adoptability Based on a Standardised Online Image, in an Australian Sample. Animals 16(2), 339. Untersuchung mit 624 australischen Erwachsenen. Schwarze Bildvarianten erhielten hohe Adoptierbarkeitsbewertungen; eine schwarze Variante erreichte die höchste Bewertung.
Carini, R. M. et al. (2020): Coat Color and Cat Outcomes in an Urban U.S. Shelter. Animals 10(10), 1720. Analyse von 7.983 Katzen aus einem US-Tierheim. Die Studie fand einen schwachen Zusammenhang zwischen Fellfarbe und Tierheimausgang sowie niedrigere Adoptionsraten bei schwarzen Katzen in diesem Datensatz. ZusÀtzlich wurden 1.219 schwarze Katzen hinsichtlich möglicher Halloween-Effekte untersucht.
Jones et al.: Black Cat Bias: Prevalence and Predictors. Untersuchung menschlicher Bewertungen schwarzer und andersfarbiger Katzen sowie möglicher ZusammenhÀnge mit Aberglauben und der Schwierigkeit, emotionale Signale schwarzer Katzen zu interpretieren.
AAHA: Fachbeitrag Black cat bias: How coat color impacts shelter outcomes for cats. Einordnung der Forschung zu Fellfarbe, Tierheimaufenthalt und Vermittlung sowie möglicher Einflussfaktoren.
Cats Protection: Informationen zur Kulturgeschichte und zu unterschiedlichen Aberglaubensvorstellungen rund um schwarze Katzen. Die Bedeutung schwarzer Katzen als GlĂŒcks- oder UnglĂŒckszeichen unterscheidet sich regional und kulturell deutlich.

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