Die Katze hat gefressen.
Sie hebt den Kopf, macht einen Schritt vom Napf weg â und beginnt plötzlich mit der Pfote ĂŒber den Boden zu scharren.
Einmal nach links.
Einmal nach rechts.
Vielleicht kratzt sie sogar auf Fliesen, Laminat oder der Futtermatte herum, obwohl dort offensichtlich ĂŒberhaupt nichts liegt, womit sie ihr Futter bedecken könnte.
Das sieht so zielgerichtet aus, dass sich schnell eine ErklÀrung aufdrÀngt:
Will sie ihr Futter etwa vergraben?
Oder möchte sie uns damit sagen, dass es ihr nicht schmeckt?
Die kurze Antwort lautet:
Beides ist als ErklĂ€rung denkbar â aus dem Scharren allein lĂ€sst sich die Ursache aber nicht sicher ablesen.
FĂŒr viele Katzen ist dieses Verhalten völlig unproblematisch.
Entscheidend ist weniger die einzelne Pfotenbewegung als das gesamte Fressverhalten der Katze.
Was macht die Katze da eigentlich?
Manche Katzen scharren neben oder vor ihrem Futternapf ĂŒber den Boden.
Andere kratzen an der Futtermatte, schieben ein Handtuch in Richtung Napf oder versuchen sogar, herumliegendes Papier, Stoff oder andere GegenstĂ€nde ĂŒber Futterreste zu ziehen.
Das Verhalten wird hÀufig als Food Covering oder Food Caching bezeichnet.
Es erinnert an das Abdecken beziehungsweise Verbergen ĂŒbrig gebliebener Nahrung.
Besonders interessant:
Die Katze muss dafĂŒr ĂŒberhaupt keinen geeigneten Untergrund haben.
Sie kann dieselben Scharrbewegungen auch auf einem glatten KĂŒchenboden ausfĂŒhren, auf dem sich offensichtlich nichts vergraben lĂ€sst.
Will sie ihr Futter wirklich vergraben?
Das ist eine sehr verbreitete ErklÀrung.
Sie ist auch biologisch durchaus plausibel.
Verschiedene Raubtiere decken gröĂere Beutereste mit Erde, Laub, Pflanzenmaterial oder anderen verfĂŒgbaren Materialien ab.
Ein solches Verhalten kann Nahrung vor anderen Tieren verbergen, den Zugang fĂŒr Konkurrenten erschweren oder dazu beitragen, einen Futtervorrat fĂŒr spĂ€ter aufzubewahren.
Auch innerhalb der Katzenfamilie ist sogenanntes Caching dokumentiert.
Bei der EuropĂ€ischen Wildkatze wurde beispielsweise beobachtet, wie eine gröĂere Beute ĂŒber mehrere Tage genutzt und mit Haaren und Vegetation abgedeckt wurde.
Dass das Scharren unserer Hauskatzen neben dem Napf mit einem solchen Verhaltensmuster zusammenhÀngen könnte, ist deshalb gut vorstellbar.
Trotzdem ist Vorsicht angebracht.
Das Verhalten sieht eindeutig aus â seine Motivation ist es nicht
Wir können eine Katze leider nicht fragen:
âWarum hast du gerade neben deinem Napf gescharrt?â
Und genau darin liegt das Problem.
Eine Pfotenbewegung, die wie das Zuscharren von Nahrung aussieht, beweist nicht automatisch, dass die Katze bewusst denkt:
âDas bewahre ich fĂŒr spĂ€ter auf.â
Organisationen wie Cats Protection beschreiben verschiedene mögliche Funktionen des sogenannten Food Coverings:
- Nahrung vor anderen Tieren verbergen,
- den Geruch von Futterresten reduzieren,
- Futter vor möglichen Konkurrenten schĂŒtzen,
- ĂŒbrig gebliebene Nahrung fĂŒr spĂ€ter sichern.
FĂŒr die einzelne Hauskatze lĂ€sst sich aber meist nicht feststellen, welcher dieser GrĂŒnde â wenn ĂŒberhaupt â gerade entscheidend ist.
Das sichtbare Verhalten kennen wir. Die genaue Absicht dahinter kennen wir nicht immer.
Warum scharrt sie, obwohl auf dem Boden gar keine Erde liegt?
Gerade das macht das Verhalten so auffÀllig.
Eine Katze scharrt vielleicht minutenlang ĂŒber Fliesen oder Laminat und scheint ĂŒberhaupt nicht zu bemerken, dass sie damit nichts bedecken kann.
Das spricht dafĂŒr, dass nicht unbedingt das tatsĂ€chliche erfolgreiche Vergraben entscheidend sein muss.
Das Bewegungsmuster selbst kann offenbar auch unter Bedingungen auftreten, unter denen das ursprĂŒngliche Ergebnis â Nahrung mit Material zu bedecken â ĂŒberhaupt nicht möglich ist.
Ăhnliche Situationen kennen wir auch aus anderen Bereichen des Katzenverhaltens.
Eine Katze fĂŒhrt nicht jede Handlung nur dann aus, wenn sie unter den heutigen Wohnbedingungen tatsĂ€chlich zum ursprĂŒnglichen Ergebnis fĂŒhrt.
Wohnzimmerboden hin oder her: Die Pfoten wissen offenbar trotzdem, was sie tun möchten.
Ist das ein Instinkt?
HĂ€ufig wird das Scharren als âinstinktives Verhaltenâ bezeichnet.
Ganz falsch ist diese Beschreibung nicht, sie wird im Alltag aber oft etwas zu selbstverstÀndlich verwendet.
Wir wissen, dass Verbergen beziehungsweise Caching von Nahrung bei verschiedenen Katzenartigen vorkommt.
Bei Hauskatzen ist jedoch wesentlich weniger wissenschaftlich untersucht, warum genau einzelne Tiere am Futternapf scharren.
Deshalb ist die vorsichtigere Formulierung:
Das Verhalten Ă€hnelt einem natĂŒrlichen Verhaltensmuster zum Abdecken oder Verbergen von Nahrung.
Die individuelle Motivation einer bestimmten Katze lÀsst sich daraus nicht sicher bestimmen.
Bedeutet Scharren: âDas Futter schmeckt mir nichtâ?
Nicht automatisch.
Das ist wahrscheinlich eines der hÀufigsten MissverstÀndnisse rund um dieses Verhalten.
Eine Katze kann ihren Napf leerfressen und anschlieĂend trotzdem daneben scharren.
Eine andere lĂ€sst einen kleinen Rest ĂŒbrig und scharrt.
Eine dritte schnuppert am Futter, scharrt und geht weg.
Diese Situationen sehen Ă€hnlich aus â können aber etwas völlig Unterschiedliches bedeuten.
Deshalb sollte man nicht aus einer einzigen Pfotenbewegung ĂŒbersetzen:
âIgitt, das will ich nicht.â
Entscheidend ist: Was macht die Katze mit dem Futter?
Der wichtigste Hinweis ist nicht das Scharren selbst.
Viel aussagekrÀftiger ist das gesamte Verhalten rund um die Mahlzeit.
Frisst die Katze:
- ihre normale Menge?
- mit normalem Appetit?
- in ihrem ĂŒblichen Tempo?
- ohne Anzeichen von Schmerzen oder Ăbelkeit?
- und verhĂ€lt sie sich anschlieĂend wie immer?
Dann ist gelegentliches Scharren neben dem Napf meist kein Grund zur Sorge.
Scharren nach dem Fressen
Besonders hÀufig fÀllt das Verhalten auf, wenn eine Katze ihre Mahlzeit beendet hat.
Sie frisst eine gewisse Menge, lĂ€sst vielleicht etwas ĂŒbrig und beginnt anschlieĂend zu scharren.
Das passt besonders gut zur Vorstellung des Abdeckens beziehungsweise Verbergens von Futterresten.
Es kann schlicht bedeuten:
Die Mahlzeit ist fĂŒr den Moment beendet.
Ob die Katze dabei tatsÀchlich plant, spÀter wiederzukommen, wissen wir allerdings nicht.
Und wenn der Napf leer ist?
Auch dann kann eine Katze scharren.
Das zeigt besonders gut, warum man das Verhalten nicht zu wörtlich interpretieren sollte.
Es muss schlieĂlich gar nichts mehr vorhanden sein, das tatsĂ€chlich versteckt werden könnte.
Das Scharren kann trotzdem Teil des Ablaufs rund um das Ende einer Mahlzeit sein.
Manche Katzen zeigen es regelmĂ€Ăig, andere nur gelegentlich und viele ĂŒberhaupt nicht.
Interessanter wird es, wenn sie VOR dem Fressen scharrt
Eine andere Situation verdient etwas mehr Aufmerksamkeit.
Die Katze kommt zum Napf.
Sie scheint zunÀchst interessiert.
Sie schnuppert am Futter.
Dann scharrt sie daneben â und geht weg, ohne zu fressen.
Auch hier bedeutet das Scharren allein noch nicht:
âDieses Futter schmeckt mir nicht.â
Aber jetzt sollte man genauer auf den Rest des Verhaltens achten.
Vielleicht gefÀllt ihr das Futter tatsÀchlich nicht
Katzen können individuelle Vorlieben bei Futter haben.
Geruch, Geschmack, Konsistenz und Temperatur können eine Rolle spielen.
Ein neues Rezept, eine andere Sorte oder ein ungewöhnlicher Geruch können dazu fĂŒhren, dass eine Katze eine Mahlzeit nicht annehmen möchte.
Auch Futter, das zu lange offen stand oder fĂŒr die Katze anders riecht als gewöhnlich, kann weniger attraktiv sein.
Wenn die Katze ansonsten gesund wirkt und lediglich eine bestimmte Sorte ablehnt, kann die FutterprÀferenz eine plausible ErklÀrung sein.
Aber auch hier gilt:
Nicht das Scharren beweist die Abneigung â sondern das gesamte Fressverhalten liefert die Hinweise.
Vielleicht ist die Portion einfach zu groĂ
Katzen nehmen natĂŒrlicherweise eher mehrere kleinere Mahlzeiten auf als wenige riesige Portionen.
Wenn regelmĂ€Ăig gröĂere Mengen im Napf zurĂŒckbleiben, kann es sinnvoll sein, die Tagesration auf kleinere Portionen aufzuteilen.
Das hat noch einen weiteren praktischen Vorteil:
Bei Nassfutter bleiben weniger Reste lange bei Zimmertemperatur stehen.
Wenn eine Katze nach einer angemessenen Portion zufrieden weggeht und normal weiterfrisst, ist das kein Zeichen dafĂŒr, dass mit ihr etwas nicht stimmt.
Der Futterplatz selbst kann eine Rolle spielen
Nicht nur das Futter beeinflusst eine Mahlzeit.
Auch die Umgebung zÀhlt.
Katzen sollten möglichst an einem ruhigen Platz fressen können, an dem sie sich sicher fĂŒhlen.
Problematisch können beispielsweise sein:
- stÀndiger Durchgangsverkehr,
- laute HaushaltsgerÀte,
- ein Futterplatz direkt neben dem Katzenklo,
- ein Hund, der wÀhrend des Fressens wartet,
- eine andere Katze, die den Napf beobachtet oder blockiert,
- ein Standort, an dem die Katze schlecht ĂŒberblicken kann, was um sie herum passiert.
Eine Katze kann trotzdem fressen â aber die Situation muss deshalb noch lange nicht optimal sein.
Mehrere Katzen? Dann lohnt sich ein zweiter Blick
Im Mehrkatzenhaushalt wird das Verhalten besonders interessant.
Katzen mĂŒssen sich nicht offen prĂŒgeln, damit rund um Futter Konkurrenz entsteht.
Schon eine andere Katze, die regelmĂ€Ăig wartet, beobachtet oder den Weg zum Napf kontrolliert, kann Einfluss auf das Fressverhalten haben.
Deshalb sollten mehrere Katzen ausreichend voneinander getrennte FutterplÀtze bekommen.
Ein Napf fĂŒr jede Katze bedeutet dabei nicht automatisch, dass die Ressourcen gut verteilt sind.
Stehen alle NĂ€pfe unmittelbar nebeneinander, mĂŒssen die Tiere trotzdem in direkter NĂ€he zueinander fressen.
Getrennte FutterplÀtze schaffen echte Wahlmöglichkeiten.
Kann das Scharren eine Reaktion auf Konkurrenz sein?
Das ist denkbar.
Wenn Nahrung geschĂŒtzt oder verborgen werden soll, liegt ein Zusammenhang mit möglichen Nahrungskonkurrenten nahe.
Cats Protection empfiehlt deshalb bei mehreren Katzen getrennte FutterplÀtze, insbesondere wenn eine Katze hÀufig versucht, ihr Futter abzudecken.
Aus dem Scharren allein lÀsst sich aber auch hier kein Konflikt diagnostizieren.
Man sollte zusÀtzlich darauf achten:
- Kann jede Katze ungestört zum Futter gehen?
- Wartet eine andere Katze in der NĂ€he?
- frisst eine Katze auffÀllig hastig?
- verlÀsst sie den Napf, sobald eine andere Katze erscheint?
- wird ein Weg zum Futterplatz blockiert?
- nimmt eine Katze regelmĂ€Ăig Futter der anderen weg?
Solche Beobachtungen erzÀhlen wesentlich mehr als das Scharren allein.
Ist der Napf schuld?
Manchmal wird bei fast jedem ungewöhnlichen Verhalten rund um den Futternapf sofort die Form des Napfes verantwortlich gemacht.
Auch hier lohnt sich ZurĂŒckhaltung.
NatĂŒrlich kann eine Katze individuelle Vorlieben fĂŒr bestimmte NĂ€pfe, Teller oder FutterplĂ€tze haben.
Ein breiter, flacher Teller kann fĂŒr manche Tiere angenehmer sein.
Aber:
Scharren neben dem Napf beweist weder eine sogenannte âWhisker Fatigueâ noch ein Problem mit dem Napf.
Wenn deine Katze normal und entspannt frisst, besteht kein Grund, aufgrund des Scharrens stÀndig neue NÀpfe auszuprobieren.
Was kann ich tun, wenn meine Katze stÀndig scharrt?
Wenn die Katze normal frisst und das Verhalten keine Probleme verursacht:
Eigentlich nichts.
Du musst es nicht abgewöhnen.
Wenn dich das Verhalten stört oder regelmĂ€Ăig Futter im Raum verteilt wird, können einige einfache VerĂ€nderungen helfen.
Kleinere Portionen anbieten
Bleiben regelmĂ€Ăig groĂe Mengen ĂŒbrig, kannst du die Tagesration auf mehrere kleinere Mahlzeiten verteilen.
Damit gibt es nach dem Fressen weniger zu âvergrabenâ.
Nassfutterreste entfernen
Hat die Katze ihre Mahlzeit beendet, können ĂŒbrig gebliebene Reste weggerĂ€umt werden.
Gerade Nassfutter sollte nicht unnötig lange offen stehen.
Eine abwischbare Futtermatte verwenden
Scharrt die Katze energisch ĂŒber den Boden, schĂŒtzt eine robuste und leicht zu reinigende Matte den Untergrund.
Sie sollte allerdings rutschfest sein und keine losen Teile besitzen, an denen die Katze hÀngen bleiben könnte.
Den Futterplatz ĂŒberprĂŒfen
Ein ruhiger Platz kann helfen, wenn die Katze wÀhrend der Mahlzeiten hÀufig gestört wird.
Mehrere Katzen getrennt fĂŒttern
So muss keine Katze ihre Mahlzeit in unmittelbarer NÀhe eines möglichen Konkurrenten einnehmen.
Soll ich sie vom Scharren abhalten?
Normalerweise nicht.
Es gibt keinen Grund, eine Katze fĂŒr dieses Verhalten zu bestrafen.
Anschreien, Erschrecken oder Wegscheuchen kann zusÀtzlichen Stress rund um den Futterplatz erzeugen.
Das wÀre genau das Gegenteil dessen, was wir erreichen möchten.
Beobachten statt bestrafen.
Wenn das Verhalten lediglich etwas lÀstig ist, sollte lieber die Umgebung angepasst werden.
Was ist mit Futterautomaten?
Wenn Futter regelmĂ€Ăig offen stehen bleibt oder mehrere Katzen sich gegenseitig Mahlzeiten wegfressen, kann in manchen Haushalten ein Futterautomat hilfreich sein.
Zeitgesteuerte Automaten können kleine Portionen zu mehreren Zeitpunkten bereitstellen.
Mikrochip-Automaten können dafĂŒr sorgen, dass nur eine bestimmte Katze Zugang zu ihrem Futter erhĂ€lt.
Sie sind aber kein Muss.
Ein einfacher, gut organisierter Futterplatz reicht fĂŒr viele Katzen völlig aus.
Wann sollte ich genauer hinschauen?
Das Scharren selbst ist meist nicht das Problem.
Wichtiger ist eine plötzliche VerÀnderung des gesamten Fressverhaltens.
Zum Beispiel:
- Die Katze frisst plötzlich deutlich weniger.
- Sie geht zum Napf, möchte scheinbar fressen und dreht dann immer wieder ab.
- Sie schnuppert am Futter und verweigert es anschlieĂend.
- Sie schmatzt oder schluckt auffÀllig.
- Sie speichelt.
- Sie erbricht.
- Sie wirkt matt oder zieht sich zurĂŒck.
- Sie verliert Gewicht.
- Sie scheint beim Kauen Schmerzen zu haben.
- Sie möchte plötzlich nur noch weiches Futter.
Dann sollte man nicht einfach annehmen:
âSie ist eben mĂ€kelig.â
Ăbelkeit kann bei Katzen erstaunlich unscheinbar aussehen
Eine Katze mit Ăbelkeit muss nicht zwingend erbrechen.
International Cat Care weist darauf hin, dass Katzen mit Ăbelkeit zunĂ€chst durchaus Interesse am Futter zeigen können.
Sie gehen zum Napf, riechen daran â und wenden sich dann wieder ab.
Weitere mögliche Hinweise sind:
- auffÀlliges Lippenlecken oder Schmatzen,
- hÀufiges Schlucken,
- Speicheln,
- WĂŒrgen,
- verminderte Futteraufnahme.
Wenn eine Katze in diesem Zusammenhang zusÀtzlich neben dem Futter scharrt, sollte man deshalb nicht automatisch nur das Verhalten erklÀren wollen.
Dann ist die Frage wichtiger: Warum frisst sie nicht normal?
Auch Schmerzen können die Futteraufnahme verÀndern
Zahnprobleme und andere Schmerzen können dazu fĂŒhren, dass eine Katze zwar Hunger zu haben scheint, aber nicht normal frisst.
Manche Katzen beginnen beispielsweise plötzlich, Futter herunterzuschlucken, statt es zu kauen.
Andere bevorzugen weiches Futter oder lassen Trockenfutter liegen.
Auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes, der Nieren, Leber oder BauchspeicheldrĂŒse sowie viele weitere Erkrankungen können Appetit und Fressverhalten beeinflussen.
Deshalb sollte eine auffÀllige Futterverweigerung nicht allein mit einer vermeintlichen Marotte erklÀrt werden.
24 Stunden nicht richtig gefressen? Nicht einfach weiter beobachten
Wenn eine erwachsene Katze etwa 24 Stunden lang nicht richtig frisst, sollte sie zeitnah tierÀrztlich untersucht werden.
Katzen vertragen lÀngere Nahrungskarenz schlechter, als viele Menschen annehmen.
Besonders bei ĂŒbergewichtigen Katzen kann eine lĂ€ngere Phase ohne ausreichende Nahrungsaufnahme das Risiko einer hepatischen Lipidose â einer gefĂ€hrlichen Fettleber â erhöhen.
Bei Kitten, kranken oder geschwĂ€chten Katzen sollte selbstverstĂ€ndlich deutlich frĂŒher reagiert werden.
Auch bei zusÀtzlichen Symptomen wie starkem Erbrechen, deutlicher SchwÀche, Schmerzen oder einem allgemein kranken Eindruck sollte man nicht erst 24 Stunden abwarten.
Scharrt meine Katze, weil das Futter schlecht ist?
Das lĂ€sst sich aus dem Verhalten nicht zuverlĂ€ssig schlieĂen.
Aber selbstverstÀndlich sollte Futter immer kontrolliert werden, wenn eine Katze eine normalerweise gern gefressene Mahlzeit plötzlich verweigert.
Fragen können sein:
- Ist das Mindesthaltbarkeitsdatum in Ordnung?
- Riecht das Futter anders als sonst?
- Wurde eine neue Charge oder Rezeptur geöffnet?
- Stand Nassfutter lange offen?
- Wurde das Futter korrekt gelagert?
- Fressen andere Katzen dieselbe Charge normal?
Eine einzelne abgelehnte Mahlzeit kann banal sein.
Eine anhaltende oder deutliche VerÀnderung sollte dagegen ernst genommen werden.
Kann der Futtergeruch das Scharren beeinflussen?
Cats Protection weist darauf hin, dass besonders neues oder stark riechendes Futter das Food-Covering-Verhalten beeinflussen kann.
Das ist plausibel, weil Geruch fĂŒr Katzen bei der Nahrungsaufnahme eine zentrale Rolle spielt.
Auch hier bedeutet ein stÀrkeres Scharren aber nicht automatisch, dass die Katze den Geruch unangenehm findet.
Ein intensiver Geruch könnte ebenso einen stÀrkeren Reiz darstellen, Nahrung abzudecken.
Dasselbe Verhalten kann deshalb theoretisch aus unterschiedlichen Situationen entstehen.
Warum machen manche Katzen das stÀndig und andere nie?
Wie bei vielen Verhaltensweisen gibt es groĂe individuelle Unterschiede.
Eine Katze scharrt praktisch nach jeder Mahlzeit.
Eine andere nur bei Nassfutter.
Die nĂ€chste nur dann, wenn etwas ĂŒbrig bleibt.
Und eine vierte hat dieses Verhalten in ihrem ganzen Leben noch nie gezeigt.
Das allein ist kein Hinweis darauf, dass bei einer der Katzen etwas falsch lÀuft.
Nicht jede Katze muss jedes typische Katzenverhalten zeigen.
Ist das Scharren eine Form von Markieren?
Bei Katzen können Pfoten und Kratzen durchaus in anderen ZusammenhÀngen mit Kommunikation und Geruchsmarkierung verbunden sein.
Beim Scharren rund um den Futternapf sollte man diese ErklĂ€rung jedoch nicht einfach ĂŒbertragen.
Das Bewegungsmuster Àhnelt deutlich eher dem Zuscharren beziehungsweise Abdecken.
Eine konkrete Funktion als territoriale Duftmarkierung am Futternapf ist fĂŒr dieses Verhalten nicht ĂŒberzeugend belegt.
Nicht jede Bewegung mit der Pfote ist automatisch Markierverhalten.
Hat das etwas mit dem Katzenklo zu tun?
Auf den ersten Blick sehen beide Bewegungen tatsÀchlich Àhnlich aus.
Eine Katze scharrt nach dem Toilettengang Substrat ĂŒber ihre Ausscheidungen.
Und manche Katzen machen eine sehr Àhnliche Bewegung neben ihrem Futter.
Daraus folgt jedoch nicht, dass die Katze ihr Futter fĂŒr âAbfallâ hĂ€lt oder es genauso bewertet wie Kot.
Das ist eine menschliche Interpretation, fĂŒr die es keinen guten Beleg gibt.
Ăhnliche BewegungsablĂ€ufe können in unterschiedlichen Verhaltenskontexten auftreten.
âMeine Katze will ihr Futter fĂŒr spĂ€ter aufhebenâ â stimmt das?
Möglich, aber nicht sicher.
Genau das ist eine der Stellen, an denen aus einer plausiblen biologischen ErklÀrung schnell eine vermeintlich bewiesene Katzenabsicht wird.
Caching bedeutet tatsĂ€chlich das Sichern beziehungsweise Aufbewahren von Nahrung fĂŒr eine spĂ€tere Nutzung.
Ein solches Verhalten ist bei verschiedenen Raubtieren und auch bei Katzenartigen dokumentiert.
Wir können daraus aber nicht automatisch schlieĂen, dass jede Hauskatze, die auf dem KĂŒchenboden scharrt, gedanklich gerade eine spĂ€tere Mahlzeit plant.
Die sauberste Aussage lautet deshalb:
Das Scharren kann mit einem Verhaltensmuster zum Abdecken oder Sichern von Futter zusammenhÀngen.
Was verrĂ€t mir das Verhalten dann ĂŒberhaupt?
Allein betrachtet erstaunlich wenig.
Und genau das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieses Themas.
Verhalten sollte möglichst im Zusammenhang betrachtet werden.
Eine Katze, die:
frisst â aufhört â scharrt â entspannt weggeht
zeigt eine ganz andere Situation als eine Katze, die:
hungrig zum Napf lĂ€uft â schnuppert â scharrt â nichts frisst â sich zurĂŒckzieht.
Die Pfotenbewegung kann gleich aussehen.
Der Rest der Geschichte ist völlig verschieden.
Ein kleines Beobachtungsschema
Wenn du verstehen möchtest, was bei deiner Katze rund um den Napf passiert, kannst du auf vier Dinge achten:
1. Wann scharrt sie?
- vor dem Fressen?
- wÀhrend einer Pause?
- nach dem Fressen?
2. Wie viel frisst sie?
- die normale Menge?
- deutlich weniger?
- gar nichts?
3. Wann tritt es auf?
- bei jedem Futter?
- nur bei bestimmten Sorten?
- nur bei groĂen Portionen?
- nur wenn andere Katzen in der NĂ€he sind?
4. Gibt es weitere VerÀnderungen?
- Erbrechen?
- Gewichtsverlust?
- RĂŒckzug?
- ungewohnte MĂŒdigkeit?
- auffÀlliges Kauen?
- verÀndertes Trinkverhalten?
Diese Informationen sind wesentlich hilfreicher als die Frage:
âWas bedeutet Scharren immer?â
Denn darauf gibt es keine einzige Antwort.
Wahr oder Miau?
âMeine Katze scharrt neben dem Napf, weil ihr das Futter nicht schmeckt.â
Miau.
Das kann im Einzelfall eine Rolle spielen, lÀsst sich aus dem Scharren allein aber nicht ableiten.
âDas Verhalten erinnert an das Abdecken beziehungsweise Verbergen von Nahrung.â
Wahr.
Es wird hÀufig als Food Covering beziehungsweise Caching beschrieben.
âKatzenartige verstecken tatsĂ€chlich manchmal Nahrung.â
Wahr.
Caching beziehungsweise das Abdecken von Beuteresten ist bei verschiedenen Feliden dokumentiert â auch bei der EuropĂ€ischen Wildkatze.
âWir wissen deshalb genau, was eine Hauskatze beim Scharren denkt.â
Miau.
Das beobachtbare Bewegungsmuster ist deutlich. Die individuelle Motivation ist wesentlich schwieriger zu bestimmen.
âEine Katze, die nach dem Fressen scharrt, ist automatisch krank.â
Miau.
Wenn sie normal frisst und sich ansonsten unauffÀllig verhÀlt, ist das Verhalten meist kein Grund zur Sorge.
âWenn sie plötzlich scharrt und gleichzeitig kaum noch frisst, sollte ich genauer hinschauen.â
Wahr.
Die Kombination mit einer verÀnderten Futteraufnahme ist wesentlich aussagekrÀftiger als das Scharren allein.
âEine Katze sollte fĂŒr das Scharren bestraft werden.â
Miau.
Es handelt sich nicht um Ungehorsam. Bestrafung kann vielmehr zusÀtzlichen Stress rund um den Futterplatz erzeugen.
Kurz & knapp
- Scharren neben dem Futternapf kommt bei vielen Katzen vor.
- Das Verhalten wird hÀufig als Food Covering oder Food Caching bezeichnet.
- Es erinnert an das Abdecken beziehungsweise Verbergen von Futterresten.
- Caching von Nahrung ist auch bei verschiedenen Katzenartigen dokumentiert.
- Die genaue Motivation einer einzelnen Hauskatze lÀsst sich aus der Scharrbewegung aber nicht sicher bestimmen.
- Scharren bedeutet nicht automatisch, dass der Katze das Futter nicht schmeckt.
- Viele Katzen scharren auch nach einer völlig normal gefressenen Mahlzeit.
- Bleiben regelmĂ€Ăig groĂe Portionen ĂŒbrig, können kleinere Mahlzeiten sinnvoll sein.
- Ăbrig gebliebenes Nassfutter sollte zeitnah entfernt werden.
- Ein ruhiger Futterplatz ist besonders in Mehrkatzenhaushalten wichtig.
- Mehrere Katzen sollten möglichst getrennte FutterplÀtze bekommen.
- Normales Scharren muss nicht unterbunden werden.
- Bestrafung ist nicht sinnvoll.
- Plötzlich verÀndertes Scharren zusammen mit Appetitverlust, Erbrechen, Schmerzen, Gewichtsverlust oder auffÀlligem Verhalten sollte abgeklÀrt werden.
- Frisst eine erwachsene Katze etwa 24 Stunden nicht richtig, sollte sie tierÀrztlich untersucht werden.
Nicht jede Pfotenbewegung ist eine Botschaft
Wir Menschen möchten Katzenverhalten gern ĂŒbersetzen.
Scharrt sie am Napf, soll es heiĂen:
âSchmeckt nicht.â
Legt sie sich auf die Zeitung, soll es heiĂen:
âBeachte mich.â
Miaut sie vor der TĂŒr, soll es heiĂen:
âIch will unbedingt auf die andere Seite.â
Manchmal stimmt unsere Interpretation.
Manchmal nur teilweise.
Und manchmal beobachten wir einfach ein Verhalten, dessen genaue Motivation wir nicht kennen.
Beim Scharren neben dem Futternapf ist deshalb die bessere Frage nicht:
âWas will sie mir damit sagen?â
Sondern:
âWie frisst sie insgesamt â und verhĂ€lt sie sich ansonsten wie immer?â
Denn eine einzelne Pfotenbewegung ist nur ein kleiner Ausschnitt.
Das gesamte Fressverhalten erzÀhlt wesentlich mehr.
Quellen & weiterfĂŒhrende Informationen
Cats Protection (2025): Why do cats try to cover their food? ErlÀuterungen zum sogenannten Food Covering beziehungsweise Food Caching sowie Hinweise zu kleineren Portionen, Futterresten und getrennten FutterplÀtzen im Mehrkatzenhaushalt.
Ruiz-Villar, H.; López-Bao, J. V.; Palomares, F. (2020): A small cat saving food for later: caching behavior in the European wildcat (Felis silvestris silvestris). European Journal of Wildlife Research, 66:76. Dokumentation eines Caching-Ereignisses bei einer EuropÀischen Wildkatze.
International Cat Care: Cat Carer Guide â Managing the cat that won’t eat. Informationen zu Appetitverlust, Ăbelkeit, Schmerzen, Futteraversionen und möglichen gesundheitlichen Ursachen einer verĂ€nderten Futteraufnahme.
International Cat Care: Empfehlungen zur Gestaltung von FutterplÀtzen und zur Verteilung von Ressourcen im Mehrkatzenhaushalt.
Cornell Feline Health Center: Anorexia. VeterinÀrmedizinische Informationen zu Appetitverlust bei Katzen und den Risiken einer lÀnger anhaltenden Nahrungsverweigerung.
VCA Animal Hospitals: Recognizing Signs of Illness in Cats. Hinweise zu VerÀnderungen von Appetit und Verhalten als mögliche Krankheitsanzeichen sowie zur zeitnahen tierÀrztlichen AbklÀrung, wenn eine Katze nicht ausreichend frisst.

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