Für manche Katzen ist Silvester kaum mehr als ein etwas lauterer Abend. Andere verschwinden schon beim ersten Knall unter dem Bett, verweigern Futter oder suchen hektisch nach einem sicheren Versteck.
Nicht jede Katze hat Angst vor Feuerwerk. Genau deshalb gibt es auch nicht die eine richtige Silvesterstrategie für alle Katzen.
Was fast immer sinnvoll ist: die Wohnung so vorzubereiten, dass die Katze selbst wählen kann, was ihr hilft.
Sie darf sich verstecken. Sie darf hoch oben sitzen. Sie darf spielen, wenn sie möchte. Und wenn sie ausgerechnet während des größten Feuerwerks Körperkontakt sucht, muss man sie auch nicht ignorieren.
Das Ziel ist nicht, jede Angst „wegzumachen“. Es geht darum, Sicherheit, Rückzug und möglichst viel Kontrolle über die eigene Situation zu ermöglichen.
Warum kann Feuerwerk für Katzen belastend sein?
Feuerwerk kombiniert gleich mehrere ungewöhnliche Reize:
- plötzliche und sehr laute Geräusche,
- unvorhersehbare Knallabstände,
- Lichtblitze,
- Vibrationen,
- ungewohnte Gerüche
- und häufig gleichzeitig veränderte Abläufe im Haushalt.
Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass die Belastung außerdem oft nicht erst um Mitternacht beginnt. Feuerwerkskörper werden vielerorts bereits Stunden oder sogar Tage vorher gezündet.
Auch Cats Protection, PDSA und RSPCA beschreiben Feuerwerk als möglichen Auslöser von Angst und Stress bei Katzen.
Das bedeutet aber ausdrücklich nicht:
„Jede Katze fürchtet Silvester.“
Individuelle Unterschiede können groß sein.
Woran erkenne ich, dass meine Katze Angst hat?
Angst sieht bei Katzen nicht immer spektakulär aus.
Eine Katze kann panisch durch die Wohnung laufen – sie kann aber ebenso still irgendwo sitzen und versuchen, möglichst unsichtbar zu werden.
Mögliche Reaktionen sind:
- Verstecken,
- geduckte Körperhaltung,
- große Pupillen,
- angelegte oder seitlich gedrehte Ohren,
- Unruhe oder rastloses Umherlaufen,
- Fluchtversuche,
- ungewohnt häufiges Miauen,
- Futterverweigerung,
- Unsauberkeit,
- Zittern
- oder auffällig reduziertes Verhalten.
Keines dieser Zeichen beweist allein eine Geräuschangst. Entscheidend ist immer der Zusammenhang.
Wenn das Verhalten plötzlich mit dem Beginn des Feuerwerks auftritt und nach dessen Ende wieder nachlässt, ist ein Zusammenhang allerdings sehr plausibel.
1. Rückzug anbieten – aber die Katze entscheiden lassen
Verstecken ist bei einer ängstlichen Katze nicht automatisch etwas, das verhindert werden muss.
Im Gegenteil: Ein geschützter Ort kann eine wichtige Bewältigungsstrategie sein.
Geeignete Rückzugsmöglichkeiten können beispielsweise sein:
- eine Katzenhöhle,
- ein Karton,
- ein Platz unter dem Bett,
- ein zugänglicher Schrank,
- ein sicherer Platz hinter dem Sofa,
- eine Höhle im Kratzbaum
- oder ein erhöhter, geschützter Liegeplatz.
Cats Protection weist darauf hin, dass manche Katzen sich bei Angst besonders gern erhöht zurückziehen.
Den Lieblingsplatz der Katze ernst nehmen
Wir Menschen bauen vielleicht liebevoll eine perfekte „Silvesterhöhle“ aus Karton, Decken und Kissen.
Und die Katze entscheidet sich trotzdem für die hinterste Ecke des Kleiderschranks.
Das ist völlig in Ordnung.
Ein angebotener Rückzugsort ist keine Pflichtunterkunft.
Wenn die Katze einen anderen sicheren Ort bevorzugt, darf sie diesen benutzen.
PDSA und Cats Protection empfehlen ausdrücklich, eine versteckte Katze nicht aus ihrem Versteck hervorzuholen.
Bitte nicht herauslocken, nur weil wir sie sehen möchten
Natürlich möchte man wissen, ob es der Katze gut geht.
Aber ständiges:
- unter das Bett greifen,
- sie hervorlocken,
- hochheben
- oder an einen vermeintlich besseren Platz tragen
kann ihr gerade die Kontrolle nehmen, die sie in diesem Moment benötigt.
Solange der Rückzugsort sicher ist, kann die Katze dort bleiben.
Und wenn sie ausgerechnet zu mir kommt?
Dann darfst du selbstverständlich für sie da sein.
Eine Katze muss bei Angst nicht demonstrativ ignoriert werden.
RSPCA empfiehlt, ruhig zu bleiben und Katzen Aufmerksamkeit beziehungsweise Nähe anzubieten, wenn sie diese selbst suchen.
Auch PDSA rät dazu, die Katze nicht zum Kontakt zu zwingen, sie aber ebenso wenig abzuweisen, wenn sie Nähe möchte.
Das entscheidende Wort lautet:
freiwillig.
Wenn deine Katze:
- auf deinen Schoß kommt,
- sich neben dich legt,
- Körperkontakt sucht
- oder gestreichelt werden möchte,
darf sie diese Sicherheit bekommen.
Geht sie wieder, lässt du sie gehen.
Du musst die Angst nicht „wegkuscheln“
Auch hier sind zwei Extreme wenig hilfreich.
Die Katze muss weder völlig ignoriert werden noch ständig festgehalten und beruhigt werden.
Hilfreicher ist:
ruhig bleiben, verfügbar sein und die Katze entscheiden lassen.
2. Lärm und Licht etwas abschirmen
Eine Wohnung lässt sich natürlich nicht vollständig schalldicht machen.
Aber die Intensität einiger Reize kann reduziert werden.
Cats Protection, PDSA, RSPCA und der Deutsche Tierschutzbund empfehlen unter anderem:
- Fenster geschlossen halten,
- Vorhänge beziehungsweise Rollläden schließen,
- plötzliche Lichtblitze möglichst abschirmen
- und gleichmäßige Hintergrundgeräusche zu nutzen.
Radio oder Musik können Außengeräusche teilweise überdecken
Ein gewohntes Radio, Musik oder der Fernseher können helfen, den Kontrast zwischen einer stillen Wohnung und einem plötzlichen Knall etwas zu reduzieren.
Das bedeutet nicht, dass das Feuerwerk dadurch verschwindet.
Aber Hintergrundgeräusche können einzelne Geräuschspitzen etwas weniger auffällig machen.
Die Lautstärke sollte dabei angenehm bleiben.
Die Lösung ist nicht, draußen mit einem noch lauteren Fernseher übertönen zu wollen.
Bitte nicht ausgerechnet Feuerwerk im Fernsehen einschalten
Wenn Hintergrundgeräusche genutzt werden, sollte das Programm möglichst gleichmäßig und vertraut sein.
Cats Protection empfiehlt ausdrücklich, Sendungen mit plötzlich auftretenden lauten Geräuschen zu vermeiden.
Ein Silvesterprogramm mit Feuerwerksübertragung wäre deshalb für eine geräuschempfindliche Katze eine eher unglückliche Wahl.
Ein ruhiges Radioprogramm oder bereits bekannte Musik ist sinnvoller.
Lichtblitze ebenfalls reduzieren
Auch Feuerwerksblitze können Katzen erschrecken.
Vorhänge, Jalousien oder Rollläden können sie deutlich abschwächen.
Eine normale Innenbeleuchtung kann zusätzlich verhindern, dass jeder Lichtblitz draußen einen maximalen Hell-Dunkel-Kontrast erzeugt.
Die Wohnung rechtzeitig vorbereiten
Feuerwerk beginnt häufig nicht erst um 0 Uhr.
Deshalb sollte man nicht um 23:55 Uhr anfangen, Rückzugsorte zu bauen und sämtliche Vorhänge zu schließen.
Besser ist:
- Verstecke schon vorher zugänglich machen,
- Fenster und Türen rechtzeitig sichern,
- Rollläden beziehungsweise Vorhänge frühzeitig schließen,
- Wasser, Futter und Katzenklos gut erreichbar lassen
- und den Abend möglichst ruhig beginnen.
Auch eine Wohnungskatze kann an Silvester entkommen
Eine reine Wohnungskatze ist zwar nicht draußen unterwegs, aber gerade an Silvester können ungewöhnliche Situationen entstehen.
Beispielsweise:
- Gäste kommen und gehen,
- die Haustür steht kurz offen,
- Fenster werden geöffnet,
- jemand geht auf den Balkon
- oder eine erschrockene Katze versucht plötzlich zu fliehen.
Deshalb sollten Türen, Fenster und gegebenenfalls Balkonzugänge besonders sorgfältig kontrolliert werden.
Auch bei Wohnungskatzen ist ein registrierter Mikrochip sinnvoll, falls sie trotz aller Vorsicht einmal entkommen.
3. Möglichst viel Alltag beibehalten
Silvester ist für Menschen ein besonderer Tag.
Für die Katze muss er das nicht sein.
Vertraute Abläufe können Sicherheit vermitteln.
Wenn möglich, können deshalb:
- Fütterungszeiten,
- Spielzeiten,
- Ruhephasen,
- gewohnte Schlafplätze
- und normale Interaktionen
ähnlich wie sonst stattfinden.
RSPCA empfiehlt ausdrücklich, während des Feuerwerks möglichst normal und ruhig zu handeln.
Wenn sie spielen möchte: spielen
Manche Katzen lassen sich trotz Feuerwerk problemlos auf ein Spiel ein.
Dann spricht nichts dagegen.
Ein vertrautes Angelspiel, Futtersuchspiel oder anderes Lieblingsspiel kann Beschäftigung bieten.
Der Deutsche Tierschutzbund nennt Such- und Beschäftigungsspiele ebenfalls als mögliche Ablenkung.
Aber:
Eine ängstliche Katze muss nicht „abgelenkt“ werden.
Wenn sie lieber unter dem Bett liegt, ist das genauso legitim.
Wenn sie frisst: gut. Wenn nicht: nicht drängen
Starke Aufregung kann vorübergehend den Appetit reduzieren.
Man kann normales Futter oder ein beliebtes Leckerli anbieten.
Eine Katze sollte aber nicht aus ihrem Versteck gelockt werden müssen, nur damit sie „zur Beruhigung“ frisst.
Hält Futterverweigerung nach Ende der belastenden Situation ungewöhnlich lange an oder kommen weitere Beschwerden hinzu, sollte die Ursache tierärztlich abgeklärt werden.
Die Katze bestimmt die Strategie
Eine Katze kann:
- schlafen,
- spielen,
- fressen,
- beobachten,
- unter einer Decke liegen,
- auf einem Schrank sitzen
- oder Körperkontakt suchen.
Solange die gewählte Strategie sicher ist, muss man sie nicht korrigieren.
Mehrkatzenhaushalt: Nicht alle reagieren gleich
In einem Haushalt mit mehreren Katzen kann Silvester besonders interessant werden.
Eine Katze liegt vielleicht entspannt auf dem Sofa, während eine andere beim ersten Knall verschwindet.
Auch eng miteinander verbundene Katzen müssen nicht gleich reagieren.
Wichtig sind deshalb ausreichend getrennte Ressourcen.
Dazu gehören insbesondere:
- mehrere Verstecke,
- mehrere erhöhte Plätze,
- zugängliches Wasser,
- ausreichend Katzenklos
- und freie Laufwege.
Eine ängstliche Katze sollte nicht gezwungen sein, dicht an einer anderen Katze vorbeizugehen, um ihr Katzenklo oder einen sicheren Rückzugsort zu erreichen.
Angst kann auch zu Spannungen zwischen Katzen führen
Hohe Erregung kann Verhalten verändern.
Eine Katze kann beispielsweise:
- einen Artgenossen anfauchen,
- mehr Abstand suchen,
- einen Bereich verteidigen
- oder ungewohnt reizbar reagieren.
Das muss nicht bedeuten, dass sich die Katzen plötzlich „nicht mehr mögen“.
Wenn möglich, sollte man ihnen ausreichend Raum geben, statt sie in der angespannten Situation bewusst zusammenzubringen.
4. Starke Angst sollte frühzeitig ernst genommen werden
Wenn eine Katze jedes Jahr nur kurz aufmerksam auf einen Knall reagiert und anschließend weiterschläft, besteht wahrscheinlich wenig Handlungsbedarf.
Ganz anders sieht es aus, wenn sie:
- stundenlang panisch ist,
- heftig zu fliehen versucht,
- sich verletzt,
- zittert,
- stark speichelt,
- gar nicht mehr ansprechbar wirkt,
- über längere Zeit nicht frisst
- oder sich noch lange nach dem Feuerwerk nicht erholt.
Dann sollte das nicht Jahr für Jahr einfach als unvermeidliches Silvesterproblem hingenommen werden.
Starke Geräuschangst ist ein berechtigter Grund, frühzeitig mit der Tierarztpraxis zu sprechen.
Warum „frühzeitig“ wichtig ist
Eine gute Vorbereitung auf Silvester beginnt nicht am 31. Dezember.
Je nach Ausprägung können verschiedene Strategien infrage kommen:
- Anpassung der Umgebung,
- Verhaltenstraining,
- Desensibilisierung und Gegenkonditionierung,
- unterstützende Produkte
- oder bei starker Angst tierärztlich verordnete Medikamente.
Welche Kombination sinnvoll ist, hängt von der individuellen Katze ab.
Geräuschtraining gehört nicht in die Silvesternacht
Desensibilisierung bedeutet, einen angstauslösenden Reiz in so geringer Intensität zu präsentieren, dass die Katze noch entspannt bleiben kann.
Bei Feuerwerksgeräuschen kann das beispielsweise mit sehr leise abgespielten Aufnahmen beginnen.
PDSA beschreibt ein schrittweises Vorgehen:
- mit sehr niedriger Lautstärke starten,
- auf kleinste Stressanzeichen achten,
- nur erhöhen, wenn die Katze völlig entspannt bleibt
- und den Reiz mit positiven Erfahrungen verbinden.
Dieser Prozess kann Wochen oder Monate dauern.
Am Silvesterabend plötzlich Feuerwerksgeräusche abzuspielen, um die Katze daran zu „gewöhnen“, ist keine sinnvolle Desensibilisierung.
Ist die Katze bereits ängstlich, wird die Belastung dadurch nur erhöht.
Keine Überflutung mit Angst auslösenden Reizen
Nach dem Motto:
„Sie muss merken, dass nichts passiert.“
eine ängstliche Katze starken Feuerwerksgeräuschen auszusetzen, ist keine gute Trainingsmethode.
Training funktioniert nur unterhalb der Schwelle, an der die Katze deutlich Angst bekommt.
Zeigt sie Stress, war der Reiz bereits zu stark.
Was ist mit Medikamenten?
Bei ausgeprägter Angst können Medikamente ein sinnvoller Bestandteil des Behandlungsplans sein.
Das ist kein „Versagen“ der Haltung und auch keine unnötige Bequemlichkeit.
Starke Angst ist selbst eine Belastung.
Welche Medikamente für eine bestimmte Katze geeignet sind, hängt unter anderem ab von:
- Alter,
- Gesundheitszustand,
- anderen Medikamenten,
- Art und Stärke der Angst
- und dem erwartbaren zeitlichen Verlauf der Belastung.
Deshalb gehört diese Entscheidung in tierärztliche Hände.
Beruhigung und reine Sedierung sind nicht automatisch dasselbe
Ein Tier kann äußerlich ruhiger wirken, ohne dass seine Angst im selben Maß verschwunden ist.
Bei schwerer Geräuschangst ist deshalb nicht einfach das Ziel, die Katze bewegungsärmer zu machen.
Die Behandlung sollte auf die Angst beziehungsweise Erregung selbst abgestimmt werden.
Welche Präparate dafür infrage kommen, entscheidet die Tierarztpraxis.
Medikamente möglichst nicht zum ersten Mal mitten im Feuerwerk ausprobieren
Wenn für eine bekannte schwere Geräuschangst eine medikamentöse Unterstützung geplant wird, sollte die Tierarztpraxis möglichst vor Silvester einbezogen werden.
Je nach Präparat kann es sinnvoll sein, Wirkung und Verträglichkeit vorher zu kennen und den Zeitpunkt der Gabe so zu planen, dass das Medikament bereits wirkt, bevor die stärkste Angst entstanden ist.
Niemals eigenständig Medikamente aus der menschlichen Hausapotheke geben.
Auch pflanzliche oder frei verkäufliche „Beruhigungsmittel“ können Nebenwirkungen oder Wechselwirkungen haben.
Pheromon-Diffuser: können sie helfen?
Pheromonprodukte werden häufig für Stresssituationen bei Katzen empfohlen.
PDSA, RSPCA und Cats Protection nennen sie auch im Zusammenhang mit Feuerwerk.
Wissenschaftlich ist das Bild allerdings differenzierter.
Studien zu synthetischen felinen Gesichtspheromon-Analoga zeigen bei einigen Stresssituationen positive Effekte, andere Untersuchungen finden keinen oder nur begrenzten Unterschied.
Eine kritische Evidenzübersicht von 2023 kam zu dem Ergebnis, dass solche Produkte bei manchen akuten Stresssituationen hilfreich sein können, aber nicht als alleinige Stressbehandlung betrachtet werden sollten.
Ein Pheromon-Diffuser kann also einen Versuch wert sein – eine Garantie gegen Silvesterangst ist er nicht.
Bei schwerer Panik sollte er eine tierärztliche Beratung nicht ersetzen.
Warum sollte man einen Diffuser vorher einsetzen?
Organisationen wie PDSA und Cats Protection empfehlen, einen Diffuser bereits vor der Feuerwerkszeit einzusetzen.
Das ist sinnvoller, als ihn erst einzustecken, wenn die Katze bereits in Panik geraten ist.
Auch hier gilt aber:
Wenn er bei der individuellen Katze keinen erkennbaren Unterschied macht, bedeutet das nicht, dass man nur „mehr davon“ verwenden müsste.
Muss ich selbst vollkommen gelassen sein?
Natürlich bemerken Katzen menschliches Verhalten.
Man muss aber auch keine perfekte Schauspielerin oder kein perfekter Schauspieler sein.
Hilfreich ist ein ruhiger, vorhersehbarer Umgang:
- nicht hektisch werden,
- nicht ständig nach der Katze greifen,
- nicht schimpfen,
- normale Bewegungen beibehalten
- und verfügbar sein, wenn sie Kontakt sucht.
Die Katze braucht keine große Show, dass „alles total normal“ sei.
Sie braucht vor allem eine sichere Umgebung.
Angst niemals bestrafen
Eine Katze entscheidet nicht bewusst:
„Heute benehme ich mich besonders ängstlich.“
Verstecken, Unruhe, Fluchtversuche oder Unsauberkeit in einer starken Stresssituation sind kein Ungehorsam.
Schimpfen oder Strafen kann die Situation zusätzlich negativ aufladen.
Angst braucht Management und gegebenenfalls Behandlung – keine Strafe.
Was ist mit speziellen Beruhigungsdecken oder Druckwesten?
Produkte, die durch Druck auf den Körper beruhigen sollen, werden vor allem bei Hunden vermarktet und manchmal auch für Katzen angeboten.
Für Katzen ist die Datenlage dazu begrenzt.
Außerdem empfinden viele Katzen Kleidung oder ungewohnten Druck am Körper selbst als unangenehm.
Ein solches Produkt sollte deshalb nicht spontan einer ohnehin verängstigten Katze angezogen werden.
Wenn eine Katze solche Hilfsmittel nicht bereits freiwillig und entspannt kennt, ist Silvester kein guter Zeitpunkt für Experimente.
Was ist nach dem Feuerwerk?
Wenn draußen wieder Ruhe eingekehrt ist, braucht nicht jede Katze sofort wieder ihren normalen Zustand zu erreichen.
Manche kommen innerhalb weniger Minuten hervor.
Andere brauchen länger.
Auch hier gilt:
- nicht herausziehen,
- Ruhe geben,
- Wasser und Katzenklo erreichbar halten,
- Futter anbieten
- und normale Abläufe wieder aufnehmen.
Bleibt eine Katze ungewöhnlich lange stark verändert, frisst sie nicht, verletzt sie sich bei einem Fluchtversuch oder treten körperliche Beschwerden auf, sollte sie tierärztlich untersucht werden.
Silvester endet nicht immer am 1. Januar
Der Deutsche Tierschutzbund weist darauf hin, dass Feuerwerkskörper oft auch in den Tagen vor und nach Silvester gezündet werden.
Rückzugsorte und andere Schutzmaßnahmen sollten deshalb nicht direkt am Morgen des 1. Januar wieder verschwinden.
Gerade einer ängstlichen Katze kann es helfen, wenn ihre gewählten sicheren Plätze noch einige Tage verfügbar bleiben.
Ein einfacher Silvester-Plan für Wohnungskatzen
Wer nicht erst am Abend überlegen möchte, kann die wichtigsten Punkte vorher vorbereiten:
- mehrere bekannte und sichere Rückzugsorte zugänglich machen,
- Fenster, Türen und Balkon sichern,
- Vorhänge beziehungsweise Rollläden rechtzeitig schließen,
- Katzenklos, Wasser und Futter gut erreichbar halten,
- vertraute Hintergrundgeräusche nutzen,
- normale Routinen möglichst beibehalten,
- bei mehreren Katzen genügend getrennte Plätze anbieten,
- die Katze weder aus einem Versteck holen noch zum Spielen zwingen,
- Kontakt anbieten, wenn sie ihn sucht
- und bei bekannter starker Angst rechtzeitig vor Silvester tierärztliche Hilfe planen.
Kurz & knapp
- Nicht jede Katze hat Angst vor Feuerwerk.
- Verstecken ist eine normale mögliche Bewältigungsstrategie und sollte nicht verhindert werden.
- Rückzugsorte besser anbieten als einen bestimmten Platz aufzwingen.
- Sucht die Katze freiwillig menschliche Nähe, darf sie diese bekommen.
- Fenster schließen sowie Vorhänge oder Rollläden können Knall und Lichtblitze etwas abschwächen.
- Vertraute Musik, Radio oder andere gleichmäßige Hintergrundgeräusche können Außengeräusche teilweise maskieren.
- Sendungen mit plötzlich lauten Geräuschen oder Feuerwerk besser vermeiden.
- Fütterung, Spiel und vertraute Routinen möglichst normal lassen.
- Eine Katze muss sich nicht ablenken lassen – verstecken darf genauso ihre Strategie sein.
- Geräuschtraining muss langsam und lange vor Silvester aufgebaut werden.
- Starke oder wiederkehrende Panik sollte tierärztlich besprochen werden.
- Medikamente und Beruhigungsmittel niemals auf eigene Faust geben.
- Pheromon-Diffuser können bei einzelnen Katzen unterstützend wirken, ihre Wirksamkeit ist aber nicht garantiert.
Sicherheit bedeutet nicht, dass deine Katze keine Angst haben darf
Vielleicht liegt sie um Mitternacht unter dem Bett.
Vielleicht sitzt sie auf dem Schrank.
Vielleicht möchte sie mit dir auf dem Sofa liegen.
Und vielleicht verschläft sie das Feuerwerk einfach.
Keine dieser Reaktionen muss „korrigiert“ werden.
Eine gute Silvesterstrategie gibt der Katze nicht vor, wie sie mit der Situation umgehen soll.
Sie sorgt dafür, dass ihr verschiedene sichere Möglichkeiten offenstehen.
Du musst die Angst deiner Katze nicht wegmachen. Du kannst aber dafür sorgen, dass sie Rückzug, vertraute Orte und möglichst viel eigene Entscheidung behält.
Quellen & weiterführende Informationen
- Deutscher Tierschutzbund: Silvester mit Haustieren – So schützen Sie Tiere an Silvester – Hinweise zu Lärm und Licht, Verstecken, Beschäftigung, Radio beziehungsweise Fernsehen und zur Tatsache, dass Feuerwerk häufig auch an den Tagen rund um Silvester gezündet wird.
- PDSA: Cats and Fireworks – ausführliche Empfehlungen zu Rückzugsorten, geschlossenen Fenstern und Vorhängen, Hintergrundgeräuschen, Verhaltenstraining, Pheromonen und tierärztlicher Unterstützung bei stärkerer Geräuschangst.
- RSPCA: Keeping dogs, cats and other small pets safe during fireworks – Empfehlungen zu sicheren Verstecken, Rückzug, Licht- und Lärmreduktion, ruhigem menschlichem Verhalten sowie Kontakt, wenn die Katze diesen selbst sucht.
- Cats Protection: Cats and Fireworks – Informationen zu Geräuschangst, erhöhten und geschützten Rückzugsplätzen, Vorhängen beziehungsweise Rollläden, Radio oder Fernsehen und Pheromonprodukten.
- Cats Protection: Cats Hiding – Einordnung des Versteckens als mögliche Bewältigungsstrategie bei Stress; Empfehlung, Katzen nicht aus einem sicheren Versteck hervorzuholen.
- VCA Animal Hospitals: Start preparing your cat for thunderstorms and fireworks now – tierärztliche Informationen zu längerfristiger Desensibilisierung und Gegenkonditionierung sowie zur tierärztlichen Behandlung ausgeprägter Geräuschangst.
- Taylor S et al. / Veterinary Evidence (2023): Effectiveness of F3 feline facial pheromone analogue for acute stress reduction within clinical veterinary practice – kritische Bewertung mehrerer kontrollierter Studien; Hinweise auf mögliche Effekte in einzelnen Situationen, aber keine Empfehlung als alleinige Maßnahme zur Stressreduktion.
- Shu H, Gu X (2022): „Effect of a synthetic feline facial pheromone product on stress during transport in domestic cats: a randomised controlled pilot study“, Journal of Feline Medicine and Surgery, 24(8), 691–699. DOI: 10.1177/1098612X211041305 – kontrollierte Pilotstudie mit Hinweisen auf eine Reduktion einzelner stressassoziierter Verhaltensweisen durch ein synthetisches Gesichtspheromon.

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