Bei Kitten taucht die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt für die Kastration oft erstaunlich früh auf – und genau das ist sinnvoll.
Denn Katzen können bereits im Alter von wenigen Monaten geschlechtsreif werden. Wer wartet, bis eine Kätzin zum ersten Mal rollig wird oder ein Kater beginnt zu markieren, kann deshalb bereits zu spät dran sein.
Für viele gesunde Kitten ist eine Kastration ungefähr im 4. bis 5. Lebensmonat eine gute Orientierung – möglichst bevor die Geschlechtsreife einsetzt. Der konkrete Termin sollte aber immer individuell mit der Tierarztpraxis festgelegt werden.
Wann werden Katzen geschlechtsreif?
Der genaue Zeitpunkt unterscheidet sich von Katze zu Katze.
Einige Katzen können bereits ungefähr ab dem 4. bis 5. Lebensmonat fortpflanzungsfähig werden. Bei anderen dauert es länger.
Einfluss haben unter anderem:
- individuelle Entwicklung,
- Körpergewicht und Ernährungszustand,
- Rasse beziehungsweise genetische Veranlagung,
- Jahreszeit und Lichtverhältnisse,
- und der allgemeine Gesundheitszustand.
Genau deshalb ist es keine gute Strategie, einfach abzuwarten, bis erste eindeutige Anzeichen auftreten.
Eine gute Orientierung: etwa 4 bis 5 Monate
Für viele gesunde, privat gehaltene Kitten kann eine Kastration ungefähr im Alter von vier bis fünf Monaten sinnvoll sein.
Das Ziel ist dabei häufig, vor Eintritt der Geschlechtsreife zu kastrieren.
Der Termin ist aber keine starre Altersgrenze. Eine Tierärztin oder ein Tierarzt berücksichtigt zusätzlich die körperliche Entwicklung des einzelnen Kittens.
Je nach Tier kann die Operation deshalb etwas früher oder später stattfinden.
Muss eine Katze zuerst einmal rollig gewesen sein?
Nein.
Eine Kätzin muss weder einmal rollig gewesen sein noch einmal Junge bekommen haben, bevor sie kastriert werden kann.
Für einen gesundheitlichen Vorteil durch eine vorherige Rolligkeit oder einen Wurf gibt es keinen Grund.
Im Gegenteil: Wer bewusst bis zur ersten Rolligkeit wartet, riskiert, dass die Katze bereits fortpflanzungsfähig ist.
Bei Freigängerinnen oder in Haushalten mit unkastrierten Katern kann dadurch sehr schnell eine ungeplante Trächtigkeit entstehen.
Auch beim Kater nicht auf Markieren warten
Bei Katern hält sich ebenfalls die Vorstellung, man solle erst kastrieren, wenn typische Verhaltensweisen wie Markieren, Streunen oder starkes Sexualverhalten beginnen.
Das ist nicht notwendig.
Auch männliche Katzen können bereits jung fortpflanzungsfähig werden.
Markieren ist deshalb kein Startsignal für die Kastration.
Beginnt ein Kater erst einmal regelmäßig zu markieren oder weit nach Paarungspartnerinnen zu suchen, können sich einzelne Verhaltensweisen außerdem bereits gefestigt haben.
Was bedeutet Frühkastration?
Von Frühkastration spricht man meist, wenn Kitten deutlich vor dem traditionell häufig gewählten Alter von etwa sechs Monaten kastriert werden.
Im Tierschutz werden Kitten teilweise bereits im Alter von ungefähr 8 bis 12 Wochen kastriert, sofern sie gesund sind, ausreichend entwickelt sind und geeignete tierärztliche Bedingungen vorhanden sind.
Studien zeigen, dass eine solche frühe Kastration bei geeigneten Tieren sicher durchgeführt werden kann.
Sehr junge Kitten stellen allerdings besondere Anforderungen an:
- Narkose und Überwachung,
- Wärmemanagement,
- Flüssigkeits- und Blutzuckerhaushalt,
- und die Operationstechnik.
Deshalb gehört eine Frühkastration in erfahrene tierärztliche Hände.
Ist Frühkastration grundsätzlich gefährlich?
So pauschal lässt sich das nicht sagen.
Die Aussage, eine Kastration in jungem Alter sei grundsätzlich gefährlich, ist zu undifferenziert.
Unter geeigneten Bedingungen und bei einem gesunden, passend entwickelten Kitten kann eine frühe Kastration sicher durchgeführt werden.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jedes acht oder zehn Wochen alte Kitten automatisch operiert werden sollte.
Der geeignete Zeitpunkt hängt immer vom einzelnen Tier, seiner Lebenssituation und der tierärztlichen Einschätzung ab.
Kätzin kastrieren – Kater kastrieren
Umgangssprachlich werden die Begriffe Kastration und Sterilisation manchmal durcheinandergebracht.
Bei einer Kastration werden die Keimdrüsen entfernt:
- bei der Kätzin die Eierstöcke,
- beim Kater die Hoden.
Dadurch wird nicht nur die Fortpflanzungsfähigkeit unterbunden, sondern auch die Bildung der entsprechenden Sexualhormone deutlich verändert.
Bei einer Sterilisation würden dagegen lediglich Ei- beziehungsweise Samenleiter unterbrochen. Die hormonelle Aktivität bliebe erhalten.
Bei Katzen wird deshalb in der Regel kastriert und nicht lediglich sterilisiert.
Warum rechtzeitige Kastration gerade bei Freigängern wichtig ist
Eine unkastrierte Katze kann sich draußen mit anderen unkastrierten Katzen paaren, noch bevor ihre Menschen überhaupt bemerkt haben, dass sie geschlechtsreif ist.
Bei Katern kommen zusätzlich häufig größere Streifgebiete, Auseinandersetzungen mit anderen Katern und die Suche nach paarungsbereiten Katzen hinzu.
Wer Freigang plant, sollte die Kastration deshalb rechtzeitig vor dem ersten unbeaufsichtigten Freigang mit der Tierarztpraxis besprechen.
Der individuelle Termin zählt
Alter allein entscheidet nicht darüber, wann ein Kitten operiert werden sollte.
Eine Tierärztin oder ein Tierarzt berücksichtigt unter anderem:
- den allgemeinen Gesundheitszustand,
- Entwicklung und Körpergewicht,
- mögliche Erkrankungen,
- die bisherige Entwicklung des Kittens,
- seine Lebenssituation,
- und die Erfahrung der Praxis mit jungen Katzen.
Darum sollte der konkrete Operationstermin immer individuell abgesprochen werden.
Kurz & knapp
Für viele gesunde Kitten ist der 4. bis 5. Lebensmonat eine gute Orientierung für die Kastration – möglichst vor Eintritt der Geschlechtsreife.
Eine Kätzin muss weder vorher rollig gewesen sein noch einmal Junge bekommen haben.
Beim Kater sollte man ebenfalls nicht erst auf Markieren oder Streunen warten.
Eine Frühkastration in jüngerem Alter ist unter geeigneten Bedingungen möglich, sollte aber von einer entsprechend erfahrenen Tierarztpraxis durchgeführt werden.
Nicht auf die erste Rolligkeit oder das erste Markieren warten, sondern die Kastration rechtzeitig planen.
Am besten frühzeitig ansprechen
Der sinnvollste Zeitpunkt, über die Kastration nachzudenken, ist nicht erst dann, wenn das Kitten plötzlich erwachsen wirkt.
Schon bei den ersten Tierarztbesuchen kann man besprechen, wann der Eingriff für genau dieses Tier geplant werden sollte.
So bleibt genug Zeit, den Termin passend zur Entwicklung des Kittens festzulegen – ohne später von der ersten Rolligkeit oder einem plötzlich markierenden Jungkater überrascht zu werden.
Quellen & weiterführende Informationen
Für diesen Beitrag wurden unter anderem folgende Quellen und Fachinformationen herangezogen:
- Deutscher Tierschutzbund: Informationen zur Kastration von Katzen und zur Geschlechtsreife.
- Feline Veterinary Medical Association (ehemals AAFP): Position Statement „Pediatric Sterilization in Cats“ – Empfehlung zur Kastration nicht zur Zucht bestimmter Katzen bis zum Alter von fünf Monaten.
- Cats Protection: Informationen zur Kastration von Kitten und zur Kastration ab etwa vier Monaten.
- Howe LM et al. (2000): „Long-term outcome of gonadectomy performed at an early age or traditional age in cats“, Journal of the American Veterinary Medical Association, 217(11), 1661–1665.
- Spain CV, Scarlett JM, Houpt KA (2004): „Long-term risks and benefits of early-age gonadectomy in cats“, Journal of the American Veterinary Medical Association, 224(3), 372–379.
- Porters N et al. (2014): „Prepubertal gonadectomy in cats: different surgical techniques and comparison with gonadectomy at traditional age“, Veterinary Record, 175, 223.
Der geeignete Zeitpunkt für die Kastration sollte immer individuell mit der behandelnden Tierarztpraxis abgestimmt werden.

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