„Katzenerziehung ist ganz einfach: Nach zwei Wochen machst du, was sie will.“
Der Spruch ist natürlich ein Scherz – und die „zwei Wochen“ sind keine wissenschaftliche Zeitangabe. Trotzdem steckt darin erstaunlich viel Lernpsychologie. Denn Katzen lernen nicht nur dann, wenn wir bewusst mit ihnen trainieren. Sie lernen im Alltag ständig aus den Folgen ihres eigenen Verhaltens: Öffnet sich nach einem Miauen die Tür? Gibt es nach dem Sprung auf den Küchentisch Aufmerksamkeit? Taucht beim Kratzen am Sofa plötzlich ein Mensch auf?
Und genau hier wird es spannend: Auch wir Menschen verändern unser Verhalten aufgrund seiner Folgen. Wenn wir die Tür öffnen, damit das Miauen endlich aufhört, kann sich nicht nur das Verhalten der Katze verändern – sondern auch unseres. Das bedeutet allerdings nicht, dass Katzen uns bewusst „erziehen“, manipulieren oder einen Trainingsplan verfolgen. Es bedeutet lediglich, dass auf beiden Seiten Lernprozesse stattfinden können. [1] [2]
Was bedeutet operantes Lernen überhaupt?
Beim operanten Lernen – auch operante oder instrumentelle Konditionierung genannt – wird ein Verhalten mit seinen Folgen verknüpft. Vereinfacht gesagt:
Verhalten → Konsequenz → verändert sich die Wahrscheinlichkeit des Verhaltens?
Folgt auf ein Verhalten etwas, das für die Katze einen Wert hat, kann dieses Verhalten zukünftig häufiger auftreten. Entscheidend ist dabei nicht, was wir für eine Belohnung halten, sondern ob die Konsequenz das Verhalten tatsächlich verstärkt. Genau das ist die fachliche Bedeutung eines Verstärkers. [1] [2]
Ein Stück Futter kann für die eine Katze ein hervorragender Verstärker sein und für eine andere in diesem Moment völlig uninteressant. Auch Spiel, Zugang zu einem bestimmten Raum, menschliche Aufmerksamkeit, Streicheln oder andere angenehme Aktivitäten können verstärkend wirken. Untersuchungen zu den Vorlieben von Katzen zeigen deutlich, dass es große individuelle Unterschiede gibt. In einer Studie von Vitale Shreve und Kollegen gehörten soziale Interaktion mit Menschen und Futter bei vielen Katzen zu den bevorzugten Reizen – aber längst nicht bei allen in gleicher Weise. [4]
Das ist ein wichtiger Punkt: Eine Konsequenz ist nicht deshalb ein Verstärker, weil wir sie als Belohnung geplant haben. Sie ist erst dann ein Verstärker, wenn das vorausgehende Verhalten anschließend häufiger gezeigt wird.
Positive Verstärkung: Etwas Angenehmes kommt hinzu
Bei der positiven Verstärkung wird nach einem Verhalten etwas hinzugefügt, das die Katze als angenehm oder erstrebenswert erlebt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie dieses Verhalten erneut zeigt. „Positiv“ bedeutet hier lediglich hinzufügen – nicht „moralisch gut“.
Ein klassisches Beispiel wäre: Die Katze setzt sich ruhig vor ihren Futternapf und bekommt daraufhin ihr Futter. Wird ruhiges Sitzen dadurch häufiger, wurde dieses Verhalten positiv verstärkt.
Dass Katzen auf diese Weise trainiert werden können, ist nicht nur Theorie. In einer kleinen Pilotstudie von Willson und Kollegen konnten Katzen beispielsweise lernen, mit der Nase ein Ziel zu berühren. Die Studie war mit nur wenigen Tieren sehr klein und erlaubt deshalb keine weitreichenden Aussagen darüber, welche Trainingsmethode bei allen Katzen am besten funktioniert. Sie zeigt aber, dass gezieltes Training über positive Verstärkung bei Katzen grundsätzlich möglich ist. [3]
Die Feline Veterinary Medical Association empfiehlt belohnungsbasiertes Training ausdrücklich und weist darauf hin, dass die Belohnung zur jeweiligen Katze passen und zeitlich eng auf das gewünschte Verhalten folgen sollte. [1]
Warum das Timing so wichtig ist
Katzen können nur dann zuverlässig lernen, welches Verhalten sich gerade gelohnt hat, wenn die Konsequenz zeitlich möglichst gut dazu passt. Wird beispielsweise ruhiges Sitzen belohnt, sollte die Belohnung direkt auf dieses Verhalten folgen. [1]
Das klingt banal, ist im Alltag aber eine häufige Fehlerquelle.
Stell dir vor, eine Katze miaut vor der Küchentür. Irgendwann wird sie für einen kurzen Moment still. Der Mensch steht auf, läuft zur Tür – die Katze beginnt auf dem Weg dorthin erneut zu miauen – und dann wird geöffnet. Aus menschlicher Sicht wollte man vielleicht die ruhige Sekunde belohnen. Aus Sicht der tatsächlich ablaufenden Lernkontingenz lag die Türöffnung jedoch näher am erneuten Miauen.
Für präzises Training können deshalb sogenannte Markierungssignale hilfreich sein. Ein Clicker oder ein zuvor aufgebautes kurzes Wort kann den exakten Moment markieren, in dem das gewünschte Verhalten gezeigt wurde. Das Signal selbst muss dafür zunächst zuverlässig mit einer echten Belohnung verknüpft werden. [1]
Und plötzlich trainieren sich Katze und Mensch gegenseitig
Jetzt kommen wir zu dem Teil, aus dem der eingangs erwähnte Spruch entstanden ist.
Angenommen, eine Katze sitzt vor einer Tür und miaut.
Der Mensch öffnet die Tür.
Für die Katze kann dadurch folgende Verbindung entstehen:
Miauen → Tür öffnet sich → Zugang zum gewünschten Bereich.
Wenn das Miauen anschließend häufiger eingesetzt wird, hat das Öffnen der Tür dieses Verhalten verstärkt. Der Zugang hinter die Tür ist in diesem Beispiel der Verstärker. Ein sehr ähnliches Tür-Beispiel wird auch in der veterinärmedizinischen Fachliteratur zur Erklärung operanter Konditionierung verwendet. [2]
Aber auch auf der anderen Seite kann etwas passieren:
Der Mensch hört das anhaltende Miauen, öffnet die Tür – und das Geräusch hört auf. Wenn der Mensch beim nächsten Mal deshalb schneller die Tür öffnet, wurde auch sein Verhalten durch seine Konsequenz beeinflusst.
In der Lernpsychologie kann das als negative Verstärkung beschrieben werden: Ein unangenehmer Reiz verschwindet nach einem Verhalten, wodurch dieses Verhalten häufiger wird. „Negativ“ bedeutet auch hier nicht „schlecht“, sondern etwas wird entfernt. [2]
So kann sich eine kleine Rückkopplung entwickeln:
Die Katze miaut häufiger, weil Türen sich dadurch manchmal öffnen. Der Mensch öffnet schneller, weil dadurch das Miauen endet.
Das ist eine lernpsychologische Erklärung – kein Beleg dafür, dass die Katze den Menschen bewusst manipuliert oder versteht, welche Lernmechanismen dabei ablaufen.
Warum „nur manchmal“ besonders hartnäckig werden kann
Ein Verhalten muss nicht jedes einzelne Mal erfolgreich sein, um bestehen zu bleiben.
Vielleicht wird die Tür beim ersten Miauen nicht geöffnet. Beim zweiten auch nicht. Beim fünften Mal ebenfalls nicht. Aber irgendwann gibt jemand nach – und plötzlich funktioniert es doch.
Solche unregelmäßigen Erfolgserlebnisse werden in der Lernpsychologie als intermittierende oder partielle Verstärkung beschrieben. Aus der allgemeinen experimentellen Lernforschung ist der sogenannte Partial Reinforcement Extinction Effect bekannt: Verhalten oder konditionierte Reaktionen, die während des Lernens nur teilweise verstärkt wurden, können unter bestimmten Versuchsbedingungen widerstandsfähiger gegen das spätere Ausbleiben der Verstärkung sein als Reaktionen, die zuvor jedes Mal verstärkt wurden. [6]
Hier ist allerdings eine wichtige wissenschaftliche Einschränkung nötig: Eine häufig zitierte experimentelle Untersuchung von Chan und Harris wurde mit Ratten unter kontrollierten Laborbedingungen durchgeführt. Der Effekt ist ein etabliertes Thema der allgemeinen Lernforschung, aber daraus lässt sich nicht einfach ableiten, dass jede Hauskatze beim Miauen vor einer Tür exakt nach demselben Muster reagiert. [6]
Für den Katzenalltag ist daher eine vorsichtigere Formulierung sinnvoll: Wenn ein Verhalten gelegentlich zum gewünschten Erfolg führt, kann dieses Erfolgsmuster dazu beitragen, dass sich das Verhalten hartnäckig hält. Ob das im Einzelfall tatsächlich die Ursache ist, lässt sich allein aus der Beobachtung jedoch nicht beweisen.
Wenn ein gelerntes Verhalten plötzlich stärker wird
Wird eine bisherige Verstärkung nicht mehr gegeben, kann ein Verhalten mit der Zeit schwächer werden. Dieser Lernprozess wird Extinktion oder Löschung genannt. Halls beschreibt in ihrer veterinärmedizinischen Übersicht beispielsweise eine Katze, deren nächtliches Rufen zuvor dazu führte, dass der Mensch aufstand. Bleibt diese Konsequenz zukünftig aus, kann das Rufen abnehmen. [2]
Allerdings kann es anfangs sogar vorübergehend intensiver werden. Dieses mögliche Phänomen wird als Extinktionsausbruch bezeichnet: Ein bislang erfolgreiches Verhalten wird zunächst häufiger oder energischer gezeigt, wenn die gewohnte Konsequenz plötzlich ausbleibt. [2]
Das bedeutet nicht, dass eine Katze denkt: „Ich muss jetzt nur noch lauter werden.“ Man beobachtet lediglich, dass das zuvor verstärkte Verhalten vorübergehend zunehmen kann.
Und noch etwas ist wichtig: Nicht jedes Miauen, Kratzen oder andere Verhalten sollte einfach ignoriert werden. Zuerst muss geklärt werden, warum die Katze das Verhalten zeigt und ob ein echtes Bedürfnis dahintersteht.
Training beginnt nicht mit „Wie bekomme ich das weg?“
Viele sogenannte Problemverhalten sind zunächst völlig normales Katzenverhalten.
Kratzen, Klettern, Erkunden, Jagdspiel, Rückzug, Markieren und die Suche nach Ressourcen gehören zum normalen Verhaltensrepertoire einer Katze. Die AAFP/ISFM-Leitlinien zu den Umweltbedürfnissen von Katzen betonen unter anderem sichere Rückzugsorte, getrennte wichtige Ressourcen, Möglichkeiten für Spiel und Beuteverhalten sowie positive und verlässliche soziale Interaktionen mit Menschen. [5]
Deshalb ist es meistens sinnvoller, zunächst zu fragen:
Welches Bedürfnis erfüllt dieses Verhalten – und welche akzeptable Alternative können wir anbieten?
Eine Katze, die das Sofa kratzt, braucht nicht einfach nur ein Verbot. Sie braucht geeignete Kratzmöglichkeiten, die bezüglich Standort, Stabilität, Material und Ausrichtung zu ihren Bedürfnissen passen. Erst dann lässt sich die gewünschte Alternative sinnvoll verstärken. Die FelineVMA empfiehlt genau diesen Ansatz: unerwünschte Verhaltensweisen möglichst nicht bestrafen, sondern Umweltbedingungen anpassen, geeignete Alternativen anbieten und deren Nutzung belohnen. [1]
Was funktioniert im Alltag besser?
Miauen für Futter
Wer jedes fordernde Miauen sofort mit Futter beantwortet, kann genau dieses Miauen verstärken. Eine mögliche Alternative besteht darin, Futter an ein anderes, klar definiertes Verhalten zu koppeln – zum Beispiel ruhiges Warten an einem bestimmten Platz.
Dabei sollte die Katze selbstverständlich nicht hungern oder notwendige Mahlzeiten vorenthalten bekommen. Es geht lediglich darum, welches Verhalten unmittelbar vor der ohnehin vorgesehenen Fütterung verstärkt wird.
Kratzen an Möbeln
Statt die Katze beim Kratzen zu erschrecken, sollte zunächst eine geeignete Kratzmöglichkeit möglichst nahe am bisher bevorzugten Ort angeboten werden. Nutzt die Katze diese, kann das gewünschte Verhalten sofort mit etwas verstärkt werden, das sie tatsächlich mag. [1] [5]
Anspringen für Aufmerksamkeit
Auch menschliche Aufmerksamkeit kann ein Verstärker sein. Das gilt sogar dann, wenn sie aus unserer Sicht nicht besonders freundlich ausfällt. Anschauen, Ansprechen, Anfassen oder Wegschieben sind soziale Reaktionen und können für einzelne Katzen relevant sein.
Praktischer ist häufig, Aufmerksamkeit gezielt dann anzubieten, wenn ein erwünschtes Alternativverhalten gezeigt wird – beispielsweise ruhiges Sitzen mit allen vier Pfoten am Boden.
Welche Form von Aufmerksamkeit tatsächlich verstärkend wirkt, ist individuell. Genau deshalb empfiehlt die FelineVMA, die Vorlieben der jeweiligen Katze zu berücksichtigen. [1] Die Studie von Vitale Shreve und Kollegen unterstreicht ebenfalls, wie unterschiedlich Katzen auf Futter, soziale Interaktion, Spielzeug oder Geruchsreize reagieren können. [4]
Warum Strafen problematisch sind
Auch der Begriff Strafe hat in der Lernpsychologie eine präzise Bedeutung: Eine Konsequenz gilt nur dann als Strafe, wenn sie dazu führt, dass das vorherige Verhalten zukünftig seltener auftritt.
Positive Strafe bedeutet, dass nach dem Verhalten etwas Unangenehmes hinzukommt. Negative Strafe bedeutet, dass etwas Angenehmes entzogen wird. Auch hier bedeuten „positiv“ und „negativ“ lediglich hinzufügen beziehungsweise wegnehmen. [2]
Für das praktische Katzentraining werden aversive Methoden wie Anschreien, Erschrecken oder Anspritzen mit Wasser von der FelineVMA nicht empfohlen. Solche Maßnahmen können Angst oder Vermeidungsverhalten fördern und vermitteln der Katze außerdem nicht automatisch, welches Verhalten stattdessen erwünscht ist. [1]
Eine Katzenstudie von O’Hanley, Pearl und Niel mit 262 erwachsenen Katzen fand zudem Zusammenhänge zwischen von Haltern berichteter positiver Bestrafung und stärkerer Aggression. Wichtig: Es handelte sich um eine Beobachtungs- beziehungsweise Befragungsstudie. Solche Daten können Zusammenhänge zeigen, beweisen aber nicht allein, dass die Trainingsmethode die Aggression verursacht hat. [7]
Belohnungsbasiertes Training hat deshalb einen praktischen Vorteil: Es macht nicht nur deutlich, was die Katze nicht tun soll, sondern baut gezielt ein Verhalten auf, das wir häufiger sehen möchten.
Die Belohnung muss zur Katze passen
Futter ist praktisch, klein portionierbar und für viele Katzen attraktiv – aber es ist nicht die einzige Möglichkeit.
Je nach Katze können auch folgende Dinge als Verstärker funktionieren:
- kurzes Spiel,
- Zugang zu einem bevorzugten Ort,
- Streicheln oder andere gewünschte soziale Interaktion,
- Bürsten, sofern die Katze dies gerne mag,
- oder andere individuell bevorzugte Aktivitäten.
Die entscheidende Frage lautet immer: Was möchte diese Katze in genau dieser Situation? [1] [4]
Auch die Motivation kann sich verändern. Eine Katze kann nach einer Mahlzeit wenig Interesse an Futter haben, dafür aber sehr motiviert auf Spiel reagieren. Alter, Gesundheitszustand, Umgebung, Stress und individuelle Erfahrungen spielen ebenfalls eine Rolle.
Lernen funktioniert nicht losgelöst von Emotionen und Gesundheit
Verhalten ist nicht immer ein Trainingsproblem.
Schmerzen, Krankheit, Angst oder starke Anspannung können Verhalten verändern und die Lernfähigkeit beeinträchtigen. Die FelineVMA rät deshalb ausdrücklich davon ab, mit einer kranken oder schmerzhaften Katze einfach weiterzutrainieren, als wäre die Situation lediglich eine Frage der Erziehung. [1]
Besonders bei plötzlichen deutlichen Verhaltensänderungen sollte deshalb zuerst an mögliche gesundheitliche Ursachen gedacht werden. Dazu können beispielsweise neu auftretende starke Lautäußerungen, Unsauberkeit, Rückzug, ungewöhnliche Reizbarkeit oder eine deutliche Veränderung gewohnter Aktivitäten gehören. Eine tierärztliche Untersuchung kann dann wichtiger sein als jedes Trainingsprogramm.
Auch bei starkem Angstverhalten, Aggression oder komplexen Problemen reicht ein allgemeiner Internettipp häufig nicht aus. Halls weist darauf hin, dass bei Verhaltensproblemen zunächst mögliche medizinische Ursachen ausgeschlossen werden sollten und bei komplexen Fällen eine entsprechend qualifizierte verhaltensmedizinische oder verhaltenstherapeutische Beratung sinnvoll sein kann. [2]
Kurz & knapp
Beim operanten Lernen verändern die Folgen eines Verhaltens dessen zukünftige Wahrscheinlichkeit. Verhalten, das sich lohnt, kann häufiger auftreten – auch wenn wir es völlig unbeabsichtigt verstärken.
Am sinnvollsten ist deshalb meist nicht die Frage „Wie verhindere ich dieses Verhalten?“, sondern: Was verstärkt es gerade, welches Bedürfnis steckt dahinter und welches alternative Verhalten möchte ich stattdessen lohnenswert machen?
Wie gut ist das eigentlich bei Katzen erforscht?
Die grundlegenden Mechanismen des operanten Lernens sind in der Verhaltenswissenschaft seit Langem etabliert. Bei Hauskatzen ist die Forschung zu konkreten Trainingsmethoden jedoch deutlich kleiner als bei manchen anderen Tierarten.
Das sollte bei Aussagen über „die perfekte Methode“ berücksichtigt werden. Die bereits erwähnte Studie zum positiven Verstärkungstraining war beispielsweise ausdrücklich eine Pilotstudie mit wenigen Katzen. [3] Auch Halls weist in ihrer Fachübersicht darauf hin, dass für manche praktischen Maßnahmen bei Verhaltensproblemen nur begrenzt katzenspezifische evidenzbasierte Forschung vorliegt und ein Teil der Empfehlungen zusätzlich auf klinischer Erfahrung beruht. [2]
Anders sieht es bei einigen grundsätzlichen Punkten aus: Dass Katzen lernen können, dass Verstärker individuell unterschiedlich wirksam sind, dass Umweltbedingungen und artspezifische Bedürfnisse berücksichtigt werden müssen und dass belohnungsbasierte Ansätze gegenüber aversiven Trainingsmethoden bevorzugt werden, wird von aktuellen veterinärmedizinischen Fachquellen unterstützt. [1] [4] [5]
Wer erzieht hier also eigentlich wen?
Wahrscheinlich ist genau diese Frage der falsche Ausgangspunkt.
Katzen und Menschen teilen einen Alltag, in dem Verhalten ständig Konsequenzen hat. Manchmal trainieren wir ganz bewusst – und manchmal entsteht eine Gewohnheit einfach dadurch, dass eine bestimmte Strategie immer wieder funktioniert.
Wenn Mo also vor einer Tür sitzt und eine erstaunlich erfolgreiche Methode entwickelt hat, jemanden zum Aufstehen zu bewegen, muss dahinter kein raffinierter Plan stecken. Viel interessanter ist die Frage: Was passiert unmittelbar nach seinem Verhalten – und was lernen wir beide gerade daraus?
Genau dort beginnt oft das spannendste Katzenwissen: nicht beim vermeintlichen „Ungehorsam“, sondern beim genauen Hinschauen.
Quellen
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Feline Veterinary Medical Association (FelineVMA). Positive Reinforcement Training Educational Toolkit. 2026. Erarbeitet von der FelineVMA Task Force um Katrina Breitreiter, Ilona Rodan, Julie Hermansen, Carlo Siracusa, Sherlyn Spooner und Kristyn Vitale.
FelineVMA – Positive Reinforcement Training Educational Toolkit -
Halls V. Tools for Managing Feline Problem Behaviours: Environmental and behavioural modification. Journal of Feline Medicine and Surgery. 2018;20(11):1005–1014. doi:10.1177/1098612X18806757.
DOI -
Willson EK, Stratton RB, Bolwell CF, Stafford KJ. Comparison of positive reinforcement training in cats: A pilot study. Journal of Veterinary Behavior. 2017;21:64–70. doi:10.1016/j.jveb.2017.07.007.
DOI -
Vitale Shreve KR, Mehrkam LR, Udell MAR. Social interaction, food, scent or toys? A formal assessment of domestic pet and shelter cat (Felis silvestris catus) preferences. Behavioural Processes. 2017;141(Pt 3):322–328. doi:10.1016/j.beproc.2017.03.016.
DOI -
Ellis SLH, Rodan I, Carney HC, Heath S, Rochlitz I, Shearburn LD, Sundahl E, Westropp JL. AAFP and ISFM Feline Environmental Needs Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery. 2013;15(3):219–230. doi:10.1177/1098612X13477537.
DOI -
Chan CKJ, Harris JA. The partial reinforcement extinction effect: The proportion of trials reinforced during conditioning predicts the number of trials to extinction. Journal of Experimental Psychology: Animal Learning and Cognition. 2019;45(1):43–58. doi:10.1037/xan0000190. Hinweis: experimentelle Untersuchung an Ratten; daher hier als Quelle zur allgemeinen Lernpsychologie und nicht als katzenspezifischer Nachweis verwendet.
DOI -
O’Hanley KA, Pearl DL, Niel L. Risk factors for aggression in adult cats that were fostered through a shelter program as kittens. Applied Animal Behaviour Science. 2021;236:105251. doi:10.1016/j.applanim.2021.105251. Beobachtungs-/Befragungsstudie; gefundene Zusammenhänge erlauben keinen sicheren Kausalschluss.
DOI

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