Vertrauen kann man bei einer Katze nicht erzwingen.
Man kann sie nicht oft genug streicheln, nicht lange genug festhalten und auch nicht einfach beschlieĂen:
âAb heute weiĂt du, dass ich es gut mit dir meine.â
Eine Katze muss diese Erfahrung selbst machen.
Immer wieder.
Sie erlebt, ob ihre Signale beachtet werden.
Ob sie Abstand nehmen darf.
Ob RĂŒckzugsorte wirklich sicher sind.
Ob BerĂŒhrungen angenehm bleiben.
Und ob ein Mensch sich fĂŒr sie einigermaĂen vorhersehbar verhĂ€lt.
Genau deshalb besteht Vertrauensaufbau hĂ€ufig gar nicht aus groĂen Gesten.
Viel wichtiger sind viele kleine Situationen, in denen eine Katze erlebt:
Ich habe eine Wahl. Meine Signale werden wahrgenommen. Hier passiert mir nichts Unangenehmes.
Das gilt fĂŒr eine frisch eingezogene oder sehr scheue Katze genauso wie fĂŒr eine Katze, die schon seit Jahren mit uns lebt.
Denn Vertrauen ist kein Zustand, den man einmal erreicht und anschlieĂend nie wieder beachten muss.
Was bedeutet âVertrauenâ bei einer Katze ĂŒberhaupt?
Das Wort benutzen wir Menschen sehr selbstverstÀndlich.
Wissenschaftlich ist âVertrauenâ bei einer Katze allerdings kein einzelner Wert, den wir direkt messen könnten.
Wir können eine Katze schlieĂlich nicht fragen:
âWie sehr vertraust du mir auf einer Skala von eins bis zehn?â
Stattdessen beobachten wir ihr Verhalten.
Zum Beispiel:
- NĂ€hert sie sich freiwillig?
- bleibt sie in unserer NĂ€he entspannt?
- kann sie Kontakt selbst beginnen und beenden?
- zeigt sie normales Ruhe-, Spiel- und Erkundungsverhalten?
- nimmt sie Futter an?
- kehrt sie nach einer Unterbrechung wieder zurĂŒck?
- muss sie stÀndig auf Distanz oder Flucht vorbereitet sein?
Aus solchen Beobachtungen können wir RĂŒckschlĂŒsse darauf ziehen, wie sicher und wohl sich eine Katze in einer Situation fĂŒhlt.
Vertrauen ist deshalb weniger ein einzelnes Katzenzeichen als das Ergebnis vieler Erfahrungen.
1. Lass deine Katze entscheiden, ob sie Kontakt möchte
Der vielleicht wichtigste Schritt wirkt auf den ersten Blick erstaunlich unspektakulÀr:
Tu manchmal einfach nichts.
Setz dich hin.
Bleib ruhig.
Lass die Katze schauen.
Und gib ihr die Möglichkeit, selbst nÀherzukommen.
Gerade bei schĂŒchternen oder neu eingezogenen Katzen ist unser menschlicher Impuls hĂ€ufig genau umgekehrt.
Wir möchten zeigen, dass wir freundlich sind.
Also gehen wir zur Katze.
Wir sprechen sie an.
Wir strecken die Hand aus.
Wir möchten sie streicheln.
Vielleicht holen wir sie sogar aus ihrem Versteck.
Aus menschlicher Sicht ist das liebevoll gemeint.
Aus Sicht einer unsicheren Katze kann es aber bedeuten, dass ein wesentlich gröĂeres Lebewesen immer nĂ€her kommt und ihre Distanz nicht akzeptiert.
Freiwilligkeit verÀndert die Situation
Untersuchungen zur Mensch-Katze-Interaktion zeigen, dass Katzen von Interaktionen profitieren können, bei denen sie mehr Kontrolle darĂŒber haben, ob und wie lange Kontakt stattfindet.
In einer Studie mit Tierheimkatzen wurden Menschen vor dem Kontakt einfache Regeln vermittelt:
- Die Katze darf selbst nÀherkommen.
- Der Mensch verfolgt sie nicht, wenn sie weggeht.
- Kontakt wird zwischendurch unterbrochen, damit die Katze entscheiden kann, ob sie mehr möchte.
- Die Körpersprache der Katze wird berĂŒcksichtigt.
- BerĂŒhrungen konzentrieren sich zunĂ€chst auf Körperbereiche, die viele Katzen eher angenehm finden.
Nach dieser kurzen Anleitung zeigten die Katzen mehr freundliches, dem Menschen zugewandtes Verhalten und weniger Aggression beziehungsweise Konfliktsignale.
Das ist ein schönes Beispiel dafĂŒr, dass manchmal nicht mehr Kontakt die bessere Beziehung schafft.
Sondern besserer Kontakt.
Wie lasse ich eine Katze den ersten Schritt machen?
Du kannst dich beispielsweise einige Meter entfernt hinsetzen und dich zunÀchst mit etwas anderem beschÀftigen.
Lies ein Buch.
Schau nicht dauerhaft direkt zur Katze.
Sprich ruhig, wenn du sprechen möchtest.
Kommt sie nÀher, kannst du ihr eine Hand in etwas Abstand anbieten.
Sie darf schnuppern.
Oder auch nicht.
Reibt sie sich freiwillig daran, ist das ein deutlich besserer Ausgangspunkt fĂŒr BerĂŒhrung als eine Hand, die ihr einfach auf den Kopf gelegt wird.
AnnĂ€herung anbieten â nicht erzwingen.
Und wenn sie gar nicht kommt?
Dann kommt sie nicht.
Zumindest heute nicht.
Gerade bei einer scheuen Katze kann ein scheinbar ereignisloser Nachmittag trotzdem eine wichtige Erfahrung sein:
Dieser Mensch war im Raum â und nichts Bedrohliches ist passiert.
FĂŒr eine Katze mit wenig oder schlechten Erfahrungen mit Menschen kann genau das ein Fortschritt sein.
2. Achte auf ihre Körpersprache
Vertrauen funktioniert nicht nur darĂŒber, was wir tun.
Es hÀngt auch davon ab, ob wir merken, wann wir aufhören sollten.
Katzen kommunizieren viel ĂŒber:
- Ohrenstellung,
- Schwanzbewegungen,
- Körperhaltung,
- Blickrichtung,
- Muskelspannung,
- Bewegung,
- Abstand.
Das Problem:
Viele Signale sind wesentlich leiser, als Menschen erwarten.
Eine Katze muss nicht fauchen oder beiĂen, um zu zeigen, dass ihr eine Situation unangenehm wird.
Kleine Signale zÀhlen ebenfalls
Mögliche Hinweise darauf, dass eine Katze eine Pause möchte, können sein:
- sie dreht den Kopf weg,
- sie bewegt sich von der Hand fort,
- die Ohren drehen sich seitlich oder nach hinten,
- der Schwanz beginnt stÀrker zu zucken oder zu schlagen,
- der Körper wird plötzlich steifer,
- sie hört auf, sich an der Hand zu reiben,
- sie dreht den Kopf plötzlich zur streichelnden Hand,
- sie beginnt sich unmittelbar nach der BerĂŒhrung kurz zu putzen,
- die Haut am RĂŒcken zuckt oder wellt sich.
Keines dieser Zeichen muss allein beweisen, dass die Katze starken Stress empfindet.
Der Zusammenhang zÀhlt.
Wenn mehrere Signale auftreten oder die Katze sich gleichzeitig entfernen möchte, sollte eine Pause selbstverstÀndlich sein.
Warum ist das fĂŒr Vertrauen wichtig?
Stell dir zwei unterschiedliche Erfahrungen vor.
Die Katze zeigt erste Anzeichen, dass sie genug vom Streicheln hat.
Situation A:
Der Mensch hört auf.
Die Katze bleibt liegen.
Vielleicht sucht sie nach kurzer Zeit wieder Kontakt.
Situation B:
Der Mensch streichelt weiter.
Die Katze wird angespannter.
Sie schlÀgt irgendwann nach der Hand.
Nun wird sie auch noch geschimpft.
Beide Situationen können fĂŒr die Katze völlig unterschiedliche Lernerfahrungen erzeugen.
Wer kleine Signale respektiert, verhindert hĂ€ufig, dass eine Katze ĂŒberhaupt deutlicher werden muss.
3. Streichle mit GefĂŒhl â und mit Pausen
Nicht jede Katze möchte ĂŒberall angefasst werden.
Und selbst eine Katze, die Streicheln liebt, möchte es nicht unbedingt jederzeit und unbegrenzt.
Untersuchungen zur Mensch-Katze-Interaktion unterscheiden deshalb grob zwischen Körperregionen, die viele Katzen eher akzeptieren, und solchen mit besonders groĂen individuellen Unterschieden.
Viele Katzen reagieren vergleichsweise positiv auf BerĂŒhrungen:
- an den Wangen,
- an der Basis der Ohren,
- teilweise unter dem Kinn.
Deutlich vorsichtiger sollte man beispielsweise mit Bauch, Schwanzansatz, Beinen und anderen individuell sensiblen Bereichen sein.
Das bedeutet nicht, dass keine Katze dort gern berĂŒhrt wird.
Die einzelne Katze entscheidet.
Der kleine Streichel-Test
Eine sehr einfache Methode besteht darin, wĂ€hrend des Streichelns regelmĂ€Ăig kurz aufzuhören.
Zum Beispiel nach wenigen Sekunden.
Dann beobachtest du:
Kommt die Katze mit dem Kopf wieder zur Hand?
Reibt sie sich weiter?
Schiebt sie sich unter die Hand?
Dann kann sie durchaus mehr Kontakt wĂŒnschen.
Bleibt sie dagegen ruhig liegen, dreht sich weg oder geht, ist die Pause vermutlich willkommen.
Die Frage lautet nicht nur: âDarf ich sie streicheln?â â sondern immer wieder: âMöchte sie noch?â
Eine schnurrende Katze muss nicht automatisch mehr Streicheln wollen
Auch Schnurren sollte nicht als universeller EinverstÀndnisknopf verstanden werden.
Katzen schnurren hÀufig in angenehmen sozialen Situationen.
Sie können aber auch in anderen emotionalen und körperlichen ZustÀnden schnurren.
Deshalb gehört immer die gesamte Körpersprache dazu.
Eine entspannte Katze, die sich an dich lehnt und aktiv weiteren Kontakt sucht, erzÀhlt eine andere Geschichte als eine steife Katze, die schnurrt und gleichzeitig versucht auszuweichen.
4. RĂŒckzugsorte sind wirklich RĂŒckzugsorte
Eine Katze braucht Orte, an denen sie nicht gestört wird.
Das können sein:
- eine Höhle,
- ein Karton,
- ein Platz unter einem MöbelstĂŒck,
- eine erhöhte LiegeflÀche,
- ein ruhiges Zimmer,
- ein geschĂŒtzter Platz auf dem Kratzbaum.
Gerade fĂŒr Ă€ngstliche Katzen können Verstecke helfen, mit belastenden Situationen umzugehen.
Doch ein RĂŒckzugsort funktioniert nur dann, wenn er tatsĂ€chlich sicher bleibt.
Die Katze nicht aus dem Versteck holen
Das klingt selbstverstÀndlich.
Im Alltag passiert aber schnell etwas anderes.
Die Katze liegt in ihrer Höhle.
Wir möchten sie streicheln.
Also greifen wir hinein.
Oder Besuch möchte sie kennenlernen.
Also wird sie unter dem Bett hervorgelockt oder sogar hervorgeholt.
Damit verliert das Versteck einen Teil seiner Funktion.
Aus einem Ort, an dem die Katze Kontrolle ĂŒber Abstand besitzt, wird ein Ort, an dem Menschen sie trotzdem erreichen.
Ein guter RĂŒckzugsort bedeutet: Hier darf die Katze wirklich in Ruhe gelassen werden.
RĂŒckzug ist nicht automatisch ein Problem
Besonders bei einer neu eingezogenen Katze kann Verstecken zunÀchst eine völlig normale BewÀltigungsstrategie sein.
Sie befindet sich plötzlich in einer Umgebung mit:
- neuen GerĂŒchen,
- neuen GerÀuschen,
- neuen Menschen,
- neuen RĂ€umen,
- möglicherweise anderen Tieren.
Manche Katzen erkunden nach zehn Minuten die ganze Wohnung.
Andere brauchen Tage oder lÀnger.
Es gibt keinen sinnvollen Wettbewerb darum, welche Katze schneller âauftautâ.
Wann sollte Verstecken trotzdem genauer betrachtet werden?
Wenn eine Katze plötzlich deutlich mehr versteckt lebt als sonst, sollte man aufmerksam werden.
Vor allem dann, wenn zusÀtzlich:
- weniger gefressen wird,
- sie ungewöhnlich still oder matt wirkt,
- sie Schmerzen zeigen könnte,
- Toilettenverhalten verÀndert ist,
- sie andere deutliche VerhaltensÀnderungen zeigt.
Plötzlicher RĂŒckzug kann auch mit Schmerzen oder Erkrankungen zusammenhĂ€ngen und sollte dann tierĂ€rztlich abgeklĂ€rt werden.
5. Sei verlÀsslich und vorhersehbar
Katzen können ihren Alltag erstaunlich genau beobachten.
Sie merken, wann Futter kommt.
Welche TĂŒr sich normalerweise öffnet.
Wann Menschen nach Hause kommen.
Welche GerĂ€usche bestimmte Ereignisse ankĂŒndigen.
Vorhersehbarkeit kann deshalb Sicherheit schaffen.
Das bedeutet nicht, dass jeder Tag auf die Minute identisch ablaufen muss.
Aber regelmĂ€Ăige Grundstrukturen können einer Katze helfen, ihre Umgebung einzuschĂ€tzen.
Was bedeutet VerlÀsslichkeit konkret?
Zum Beispiel:
- ungefĂ€hr Ă€hnliche FĂŒtterungsablĂ€ufe,
- ruhige und vorhersehbare AnnÀherung,
- RĂŒckzugsorte, die tatsĂ€chlich respektiert werden,
- Àhnliche Reaktionen auf Àhnliche Situationen,
- regelmĂ€Ăige Spielmöglichkeiten,
- kein stÀndiger Wechsel zwischen Streicheln und plötzlich grobem Handling.
Eine Katze muss nicht wissen, dass es exakt 18:03 Uhr ist.
Aber sie kann lernen:
Wenn bestimmte Dinge passieren, folgt normalerweise etwas Bekanntes.
VerlĂ€sslich heiĂt auch: Ein âNeinâ respektieren
Stell dir eine Katze vor, die manchmal in ihrer Höhle in Ruhe gelassen wird und manchmal ohne Vorwarnung herausgeholt wird.
Oder eine Katze, bei der Streicheln gelegentlich nach ihrem Wegdrehen endet und manchmal trotzdem weitergeht.
FĂŒr die Katze wird schwerer vorhersehbar, ob ihre eigenen Signale tatsĂ€chlich etwas bewirken.
VerlÀsslichkeit bedeutet deshalb auch:
Ein bestimmtes Signal sollte möglichst eine Àhnliche Reaktion des Menschen auslösen.
6. Spielt gemeinsam
Gemeinsames Spiel kann eine angenehme Form der Interaktion sein, insbesondere fĂŒr Katzen, die engen Körperkontakt noch nicht möchten.
Eine Katzenangel schafft Abstand.
Die Katze kann sich bewegen, beobachten, anschleichen und verfolgen.
Und der Mensch wird Teil einer AktivitĂ€t, die fĂŒr sie interessant sein kann.
Gerade bei einer vorsichtigen Katze ist das manchmal leichter als direktes Streicheln.
Warum eignet sich Angelspiel so gut?
Ein Spielzeug an einer lÀngeren Angel ermöglicht der Katze:
- Abstand zum Menschen zu halten,
- selbst zu entscheiden, ob sie mitmacht,
- Bewegungsreize zu verfolgen,
- natĂŒrliche Jagdsequenzen spielerisch auszuleben.
Das Spiel sollte dabei nicht bedeuten, das Spielzeug stÀndig direkt vor dem Gesicht der Katze herumzuschwenken.
Interessanter ist hÀufig eine Bewegung, die Beute Àhnelt:
weg von der Katze,
um eine Ecke,
kurz verschwinden,
wieder auftauchen,
eine Pause machen.
Die Katze darf die âBeuteâ auch fangen
Ein Spiel, bei dem die Katze einem Objekt minutenlang hinterherjagt, es aber niemals erreichen kann, kann frustrierend sein.
Deshalb sollte sie beim Spiel mit der Angel immer wieder Gelegenheit bekommen, das Spielzeug tatsÀchlich zu greifen.
Das bedeutet nicht, dass jede Spielrunde einem streng festgelegten Jagdablauf folgen muss.
Aber Erfolgserlebnisse gehören dazu.
Gemeinsames Spiel ersetzt keine RĂŒcksicht
Auch eine spielende Katze sollte nicht gegen ihren Willen weiter animiert werden.
Wenn sie sich zurĂŒckzieht oder das Interesse verliert, darf das Spiel enden.
Und selbstverstÀndlich sollte geeignetes Spielzeug verwendet werden.
SchnĂŒre, BĂ€nder oder Angelspielzeug gehören nach dem gemeinsamen Spiel auĂer Reichweite, wenn die Katze sie zerbeiĂen oder verschlucken könnte.
7. Belohne erwĂŒnschtes Verhalten statt unerwĂŒnschtes zu bestrafen
Vertrauen lÀsst sich nur schwer mit Angst verbinden.
Deshalb raten moderne veterinÀrmedizinische Verhaltensempfehlungen von aversiven Methoden wie Anschreien, körperlicher Bestrafung oder Wasserspritzen ab.
Stattdessen kann gewĂŒnschtes Verhalten gezielt verstĂ€rkt werden.
Das Prinzip ist einfach:
Ein Verhalten, auf das etwas Angenehmes folgt, wird mit höherer Wahrscheinlichkeit wieder gezeigt.
Belohnen heiĂt nicht nur Leckerli
Eine Belohnung kann vieles sein:
- Futter,
- Spiel,
- freundliche Aufmerksamkeit,
- Zugang zu einem gewĂŒnschten Ort,
- Streicheln, wenn die Katze es gerade möchte.
Welche Belohnung funktioniert, hÀngt von der jeweiligen Katze und Situation ab.
Ein Leckerli, das die Katze nicht besonders mag, ist fĂŒr sie keine besonders gute VerstĂ€rkung.
Wie hilft positive VerstÀrkung beim Vertrauensaufbau?
Gerade bei einer scheuen Katze können sehr kleine Schritte verstÀrkt werden.
Zum Beispiel:
Die Katze kommt einen Schritt nÀher.
Ein Leckerli wird ruhig in ihre Richtung gelegt.
Sie bleibt in der NĂ€he.
Es passiert nichts Unangenehmes.
SpÀter kommt sie etwas nÀher.
Vielleicht nimmt sie irgendwann Futter aus der Hand.
SpĂ€ter erlaubt sie eine kurze BerĂŒhrung.
Das Ziel ist nicht, sie möglichst schnell bis zur letzten Stufe zu bringen.
Jede Stufe darf so lange dauern, wie die Katze braucht.
Bestrafung kann Vertrauen dagegen erschweren
Wenn eine Katze sich dem Menschen nĂ€hert und anschlieĂend erschreckt, angeschrien oder grob angefasst wird, kann ebenfalls Lernen stattfinden.
Nur eben nicht unbedingt das, was wir möchten.
Die Katze kann lernen:
Menschen sind schwer vorhersehbar.
HÀnde können unangenehm werden.
In bestimmten Situationen halte ich besser Abstand.
Deshalb bedeutet gute Katzenerziehung nicht, niemals Grenzen zu setzen.
Es bedeutet, Grenzen möglichst ĂŒber:
- Management,
- passende Alternativen,
- Umweltgestaltung,
- positive VerstÀrkung
zu vermitteln â und nicht ĂŒber Angst.
Und was ist mit langsamem Blinzeln?
Kaum ein Zeichen wird im Internet so gern als Katzen-âIch liebe dichâ ĂŒbersetzt wie das langsame Blinzeln.
Ganz aus der Luft gegriffen ist die Idee nicht.
Eine Studie von Humphrey und Kollegen untersuchte 2020 sogenannte Slow-Blink-Sequenzen zwischen Katzen und Menschen.
Dabei zeigte sich:
Katzen verengten beziehungsweise schlossen ihre Augen hÀufiger, wenn ihre Menschen langsam in ihre Richtung blinzelten, als in einer Kontrollsituation ohne diese Interaktion.
In einem zweiten Experiment nÀherten sich Katzen einer unbekannten Person nach einer Slow-Blink-Interaktion eher an als nach einem neutralen Gesichtsausdruck.
Ist langsames Blinzeln also ein Liebesbeweis?
So weit sollten wir nicht gehen.
Die Ergebnisse sprechen dafĂŒr, dass langsames Augenverengen Teil einer positiven Katze-Mensch-Kommunikation sein kann.
Die Forschenden selbst weisen aber darauf hin, dass weitere Untersuchungen notwendig sind, bevor eindeutige Aussagen ĂŒber den emotionalen Zustand einer langsam blinzelnden Katze möglich sind.
Deshalb ist die vorsichtigere Aussage:
Langsames Blinzeln kann eine freundliche und wenig bedrohliche Form der Interaktion unterstĂŒtzen.
Es ist kein garantierter âVertrauensbeweisâ und erst recht keine Ăbersetzung eines bestimmten menschlichen Satzes.
Kann ich meiner Katze zurĂŒckblinzeln?
Ja.
Du kannst den Blick etwas weicher werden lassen, die Augen langsam verengen und wieder öffnen.
Wichtig ist vor allem, die Katze nicht starr anzusehen.
Reagiert sie nicht, ist das völlig in Ordnung.
Auch hier gilt:
Es ist ein Angebot zur Kommunikation â kein Test, den die Katze bestehen muss.
Vertrauen bei einer frisch eingezogenen Katze
Bei einer neuen Katze beginnen wir mit einem groĂen Nachteil:
Sie kennt uns noch nicht.
Wir wissen, dass sie in Sicherheit ist.
Sie selbst kann das noch nicht wissen.
Neue RĂ€ume, fremde Menschen, unbekannte GerĂŒche und neue GerĂ€usche können zunĂ€chst belastend sein.
Deshalb sollte die erste Aufgabe nicht lauten:
âWie bekomme ich sie möglichst schnell zum Kuscheln?â
Sondern:
âWie mache ich ihre neue Umgebung möglichst sicher und vorhersehbar?â
Ein kleiner Startbereich kann helfen
FĂŒr manche Katzen ist es leichter, zunĂ€chst einen ĂŒberschaubaren ruhigen Bereich kennenzulernen, statt sofort eine ganze Wohnung erkunden zu mĂŒssen.
Dort sollten die wichtigsten Ressourcen vorhanden sein:
- Wasser,
- Futter,
- Katzenklo mit ausreichend Abstand zu Futter und Wasser,
- Verstecke,
- erhöhte PlÀtze,
- Kratzmöglichkeiten,
- LiegeplÀtze.
Wie schnell weitere RÀume dazukommen, hÀngt von der Katze ab.
Bei sehr scheuen Katzen kann Ignorieren freundlich sein
Das klingt im ersten Moment widersprĂŒchlich.
Aber fĂŒr eine unsichere Katze kann ein Mensch, der ruhig im Raum sitzt und nichts von ihr verlangt, wesentlich leichter auszuhalten sein als jemand, der stĂ€ndig Kontakt sucht.
Cats Protection empfiehlt bei scheuen Katzen ausdrĂŒcklich, ruhig in ihrer NĂ€he zu sitzen und ihnen Zeit zu geben, sich in ihrem eigenen Tempo an die Anwesenheit des Menschen zu gewöhnen.
Ein Buch kann beim Vertrauensaufbau deshalb manchmal hilfreicher sein als zehn ausgestreckte HĂ€nde.
Futter kann helfen â aber bitte nicht aushungern
Futter eignet sich hervorragend, um angenehme Erfahrungen mit der Anwesenheit eines Menschen zu verbinden.
Das bedeutet jedoch nicht, einer scheuen Katze Nahrung vorzuenthalten, damit sie irgendwann aus Hunger aus der Hand frisst.
Sie sollte zuverlÀssig versorgt werden.
ZusÀtzlich können besonders attraktive kleine Leckerbissen verwendet werden, um freiwillige AnnÀherung positiv zu verstÀrken.
Vertrauen entsteht nicht dadurch, dass die Katze keine andere Wahl hat.
Wenn eine Katze schon lange bei dir lebt
Vertrauensaufbau ist nicht nur ein Thema fĂŒr neue oder Ă€ngstliche Katzen.
Auch nach Jahren können wir unsere Interaktion verbessern.
Vielleicht stellen wir fest:
- Die Katze möchte eigentlich weniger gestreichelt werden, als wir dachten.
- Sie mag BerĂŒhrungen am Kopf lieber als am RĂŒcken.
- Sie kommt hÀufiger von selbst, wenn wir sie nicht stÀndig rufen.
- Sie genieĂt gemeinsame Spiele mehr als langes Festhalten.
- Ein bestimmter RĂŒckzugsplatz ist ihr wichtiger, als uns bewusst war.
Eine lange gemeinsame Zeit bedeutet nicht automatisch, dass wir jede Vorliebe unserer Katze richtig einschÀtzen.
Erfahrung mit Katzen macht uns nicht automatisch zu besseren Katzenlesern
Das ist eine interessante Erkenntnis aus einer Untersuchung von 2022.
Menschen mit besonders vielen Jahren eigener Katzenhaltung zeigten in dieser Studie nicht automatisch die katzenfreundlichsten Interaktionsstile.
SelbsteingeschÀtztes Katzenwissen sagte ebenfalls nicht zuverlÀssig voraus, ob Menschen besonders katzengerecht mit den Tieren interagierten.
Das ist keine Kritik an erfahrenen Katzenhaltern.
Es zeigt etwas grundsÀtzlich Wichtiges:
Erfahrung und Wissen sind nicht dasselbe.
Wer zwanzig Jahre lang immer auf dieselbe Weise Katzen streichelt, hat vor allem sehr viel Erfahrung mit genau dieser Art des Streichelns.
Ob sie aus Katzensicht optimal ist, ist eine andere Frage.
Vertrauen bedeutet nicht, dass eine Katze alles mit sich machen lÀsst
Eine besonders problematische Vorstellung lautet:
âWenn meine Katze mir wirklich vertraut, darf ich ĂŒberall anfassen, sie hochheben und jederzeit festhalten.â
Das stimmt nicht.
Eine Katze kann eine enge Beziehung zu einem Menschen haben und trotzdem:
- nicht gern getragen werden,
- BerĂŒhrungen am Bauch ablehnen,
- beim Schlafen nicht gestört werden wollen,
- medizinisches Handling unangenehm finden,
- in bestimmten Situationen Abstand brauchen.
Grenzen sind kein Beweis fĂŒr fehlende Bindung.
Manchmal zeigt sich Vertrauen gerade darin, dass eine Katze gehen darf
Eine Katze kommt auf den SchoĂ.
Nach zwei Minuten steht sie wieder auf.
Wir könnten sie festhalten.
Oder wir lassen sie gehen.
Vielleicht kommt sie zehn Minuten spĂ€ter zurĂŒck.
Dieses freiwillige ZurĂŒckkehren kann wesentlich aussagekrĂ€ftiger sein als eine Katze, die zwanzig Minuten auf dem Arm bleibt, weil sie nicht heruntergelassen wird.
Freiwillig gewÀhlte NÀhe ist etwas anderes als ausgehaltene NÀhe.
Wie lange dauert Vertrauensaufbau?
DafĂŒr gibt es keine seriöse allgemeine Zeitangabe.
Bei einer Katze dauert es vielleicht Stunden.
Bei einer anderen Tage.
Bei einer sehr Àngstlichen Katze Wochen oder Monate.
Und manche Katzen bleiben ihr Leben lang zurĂŒckhaltender als andere.
Das Ziel sollte deshalb nicht sein, eine Katze möglichst schnell in eine bestimmte menschliche Vorstellung von âzutraulichâ zu verwandeln.
Eine Katze kann ein gutes Leben haben, auch wenn sie keine SchoĂkatze wird.
Was beeinflusst, wie schnell eine Katze Vertrauen fasst?
Unter anderem können eine Rolle spielen:
- genetische und individuelle Unterschiede,
- Erfahrungen wĂ€hrend der frĂŒhen Entwicklung,
- frĂŒhere Erfahrungen mit Menschen,
- frĂŒhere negative Erlebnisse,
- Gesundheitszustand und Schmerzen,
- die aktuelle Umgebung,
- andere Tiere im Haushalt,
- die Art menschlicher Interaktion.
Deshalb ist es unfair, zwei Katzen miteinander zu vergleichen.
âDie andere lieĂ sich nach drei Tagen streichelnâ sagt nichts darĂŒber aus, wann diese Katze dazu bereit sein sollte.
Vertrauen kann auch RĂŒckschritte machen
Eine Katze, die gestern sehr mutig war, kann sich heute wieder verstecken.
Das bedeutet nicht automatisch, dass alle Fortschritte verloren sind.
Vielleicht gab es einen ungewöhnlichen LÀrm.
Besuch.
Eine unangenehme Erfahrung.
Oder die Katze fĂŒhlt sich schlicht an diesem Tag unsicherer.
Verhaltensentwicklung verlÀuft nicht immer in einer geraden Linie.
Wichtig ist eher der Verlauf ĂŒber lĂ€ngere Zeit.
Und wenn eine zutrauliche Katze plötzlich misstrauisch wird?
Dann sollte man nicht automatisch davon ausgehen, dass die Beziehung âkaputtâ ist.
Plötzliche VerÀnderungen im Sozialverhalten können auch körperliche Ursachen haben.
Eine Katze mit Schmerzen kann BerĂŒhrungen vermeiden.
Eine kranke Katze kann sich zurĂŒckziehen.
Eine Ă€ltere Katze kann sich durch VerĂ€nderungen des Sehens, Hörens oder ihrer MobilitĂ€t unsicherer fĂŒhlen.
Deutliche neue VerhaltensÀnderungen gehören deshalb tierÀrztlich abgeklÀrt.
Was ist mit Katzen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben?
Hier ist besonders viel Geduld notwendig.
Es wĂ€re allerdings ebenfalls vorschnell, jedes Ă€ngstliche Verhalten automatisch mit âTraumaâ zu erklĂ€ren.
Wir kennen die Vorgeschichte einer Katze hÀufig nicht vollstÀndig.
SchĂŒchternheit kann viele Ursachen haben.
Bei Katzen, die nachweislich schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, können bestimmte Situationen verstÀndlicherweise besonders schwierig sein.
Dann kann kleinschrittiges Training sinnvoll sein.
Bei ausgeprÀgter Angst sollte gegebenenfalls qualifizierte tierÀrztliche Verhaltensexpertise hinzugezogen werden.
Was sollte man bei einer scheuen Katze besser nicht tun?
- sie aus dem Versteck ziehen,
- sie in eine Ecke drÀngen, um sie zu streicheln,
- stÀndig hinter ihr herlaufen,
- sie gegen ihren Willen auf den Arm nehmen,
- sie fĂŒr Fauchen oder RĂŒckzug bestrafen,
- Besucher auffordern, sie unbedingt anzufassen,
- ihre RĂŒckzugsorte blockieren,
- sie mit Futter so stark unter Druck setzen, dass sie fĂŒr die Nahrungsaufnahme NĂ€he ertragen muss, die ihr eigentlich zu viel ist.
Der gemeinsame Nenner ist immer derselbe:
Vertrauen entsteht nicht durch fehlende Fluchtmöglichkeiten.
Was bedeutet âSicherheit schafft Vertrauenâ?
Sicherheit besteht fĂŒr eine Katze nicht nur daraus, dass niemand ihr körperlich wehtut.
Eine katzengerechte Umgebung berĂŒcksichtigt auch ihre grundlegenden BedĂŒrfnisse.
Dazu gehören unter anderem:
- sichere RĂŒckzugsorte,
- erhöhte PlÀtze,
- getrennte wichtige Ressourcen,
- Möglichkeiten zum Kratzen, Spielen und Erkunden,
- ein möglichst respektvoller sozialer Umgang.
Wenn eine Katze stĂ€ndig um einen Futterplatz konkurrieren muss, kein ruhiges Katzenklo erreicht oder keinen sicheren RĂŒckzugsort besitzt, lĂ€sst sich ein Beziehungsproblem nicht allein durch mehr Streicheln lösen.
Mehrkatzenhaushalt: Der Mensch ist nicht die einzige Beziehung
Auch die Beziehungen zwischen Katzen beeinflussen ihr Wohlbefinden.
Eine Katze, die von einer anderen regelmĂ€Ăig blockiert oder verfolgt wird, kann insgesamt vorsichtiger und angespannter wirken.
Deshalb sollte bei plötzlich verÀndertem Verhalten nicht nur die Mensch-Katze-Beziehung betrachtet werden.
Auch Ressourcenverteilung und mögliche Spannungen zwischen den Katzen gehören dazu.
Muss meine Katze mir aus der Hand fressen, damit sie mir vertraut?
Nein.
Aus der Hand fressen kann ein sinnvoller Trainingsschritt sein, wenn die Katze freiwillig mitmacht.
Es ist aber kein VertrauensprĂŒfstein.
Manche Katzen fressen grundsÀtzlich lieber aus einem Napf.
Andere nehmen Futter problemlos aus der Hand und möchten trotzdem nicht gestreichelt werden.
Ein einzelnes Verhalten misst keine gesamte Beziehung.
Muss meine Katze auf meinem SchoĂ schlafen?
Auch nicht.
Manche Katzen suchen sehr engen Körperkontakt.
Andere liegen lieber einen halben Meter entfernt.
Beides kann soziale NĂ€he bedeuten.
Eine Katze, die regelmĂ€Ăig freiwillig denselben Raum aufsucht, neben dir schlĂ€ft oder immer wieder Kontakt aufnimmt, kann eine enge Beziehung haben, ohne jemals eine klassische SchoĂkatze zu sein.
Ist Bauchzeigen ein Vertrauensbeweis?
Auch hier lohnt sich Vorsicht mit einfachen Ăbersetzungen.
Eine Katze, die entspannt auf dem RĂŒcken liegt und ihren Bauch zeigt, kann sich in ihrer Umgebung sehr sicher fĂŒhlen.
Das bedeutet aber nicht automatisch:
âBitte streichle jetzt meinen Bauch.â
Viele Katzen mögen BerĂŒhrungen dort trotzdem nicht.
Ein entspannter Bauch ist deshalb eher eine Körperhaltung als eine Einladung mit eindeutig vorgeschriebener menschlicher Antwort.
Und Schnurren?
Schnurren tritt hÀufig in angenehmen sozialen Situationen auf und kann Teil freundlicher Interaktionen sein.
Es ist aber kein zuverlÀssiger einzelner Vertrauensmesser.
Katzen können auch in Stress-, Schmerz- oder Konfliktsituationen schnurren.
Entscheidend bleibt immer der Gesamtkontext.
Beute bringen â ein Liebesgeschenk?
Auch diese beliebte ErklÀrung ist wissenschaftlich nicht eindeutig abgesichert.
Eine FreigÀngerkatze, die Beute nach Hause bringt, zeigt damit zunÀchst Jagd- beziehungsweise Beutetransportverhalten.
Dass sie die Maus bewusst als Geschenk fĂŒr ihren Menschen erbeutet hat, lĂ€sst sich daraus nicht ableiten.
Wir dĂŒrfen uns ĂŒber die Beziehung zu unserer Katze freuen â ohne jedes Verhalten in eine menschliche LiebeserklĂ€rung ĂŒbersetzen zu mĂŒssen.
Wahr oder Miau?
âJe hĂ€ufiger ich eine scheue Katze streichle, desto schneller vertraut sie mir.â
Miau.
Erzwungener Kontakt kann das Gegenteil bewirken. Freiwilligkeit und die Möglichkeit, Abstand zu nehmen, sind wichtige Grundlagen positiver Interaktionen.
âEs kann beim Vertrauensaufbau helfen, wenn die Katze selbst Kontakt beginnen darf.â
Wahr.
Untersuchungen zur Mensch-Katze-Interaktion zeigen Vorteile von Interaktionen, die der Katze mehr Wahl und Kontrolle ermöglichen.
âWenn eine Katze weggeht, sollte ich ihr folgen, damit sie merkt, dass ich freundlich bin.â
Miau.
Gerade bei einer unsicheren Katze sollte RĂŒckzug respektiert werden.
âViele Katzen bevorzugen BerĂŒhrungen im Gesichts- und Kopfbereich.â
Wahr â mit individuellen Unterschieden.
Wangen, Ohrbasis und teilweise der Bereich unter dem Kinn werden von vielen Katzen eher akzeptiert als beispielsweise Bauch oder Schwanzansatz.
âEine schnurrende Katze vertraut mir immer.â
Miau.
Schnurren kann in positiven Situationen auftreten, ist aber kein eindeutiger alleiniger Vertrauensbeweis.
âLangsames Blinzeln kann Teil positiver Katze-Mensch-Kommunikation sein.â
Wahr.
Eine experimentelle Untersuchung liefert dafĂŒr Hinweise.
âLangsames Blinzeln bedeutet garantiert: Ich liebe dich.â
Miau.
Eine solche wortwörtliche Ăbersetzung geht ĂŒber die wissenschaftlichen Ergebnisse hinaus.
âEine Katze, die nicht gern getragen wird, vertraut ihrem Menschen nicht.â
Miau.
Vorlieben fĂŒr Körperkontakt und Handling sind individuell. Eine enge Beziehung setzt nicht voraus, dass eine Katze alles mit sich machen lĂ€sst.
âRĂŒckzugsorte sollte man auch dann respektieren, wenn man die Katze nur kurz streicheln möchte.â
Wahr.
Ein RĂŒckzugsort erfĂŒllt seine Funktion am besten, wenn die Katze dort tatsĂ€chlich Ruhe finden kann.
Kurz & knapp
- Vertrauen lÀsst sich bei Katzen nicht erzwingen.
- Freiwillige Interaktion ist wichtiger als möglichst viel Körperkontakt.
- Die Katze sollte Kontakt beginnen und beenden können.
- Körpersprache hilft zu erkennen, wann eine Katze eine Pause möchte.
- Wegdrehen, Ausweichen, angespannte Haltung, verÀnderte Ohren- oder Schwanzstellung können Hinweise sein, Abstand zu geben.
- Viele Katzen mögen BerĂŒhrungen an Wangen, Ohrbasis und teilweise unter dem Kinn besonders gern.
- Kurze Streichelpausen können zeigen, ob die Katze weiteren Kontakt sucht.
- RĂŒckzugsorte sollten tatsĂ€chlich ungestört bleiben.
- Vorhersehbare AblÀufe können Sicherheit geben.
- Gemeinsames Spiel kann positive Interaktionen ermöglichen, ohne engen Körperkontakt zu erzwingen.
- ErwĂŒnschtes Verhalten lĂ€sst sich ĂŒber positive VerstĂ€rkung fördern.
- Anschreien, Wasserspritzen und körperliche Bestrafung sind keine gute Grundlage fĂŒr Vertrauen.
- Langsames Blinzeln kann Teil freundlicher Katze-Mensch-Kommunikation sein, ist aber kein garantierter âLiebesbeweisâ.
- Schnurren, Bauchzeigen oder Beutebringen sind ebenfalls keine eindeutigen einzelnen Vertrauensbeweise.
- Eine Katze muss keine SchoĂ- oder Tragekatze sein, um eine enge Beziehung zu ihrem Menschen zu haben.
- Bei plötzlich stĂ€rkerem RĂŒckzug oder verĂ€nderter BerĂŒhrungsempfindlichkeit sollte auch an gesundheitliche Ursachen gedacht werden.
Sieben Wege â aber keine sieben PflichtĂŒbungen
Die sieben Punkte dieses Beitrags sind keine Checkliste, die eine Katze erfĂŒllen muss.
Du musst nicht jeden Tag langsam blinzeln.
Deine Katze muss nicht aus deiner Hand fressen.
Sie muss nicht mit dir kuscheln.
Und Vertrauen lÀsst sich nicht daran messen, wie viele dieser Dinge sie bereits tut.
Die gemeinsame Grundlage ist viel einfacher:
Freiwilligkeit.
Sicherheit.
Vorhersehbarkeit.
Positive Erfahrungen.
Vielleicht kommt eine scheue Katze irgendwann zum ersten Mal auf das Sofa.
Vielleicht lĂ€sst sie sich zum ersten Mal kurz an der Wange berĂŒhren.
Vielleicht schlÀft eine Katze, die schon zehn Jahre bei dir lebt, einfach weiterhin am liebsten mit etwas Abstand.
All das kann völlig in Ordnung sein.
Denn eine gute Beziehung erkennt man nicht daran, wie viel NĂ€he ein Mensch bekommt.
Sondern auch daran, wie viel Wahl eine Katze behalten darf.
Vertrauen kann man nicht erzwingen.
Aber man kann sehr gute Voraussetzungen dafĂŒr schaffen.
Quellen & weiterfĂŒhrende Informationen
Haywood, C. et al. (2021): Providing Humans With Practical, Best Practice Handling Guidelines During Human-Cat Interactions Increases Cats‘ Affiliative Behaviour and Reduces Aggression and Signs of Conflict. Frontiers in Veterinary Science 8:714143. Untersuchung katzenzentrierter Mensch-Katze-Interaktionen mit Schwerpunkt auf Wahlmöglichkeit, Körpersprache und BerĂŒhrung.
Finka, L. R. et al. (2022): Investigation of humans‘ individual differences as predictors of their animal interaction styles, focused on the domestic cat. Scientific Reports 12:12128. Untersuchung unterschiedlicher menschlicher Interaktionsstile und ihrer Ăbereinstimmung mit katzenfreundlichen Prinzipien.
Humphrey, T. et al. (2020): The role of cat eye narrowing movements in cat-human communication. Scientific Reports 10:16503. Experimentelle Untersuchung sogenannter Slow-Blink-Sequenzen zwischen Katzen und Menschen.
Ellis, S. L. H. et al. (2013): AAFP and ISFM Feline Environmental Needs Guidelines. Journal of Feline Medicine and Surgery. Leitlinien zu grundlegenden UmweltbedĂŒrfnissen von Katzen, darunter sichere RĂŒckzugsorte, Ressourcen und positive, vorhersehbare Mensch-Katze-Interaktionen.
Rodan, I. et al. (2022): AAFP/ISFM Cat Friendly Veterinary Interaction Guidelines: Approach and Handling Techniques. Journal of Feline Medicine and Surgery. Leitlinien zu katzenfreundlicher Interaktion, Körpersprache, emotionalem Zustand sowie Wahl und wahrgenommener Kontrolle.
Cats Protection: Shy Cats â How to Help Your Cat Relax. Empfehlungen fĂŒr schĂŒchterne und Ă€ngstliche Katzen, unter anderem zu RĂŒckzugsorten, Routine, freiwilliger AnnĂ€herung, Geduld und ruhiger Interaktion.

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