Schnurren verbinden wir fast automatisch mit einer glücklichen Katze.
Mo liegt entspannt daneben, die Augen halb geschlossen, der Körper locker – und der kleine Motor läuft.
In so einer Situation spricht vieles dafür, dass er sich wohlfühlt.
Aber Schnurren bedeutet nicht automatisch: „Mir geht es gut.“
Katzen können auch schnurren, wenn sie gestresst sind, Angst haben, Schmerzen haben oder krank sind.
Deshalb lohnt es sich, nicht nur auf das Geräusch zu hören, sondern immer die gesamte Katze und die Situation zu betrachten.
Warum schnurren Katzen?
Darauf gibt es keine einzige Antwort.
Schnurren ist Teil der Kommunikation von Katzen und kann in verschiedenen Situationen auftreten.
Besonders häufig hören wir es bei angenehmen sozialen Kontakten:
- beim Streicheln
- beim gemeinsamen Ruhen
- beim Dösen
- im Kontakt mit vertrauten Menschen oder Katzen
Eine entspannt liegende Katze, die schnurrt, vielleicht langsam blinzelt und eine lockere Körperhaltung zeigt, fühlt sich wahrscheinlich tatsächlich wohl.
Doch Schnurren kommt eben nicht ausschließlich in solchen Situationen vor.
Katzen können auch bei Stress oder Angst schnurren
Manche Katzen schnurren beispielsweise in der Tierarztpraxis oder in anderen ungewohnten Situationen.
Das bedeutet nicht unbedingt, dass ihnen die Situation gefällt.
Schnurren kann auch auftreten, wenn eine Katze angespannt oder verunsichert ist.
Warum Katzen in solchen Situationen schnurren, ist noch nicht vollständig geklärt. Es wird unter anderem diskutiert, ob Schnurren in manchen Situationen eine beruhigende Funktion für die Katze selbst haben könnte.
Sicher ist vor allem: Schnurren allein verrät uns nicht zuverlässig, wie sich eine Katze gerade fühlt.
Auch Katzen mit Schmerzen können schnurren
Das ist besonders wichtig.
Eine Katze kann schnurren und trotzdem Schmerzen haben oder krank sein.
Katzen zeigen Beschwerden häufig eher durch kleine Veränderungen ihres normalen Verhaltens als durch offensichtliches Jammern.
Deshalb sollte Schnurren niemals dazu führen, andere Warnzeichen zu übersehen.
Auffällig können zum Beispiel sein:
- ungewöhnlicher Rückzug
- weniger Fressen oder Trinken
- eine veränderte Körperhaltung
- weniger Bewegung
- Schwierigkeiten beim Springen
- Unruhe
- ungewohntes Verhalten
Wenn eine Katze plötzlich deutlich anders wirkt als sonst, sollte das tierärztlich abgeklärt werden – auch dann, wenn sie dabei schnurrt.
Schnurren beginnt schon sehr früh
Schnurren gehört schon früh zum Leben einer Katze.
Kitten können bereits in sehr jungem Alter schnurren. In der Kommunikation zwischen Mutterkatze und ihren Jungen spielen verschiedene Laute eine Rolle, darunter auch Schnurren.
Eine wissenschaftliche Übersicht zur Lautkommunikation von Hauskatzen beschreibt Schnurren unter anderem als leisen Nahkontaktlaut. Bei säugenden Kitten wurde es als mögliches Signal beschrieben, dass während des engen Kontakts mit der Mutter alles in Ordnung ist.
Damit beginnt Schnurren also lange bevor eine Katze mit uns Menschen auf dem Sofa liegt.
Der Kontext macht den Unterschied
Statt nur zu fragen: „Schnurrt meine Katze?“, ist es sinnvoller, zusätzlich hinzuschauen:
- Wie liegt oder sitzt sie?
- Sind ihre Muskeln entspannt?
- Wie hält sie Ohren und Schwanz?
- Frisst sie normal?
- Bewegt sie sich wie sonst?
- Sucht sie freiwillig Kontakt?
Und vor allem: Passt ihr gesamtes Verhalten zu der Situation?
Ein schnurrender Mo, der ausgestreckt auf der Decke liegt und kaum die Augen offenhalten kann, erzählt eine andere Geschichte als eine schnurrende Katze, die angespannt in einer Transportbox beim Tierarzt sitzt.
Das Geräusch kann dasselbe sein. Die Situation ist es nicht.
Kurz & knapp
- Schnurren tritt häufig bei entspannten und zufriedenen Katzen auf.
- Katzen können aber auch bei Stress oder Angst schnurren.
- Auch Schmerzen und Erkrankungen schließen Schnurren nicht aus.
- Kitten beginnen schon sehr früh zu schnurren.
- Schnurren ist Teil der Kommunikation von Katzen.
- Körperhaltung, Verhalten und Situation müssen immer mitbeurteilt werden.
