Neue Katze zieht ein – einfach zusammensetzen?

Eine neue Katze kommt nach Hause – und irgendwann sollen sich die Katzen kennenlernen.

Also Tür auf und schauen, was passiert?

Besser nicht.

Katzen sind territorial. Eine fremde Katze im eigenen Zuhause kann deshalb zunächst Stress auslösen, selbst wenn beide Tiere grundsätzlich sozial mit Artgenossen sind.

Eine langsame Vergesellschaftung gibt ihnen die Möglichkeit, sich erst aneinander zu gewöhnen, bevor direkter Kontakt entsteht.

Das Ziel muss dabei übrigens nicht sein, dass beide später zusammengekuschelt schlafen.

Friedlich und entspannt miteinander leben zu können, ist bereits ein Erfolg.

Schritt 1: Erst einmal getrennt ankommen

Die neue Katze sollte zunächst einen eigenen Bereich bekommen.

Dort braucht sie alles, was sie für die ersten Tage benötigt:

  • Futter und Wasser
  • eine Katzentoilette
  • Schlaf- und Rückzugsplätze
  • Kratzmöglichkeiten

So kann sie erst einmal in Ruhe ankommen.

Auch die bereits dort lebende Katze behält zunächst ihr gewohntes Revier.

Beide wissen bereits, dass da „jemand Neues“ ist – müssen sich aber noch nicht direkt miteinander auseinandersetzen.

Schritt 2: Kennenlernen über die Nase

Gerüche spielen für Katzen eine wichtige Rolle.

Noch bevor sie sich sehen, können die Katzen deshalb zunächst mit dem Geruch der jeweils anderen vertraut werden.

Dafür können beispielsweise Decken, Liegeunterlagen oder andere Gegenstände zwischen den Bereichen ausgetauscht werden.

Die Katze darf selbst entscheiden, ob sie daran schnuppern möchte.

Ziel ist nicht, dass sie den fremden Geruch sofort großartig findet.

Er soll einfach nach und nach weniger fremd werden.

Schritt 3: Sehen – aber noch mit Abstand

Wenn beide Katzen mit dem Geruch der anderen zunehmend ruhig umgehen, kann der erste Sichtkontakt folgen.

Eine sichere Barriere – beispielsweise eine geeignete Gitter- oder Netztür – ermöglicht ihnen, einander zu sehen und zu riechen, ohne direkt aufeinander zuzugehen.

Auch hier gilt:

Kein Zwang.

Beide Katzen sollten jederzeit Abstand nehmen und sich zurückziehen können.

Kurze, ruhige Begegnungen sind oft sinnvoller als ein langes Treffen, das irgendwann kippt.

Schritt 4: Die erste direkte Begegnung

Erst wenn die vorherigen Schritte ruhig funktionieren, folgt der direkte Kontakt.

Dabei sollten genügend Platz und Fluchtmöglichkeiten vorhanden sein.

Die Katzen dürfen:

  • sich anschauen
  • sich vorsichtig nähern
  • schnuppern
  • wieder weggehen

Sie müssen nicht sofort miteinander spielen oder nebeneinander sitzen.

Gerade beim ersten Treffen kann Abstand völlig normal sein.

Fauchen bedeutet nicht automatisch: „Das wird nichts“

Eine Katze kann bei einer Vergesellschaftung fauchen.

Das ist zunächst Kommunikation.

Sinngemäß sagt sie damit:

„Du bist mir gerade zu nah.“

Ein einzelnes Fauchen bedeutet deshalb nicht automatisch, dass die Katzen niemals miteinander auskommen werden.

Wichtiger ist das Gesamtbild.

Kann eine Katze anschließend Abstand nehmen?

Beruhigt sich die Situation wieder?

Respektiert die andere Katze ihre Grenze?

Dann muss ein Fauchen noch kein Grund sein, die Vergesellschaftung abzubrechen.

Wann sollte man wieder einen Schritt zurückgehen?

Anders sieht es aus, wenn die Situation deutlich eskaliert.

Zum Beispiel wenn:

  • eine Katze die andere dauerhaft verfolgt
  • Fluchtwege blockiert werden
  • eine Katze sich kaum noch aus ihrem Versteck traut
  • es zu ernsthaften Kämpfen kommt
  • eine der Katzen dauerhaft stark gestresst wirkt

Dann sollte man die Tiere wieder trennen und zu einem früheren Schritt zurückkehren.

Eine langsamere Vergesellschaftung ist kein Rückschritt.

Sie bedeutet nur, dass die Katzen mehr Zeit brauchen.

Jede Katze braucht eigene Ressourcen

Auch nach der Zusammenführung sollten wichtige Dinge nicht nur einmal vorhanden sein.

Dazu gehören unter anderem:

  • Futterstellen
  • Wasserstellen
  • Katzentoiletten
  • Schlafplätze
  • Rückzugsorte
  • Kratzmöglichkeiten

So muss keine Katze ständig an der anderen vorbei, um an etwas Wichtiges zu gelangen.

Gerade bei Katzen, die sich zwar akzeptieren, aber keine engen Freunde werden, kann das viel Stress verhindern.

Wie lange dauert eine Vergesellschaftung?

Dafür gibt es keine feste Zahl.

Manche Katzen akzeptieren sich erstaunlich schnell.

Andere brauchen mehrere Wochen oder länger.

Bei einem Kitten und einer entspannten erwachsenen Katze können einzelne Schritte manchmal schneller gehen als bei zwei erwachsenen Katzen.

Aber auch dafür gibt es keine Garantie.

Das Tempo bestimmen letztlich die Katzen.

Bei uns ist die letzte Phase ziemlich pragmatisch 😅

Wenn alle etwas angekommen sind und die ersten Schritte funktionieren, machen wir irgendwann die Tür auf und beobachten sehr genau, was passiert.

Aber eben nicht am ersten Tag.

Manche Katzen begegnen sich mit einem kurzen Fauchen und gehen anschließend wieder ihrer Wege.

Andere brauchen deutlich länger.

Wir erwarten dabei nicht, dass jede neue Katze sofort Mos beste Freundin wird.

Für uns ist das wichtigste Ziel:

Alle sollen sich im gemeinsamen Zuhause sicher bewegen und friedlich miteinander leben können.

Alles darüber hinaus ist ein Bonus.

Kurz & knapp

  1. Neue Katze zunächst getrennt ankommen lassen.
  2. Gerüche der Katzen miteinander bekannt machen.
  3. Sichtkontakt durch eine sichere Barriere ermöglichen.
  4. Erst danach direkte Begegnungen zulassen.
  5. Rückzugsmöglichkeiten und getrennte Ressourcen anbieten.
  6. Bei deutlichem Stress wieder einen Schritt zurückgehen.
  7. Das Tempo nicht nach einem festen Zeitplan bestimmen.

Langsam kennenlernen statt einfach zusammensetzen.

Denn eine gute Vergesellschaftung bedeutet nicht, dass zwei Katzen sofort Freunde werden.

Sie bedeutet zuerst einmal, dass beide lernen können:

Hier ist auch mit der anderen Katze ein sicherer Platz für mich.


Quellen

Cats Protection: „Introducing Cats & Kittens“
Empfehlungen zur schrittweisen Vergesellschaftung über getrennte Bereiche, Geruchsaustausch, Sichtkontakt und anschließende direkte Begegnungen.

Cats Protection: „Cats and Fighting“
Informationen zu langsamen Zusammenführungen, sicheren Rückzugsmöglichkeiten und dem Vorgehen, wenn Begegnungen eskalieren.

Feline Veterinary Medical Association (FelineVMA): „Understanding the Needs of Your Cat and Their Behavior“
Informationen zum Territorialverhalten von Katzen, zur Bedeutung von Gerüchen sowie zu getrennten Ressourcen und Rückzugsbereichen in Mehrkatzenhaushalten.

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