„Katzen sind Einzelgänger.“
Diesen Satz hört man ziemlich oft. Als allgemeine Aussage über alle Katzen greift er aber zu kurz.
Denn Katzen sind vor allem Einzeljäger. Sie jagen kleine Beutetiere normalerweise allein und sind dabei nicht auf die Zusammenarbeit mit anderen Katzen angewiesen.
Das bedeutet aber nicht, dass sie grundsätzlich allein leben möchten.
Katzen können enge soziale Beziehungen zu Artgenossen aufbauen, miteinander spielen, sich gegenseitig putzen, gemeinsam ruhen und die Nähe einer vertrauten Katze suchen.
Einzeljäger ist nicht gleich Einzelgänger
Der entscheidende Unterschied liegt im Verhalten. Bei der Jagd ist die Katze meist auf sich allein gestellt. Im sozialen Leben kann sie dagegen erstaunlich flexibel sein.
Auch frei lebende Katzen können stabile soziale Gruppen bilden, wenn ausreichend Nahrung und andere wichtige Ressourcen vorhanden sind. Besonders häufig entstehen solche Gruppen zwischen verwandten weiblichen Katzen und ihren Nachkommen.
Deshalb wäre die Aussage „Katzen brauchen grundsätzlich keine anderen Katzen“ genauso zu einfach wie „Jede Katze muss mit einer zweiten Katze zusammenleben“.
Beides wird ihrer Individualität nicht gerecht.
Wann können zwei Katzen voneinander profitieren?
Gut miteinander harmonierende Katzen können sich gegenseitig Gesellschaft bieten.
Sie können:
- miteinander spielen
- gemeinsam ruhen
- sich gegenseitig putzen
- miteinander kommunizieren
- ihre Umgebung gemeinsam erkunden
Gerade bei jungen Katzen ist ein passender Artgenosse ein wichtiger Spiel- und Sozialpartner. Im gemeinsamen Spiel lernen sie auch den Umgang miteinander.
Für Wohnungskatzen kann eine harmonische Katzenbeziehung zusätzliche soziale Kontakte und Beschäftigung bieten.
Das funktioniert allerdings nur dann gut, wenn die Katzen tatsächlich miteinander zurechtkommen.
Woran erkennt man eine gute Katzenfreundschaft?
Katzen, die sich wirklich mögen, zeigen häufig freiwillig Nähe.
Zum Beispiel:
- Sie schlafen entspannt dicht beieinander.
- Sie begrüßen sich mit Nasenkontakt.
- Sie reiben sich aneinander.
- Sie putzen sich gegenseitig.
- Sie spielen miteinander.
- Sie suchen immer wieder freiwillig die Nähe der anderen Katze.
Dabei müssen befreundete Katzen keineswegs ständig zusammenliegen. Auch Katzen, die sich gut verstehen, verbringen einen Teil ihres Tages getrennt voneinander.
Wichtig ist das Gesamtbild: Einzelne Begegnungen sagen weniger aus als ein über längere Zeit entspanntes, freiwilliges Miteinander.
Zwei Katzen sind nicht automatisch glücklicher
Eine zweite Katze ist kein Beschäftigungsgegenstand für die erste.
Ob zwei Katzen harmonieren, hängt unter anderem von ihrem Charakter, ihren bisherigen Erfahrungen und ihrem Sozialverhalten ab.
Zwei Tiere einfach zusammenzusetzen, kann deshalb auch Stress verursachen. Neben einer passenden Auswahl ist eine behutsame Zusammenführung wichtig.
Manche Katzen tolerieren einander lediglich. Andere gehen sich möglichst aus dem Weg. Und manche geraten immer wieder in Konflikte.
Deshalb ist bei einer Vergesellschaftung nicht nur die Anzahl der Katzen wichtig, sondern vor allem, ob die Tiere zueinander passen.
Wann kann eine Katze allein glücklicher sein?
Es gibt Katzen, die keine enge Beziehung zu anderen Katzen suchen und mit einem Zuhause ohne weitere Katze besser zurechtkommen.
Ihre bisherigen Erfahrungen mit Artgenossen und ihre frühe soziale Entwicklung können dabei eine Rolle spielen.
Lange Einzelhaltung allein beweist aber noch nicht, dass eine Katze grundsätzlich keine Artgenossen möchte. Ebenso bedeutet eine schlechte Erfahrung mit einer bestimmten Katze nicht automatisch, dass jede andere Katzenbeziehung scheitern würde.
Eine ältere Katze, die seit vielen Jahren zufrieden allein lebt, braucht dennoch nicht automatisch einen neuen Mitbewohner.
Eine zweite Katze sollte deshalb nicht aus einem schlechten Gewissen heraus angeschafft werden. Entscheidend sind die Bedürfnisse und das bisherige Verhalten der einzelnen Katze.
Zusammenleben bedeutet auch Platz für Abstand
Selbst Katzen, die miteinander auskommen, möchten nicht alles teilen.
In einem Mehrkatzenhaushalt sollten deshalb wichtige Ressourcen mehrfach und möglichst räumlich getrennt vorhanden sein.
Dazu gehören beispielsweise:
- Futterplätze
- Wasserstellen
- Katzentoiletten
- Schlafplätze
- Rückzugsorte
- Kratzmöglichkeiten
So kann jede Katze ihre wichtigen Plätze erreichen, ohne dabei ständig einer anderen Katze begegnen zu müssen. Sie kann selbst entscheiden, wann sie Nähe möchte und wann lieber Abstand.
Kurz & knapp
Katzen sind Einzeljäger. Aber sie sind nicht automatisch soziale Einzelgänger.
Viele Katzen können enge Beziehungen zu Artgenossen entwickeln. Zwei passende Katzen können sich gegenseitig bereichern.
Eine zweite Katze ist aber nicht für jedes Tier automatisch die richtige Entscheidung.
Charakter, Erfahrungen und die Beziehung zwischen den Katzen sind wichtiger als eine pauschale Regel.
Eine oder zwei Katzen?
Darauf gibt es keine Antwort, die für jede Katze gilt.
Bei manchen Katzen ist ein Artgenosse ein enger Freund, Spielpartner und Teil ihres Alltags. Andere kommen ohne eine weitere Katze im Zuhause besser zurecht.
Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten: „Braucht eine Katze eine zweite Katze?“
Sondern: „Was braucht genau diese Katze?“
Denn auch beim Sozialleben gilt: Jede Katze ist ein Individuum.
Quellen & weiterführende Informationen
Merck Veterinary Manual: Social Behavior of Cats (englisch). Fachinformationen zu Sozialverhalten, Katzenbeziehungen, sozialer Entwicklung und räumlich getrennten Ressourcen.
Merck Veterinary Manual: Normal Social Behavior in Cats (englisch). Informationen zu Einzeljagd, sozialen Gruppen und individuellen Unterschieden im Zusammenleben.

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