Katze oder Kater – gibt es Unterschiede?

„Kater sind verschmuster und verspielter. Katzen sind eigenwilliger und territorialer.“

Solche Aussagen hört man häufig. Ganz so einfach ist es aber nicht.

Bei Katzen gibt es zwar Unterschiede zwischen den Geschlechtern – besonders bei unkastrierten Tieren. Für den eigentlichen Charakter einer Katze sind Geschlecht und Hormone aber nur ein Teil des Ganzen.

Genetik, frühe Erfahrungen, Sozialisation, Haltung und die individuelle Entwicklung spielen ebenfalls eine große Rolle.

Sind Kater wirklich verschmuster?

Dafür gibt es keine allgemeingültige Regel.

Ein Kater kann sehr menschenbezogen sein – eine weibliche Katze genauso. Ebenso können beide unabhängig von ihrem Geschlecht zurückhaltend, verspielt, selbstbewusst oder ruhig sein.

Gerade nach der Kastration verlieren viele hormonbedingte Verhaltensunterschiede an Bedeutung. Das Geschlecht allein sagt deshalb wenig darüber aus, wie verschmust oder verspielt das einzelne Tier ist.

Deshalb ist es sinnvoller, eine Katze nach ihrem individuellen Charakter auszuwählen als nach der Vorstellung, ein bestimmtes Geschlecht müsse sich auf eine bestimmte Weise verhalten.

Ein Unterschied: die Körpergröße

Kater sind im Durchschnitt größer und kräftiger gebaut als weibliche Katzen vergleichbarer Herkunft.

Wie deutlich dieser Unterschied ausfällt, hängt aber auch von Genetik und Körperbau der einzelnen Katze ab.

Auch hier gilt deshalb: Es handelt sich um eine Tendenz – nicht um eine feste Regel.

Bei unkastrierten Katzen werden die Unterschiede deutlicher

Die deutlichsten geschlechtstypischen Verhaltensunterschiede zeigen sich beim Fortpflanzungsverhalten.

Unkastrierte Kater

Geschlechtsreife Kater können unter dem Einfluss ihrer Hormone stärker dazu neigen:

  • größere Gebiete zu durchstreifen
  • nach paarungsbereiten Katzen zu suchen
  • mit Urin zu markieren
  • sich mit anderen Katern auseinanderzusetzen

Eine Kastration kann solche hormonabhängigen Verhaltensweisen deutlich reduzieren.

Unkastrierte weibliche Katzen

Bei unkastrierten weiblichen Katzen können ab der Geschlechtsreife wiederholt Rolligkeitsphasen auftreten. Der Zyklus wird unter anderem von der Tageslichtdauer beeinflusst.

Während der Rolligkeit können sie beispielsweise:

  • deutlich mehr rufen oder miauen
  • unruhiger wirken
  • verstärkt Nähe suchen und sich an Gegenständen oder Menschen reiben
  • typische Paarungshaltungen zeigen, etwa das Hinterteil anheben und den Schwanz zur Seite halten

Diese Verhaltensweisen hängen mit dem Fortpflanzungszyklus zusammen und sagen wenig darüber aus, wie die Katze außerhalb dieser Phase charakterlich ist.

Was verändert die Kastration?

Mit der Kastration fallen viele Verhaltensweisen weg oder werden schwächer, die unmittelbar durch Sexualhormone beeinflusst werden.

Beim Kater betrifft das beispielsweise häufig Streunen, Urinmarkieren und Kämpfe mit anderen Katern. Bei weiblichen Katzen entfällt die Rolligkeit.

Nicht jedes Markieren und nicht jeder Konflikt ist jedoch hormonbedingt. Deshalb können solche Verhaltensweisen auch bei kastrierten Tieren vorkommen.

Die Kastration macht aus einer Katze aber nicht automatisch eine völlig andere Persönlichkeit. Ob sie gerne spielt, Körperkontakt sucht oder eher Abstand hält, lässt sich daraus allein nicht ableiten.

Was prägt den Charakter?

Wie sich eine Katze später verhält, hängt von vielen Faktoren ab.

Dazu gehören unter anderem:

  • genetische Veranlagung
  • Erfahrungen während der frühen Entwicklung
  • Kontakt zu Menschen und anderen Katzen
  • bisherige Lebensbedingungen
  • positive oder negative Erfahrungen
  • Alter und Gesundheitszustand

Schon deshalb lassen sich Katzen nicht sinnvoll in zwei einfache Gruppen einteilen: „So sind Kater“ und „so sind Katzen“.

Dafür sind sie viel zu unterschiedlich.

Katze oder Kater – was passt besser?

Wer eine Katze aufnehmen möchte, muss sich deshalb nicht zuerst für ein Geschlecht entscheiden.

Viel hilfreicher sind Fragen wie:

  • Passt ihr Temperament zu meinem Alltag?
  • Ist sie eher ruhig oder sehr aktiv?
  • Wie menschenbezogen ist sie?
  • Wie kommt sie mit anderen Katzen zurecht?
  • Welche Haltung kennt sie bisher?

Gerade bei erwachsenen Katzen können Tierheime oder Pflegestellen oft schon einiges über den Charakter des einzelnen Tieres erzählen.

Das hilft bei der Auswahl meistens mehr als das Geschlecht allein.

Kurz & knapp

  • Kater sind durchschnittlich größer und kräftiger als weibliche Katzen vergleichbarer Herkunft.
  • Die deutlichsten Verhaltensunterschiede zeigen unkastrierte Tiere beim Fortpflanzungsverhalten.
  • Kastration reduziert viele hormonabhängige Verhaltensweisen.
  • „Kater sind verschmust“ oder „Katzen sind zickig“ sind keine verlässlichen Regeln.
  • Genetik, Erfahrungen und Sozialisation prägen eine Katze mit.
  • Besonders bei kastrierten Tieren ist das Geschlecht allein kein guter Maßstab für den Charakter.

Der Charakter ist wichtiger als das Geschlecht

Ob Katze oder Kater: Beide können verschmust, unabhängig, verspielt, ruhig, mutig oder zurückhaltend sein.

Wer einen passenden Begleiter sucht, sollte deshalb weniger auf das Geschlecht schauen und mehr auf das Tier selbst.

Denn am Ende zieht eine ganz eigene Persönlichkeit ein.


Quellen & weiterführende Informationen

Merck Veterinary Manual: Selecting a Cat (englisch). Informationen zur Auswahl einer Katze und zu den Ähnlichkeiten im Verhalten kastrierter männlicher und weiblicher Katzen.

Merck Veterinary Manual: Social Behavior of Cats (englisch). Fachinformationen zu Fortpflanzungsverhalten, Sexualhormonen, Kastration und sozialer Entwicklung.

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