Katzenrassen – was bedeutet das eigentlich?

Maine Coon, Britisch Kurzhaar, Siamkatze, Perserkatze – manche Katzenrassen erkennt man scheinbar auf den ersten Blick.

Doch wann ist eine Katze tatsächlich eine Rassekatze?

Und wie viele Katzenrassen gibt es überhaupt?

Die Antwort ist überraschend kompliziert, denn es gibt keine weltweit verbindliche Liste aller Katzenrassen.

Außerdem gilt: Nur weil eine Katze aussieht wie eine bestimmte Rasse, gehört sie nicht automatisch zu ihr.

Was ist eigentlich eine Katzenrasse?

Eine Katzenrasse ist eine über Generationen gezielt gezüchtete Population von Hauskatzen mit bestimmten vererbbaren Merkmalen.

Zuchtverbände legen dafür sogenannte Rassestandards fest.

Darin wird zum Beispiel beschrieben:

  • welche Körperform typisch ist,
  • wie Kopf, Ohren und Augen aussehen sollen,
  • welche Felllängen, Farben oder Zeichnungen anerkannt werden
  • und welche weiteren Merkmale zu dieser Rasse gehören.

Welche Katzen als eigene Rasse anerkannt werden und wie einzelne Varianten eingeordnet werden, entscheidet allerdings jeder große Katzenzuchtverband nach seinen eigenen Regeln.

Wie viele Katzenrassen gibt es?

Eine einzige richtige Zahl gibt es deshalb nicht.

Zu den großen internationalen Verbänden gehören beispielsweise FIFe, CFA und TICA.

Aktuell werden dort unterschiedlich viele Rassen geführt:

  • FIFe: rund 48 vollständig anerkannte Rassen
  • CFA: rund 45 anerkannte Rassen
  • TICA: derzeit 73 anerkannte Rassen

Die Unterschiede entstehen unter anderem dadurch, dass einzelne Verbände Langhaar- und Kurzhaarvarianten unterschiedlich behandeln oder bei neuen beziehungsweise verwandten Rassen zu verschiedenen Entscheidungen kommen.

Eine Angabe wie „Es gibt genau 50 Katzenrassen auf der Welt“ ist deshalb immer zu pauschal.

Ist eine Hauskatze eine Katzenrasse?

Nein – jedenfalls nicht als einzelne Rassebezeichnung.

Der Begriff „Hauskatze“ kann allgemein für domestizierte Katzen verwendet werden.

Im Alltag meint man damit aber häufig eine Katze, die keiner bestimmten anerkannten Rasse zugeordnet ist.

Eine ganz normale kurzhaarige Katze vom Bauernhof, aus dem Tierheim oder aus einem privaten Wurf wird deshalb nicht automatisch zu einer Rassekatze.

Und sie braucht natürlich auch überhaupt keine Rassezugehörigkeit, um eine ziemlich hervorragende Katze zu sein. 🐱

Hauskatze und Europäisch Kurzhaar sind nicht dasselbe

Gerade hier entsteht häufig Verwirrung.

Europäisch Kurzhaar beziehungsweise „European“ ist eine tatsächlich anerkannte Katzenrasse.

Bei der FIFe trägt sie beispielsweise den Rassecode EUR und besitzt einen eigenen Standard.

Eine beliebige kurzhaarige Hauskatze ist deshalb nicht automatisch eine Europäisch Kurzhaar.

Auch wenn sie optisch sehr ähnlich aussehen kann.

Kann man eine Rasse am Aussehen erkennen?

Manchmal kann man eine Vermutung äußern.

Beweisen lässt sich die Rassezugehörigkeit allein durch das Aussehen aber meist nicht.

Viele Merkmale kommen auch bei Katzen ohne Rassezugehörigkeit vor:

  • langes Fell,
  • blaue Augen,
  • Point-Zeichnung,
  • bestimmte Fellfarben
  • oder eine große Körperform.

Eine große langhaarige Katze ist also nicht automatisch eine Maine Coon.

Eine graue, kräftige Katze ist nicht automatisch Britisch Kurzhaar.

Und selbst eine Katze mit dunkler Maske und blauen Augen muss keine Siamkatze sein.

Auch die CFA weist beispielsweise darauf hin, dass das typische Point-Muster nicht ausschließlich bei Siamkatzen vorkommt.

Vier bekannte Beispiele

Maine Coon:
Eine große, kräftige Langhaarkatze mit langem Schwanz und häufig auffälligen Haarbüscheln an den Ohren.

Britisch Kurzhaar:
Typisch sind ein kompakter Körperbau, dichtes kurzes Fell und ein rundlicher Gesamteindruck.

Siamkatze:
Eine schlanke Rasse mit großen Ohren, blauen Augen und charakteristischer Point-Zeichnung.

Perserkatze:
Eine bekannte Langhaarrasse mit sehr dichtem Fell und kompakter Körperform.

Innerhalb jeder Rasse gibt es selbstverständlich individuelle Unterschiede.

Rasse bedeutet nicht automatisch bestimmter Charakter

Bei gezielter Zucht können neben körperlichen Merkmalen auch bestimmte Verhaltenstendenzen häufiger auftreten.

Eine Rassebeschreibung ist trotzdem keine Garantie für den Charakter einer einzelnen Katze.

Persönlichkeit entsteht aus vielen Einflüssen – darunter Genetik, frühe Erfahrungen, Sozialisation, Haltung und individuelle Entwicklung.

Auch innerhalb derselben Rasse können zwei Katzen deshalb ziemlich unterschiedlich sein.

Und wenn Zucht zum Problem wird?

Dass ein Merkmal in einem Rassestandard vorkommt oder gezielt gezüchtet wird, bedeutet nicht automatisch, dass es gesundheitlich unproblematisch ist.

Bei manchen Zuchtmerkmalen können gesundheitliche Folgen eine wichtige Rolle spielen.

Das Thema Qualzucht und gesundheitlich problematische Merkmale ist allerdings groß genug für einen eigenen Beitrag – und genau dort schauen wir uns das genauer an.

Kurz & knapp

  • Eine Katzenrasse ist eine gezielt gezüchtete Population mit definierten und vererbbaren Merkmalen.
  • Zuchtverbände legen eigene Rassestandards und Anerkennungsregeln fest.
  • Deshalb gibt es keine weltweit verbindliche Zahl aller Katzenrassen.
  • FIFe erkennt rund 48, CFA rund 45 und TICA derzeit 73 Rassen an.
  • Eine Hauskatze ohne nachgewiesene Rassezugehörigkeit ist keine eigene Katzenrasse.
  • Europäisch Kurzhaar ist dagegen eine anerkannte Rasse mit eigenem Standard.
  • Das Aussehen allein beweist keine Rassezugehörigkeit.

Und Mo?

Mo braucht keine Rassebezeichnung.

Rot getigert, weiße Pfoten, ziemlich große Ohren und eine sehr klare Vorstellung davon, wem der bequemste Platz im Haus gehört.

Für all das reicht die Bezeichnung „Mo“ vollkommen aus. 😅🐱

Quellen

FIFe – Fédération Internationale Féline: Breeds
Offizielle Übersicht der vollständig und vorläufig anerkannten Katzenrassen sowie ihrer Standards. Die Europäisch Kurzhaar wird bei FIFe als „European“ mit dem Code EUR geführt.
https://fifeweb.org/cats/breeds/

CFA – The Cat Fanciers‘ Association: Breeds
Offizielle Übersicht der von der CFA anerkannten Katzenrassen und ihrer Rassemerkmale.
https://cfa.org/breeds/

CFA – Breed Definition
Die CFA definiert eine Rasse als eine von ihrem Verband anerkannte Gruppe von Hauskatzen mit unterscheidbaren Merkmalen.
https://cfa.org/cat-talk/preserving-genetic-diversity-in-the-cat-fancy/

TICA – Browse All Breeds
Aktuelle Rassenübersicht der International Cat Association. TICA führt derzeit 73 anerkannte Katzenrassen.
https://tica.org/ticas-breeds/browse-all-breeds/

CFA – „Patterns in the Domesticated Cat – The Pointed Patterns“
Erklärt unter anderem, dass das typische Point-Muster nicht ausschließlich bei Siamkatzen vorkommt und eine Katze mit diesem Aussehen deshalb nicht automatisch eine Siamkatze ist.
https://cfa.org/cat-talk/patterns-in-the-domesticated-cat-part-3-pointed-patterns/

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