Miau ist nicht gleich Miau – was uns Tonhöhe, Länge und Melodie verraten können

Ein kurzes „Miau“ zur Begrüßung klingt oft ganz anders als das hartnäckige Rufen vor dem Futternapf.

Und spätestens in der Transportbox kann eine Katze noch einmal ein völlig anderes Stimmregister auspacken.

Das ist nicht nur Einbildung: Katzen können ihre Miaus in Tonhöhe, Dauer, Lautstärke, Klang und Melodieverlauf verändern.

Eine feste Übersetzung nach dem Muster „dieses Miau bedeutet immer genau das“ gibt es allerdings nicht.

Um eine Katze zu verstehen, braucht man deshalb nicht nur die Ohren – sondern auch Augen und Kontext.

Warum miauen Katzen überhaupt?

Katzen besitzen ein ganzes Repertoire unterschiedlicher Lautäußerungen.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Miauen,
  • Trillern oder Gurren,
  • Schnurren,
  • Fauchen und Knurren
  • sowie Zwitschern oder Schnattern.

Das Miauen ist dabei besonders interessant, weil erwachsene Hauskatzen es häufig in der Kommunikation mit Menschen einsetzen.

Zwischen erwachsenen Katzen spielen dagegen oft andere Kommunikationswege eine größere Rolle – etwa Körperhaltung, Geruchssignale oder andere Lauttypen.

Das heißt nicht, dass Katzen untereinander niemals miauen. Aber im Zusammenleben mit Menschen ist das Miau besonders auffällig und flexibel.

Nicht jedes Miau klingt gleich

Eine große Untersuchung aus dem Jahr 2024 analysierte 969 Miaus von Hauskatzen in sieben verschiedenen Alltagssituationen:

  • Begrüßung,
  • Futter,
  • Tür beziehungsweise gewünschter Zugang,
  • Kuscheln,
  • Hochheben,
  • Spiel
  • und Transportbox.

Die Forschenden fanden tatsächlich Unterschiede zwischen den Situationen – unter anderem bei Dauer, durchschnittlicher Grundfrequenz und Intonation.

Ein Miau ist also akustisch veränderbar und kann durch die jeweilige Situation beeinflusst werden.

Das bedeutet aber nicht, dass jede Katze für „Futter“ denselben Laut benutzt.

Was kann sich an einem Miau verändern?

Tonhöhe:
Ein Miau kann höher oder tiefer klingen. Dabei spielen nicht nur Situation und Erregung eine Rolle, sondern beispielsweise auch Alter und Geschlecht der Katze.

Dauer:
Manche Miaus sind nur sehr kurz, andere werden regelrecht in die Länge gezogen.

Lautstärke:
Vom kaum hörbaren kleinen Laut bis zum sehr nachdrücklichen Ruf ist einiges möglich.

Klang:
Ein Laut kann weich, rau, klar oder angespannter wirken.

Melodie beziehungsweise Intonation:
Die Tonhöhe kann während des Miaus steigen, fallen oder relativ gleich bleiben.

Erst diese Eigenschaften zusammen ergeben den individuellen Klang eines Miaus.

Was bedeutet ein ansteigendes oder fallendes Miau?

Hier muss man vorsichtig sein.

Frühere Untersuchungen fanden beispielsweise eine Tendenz zu ansteigenden Tonverläufen bei futterbezogenen Miaus und häufiger fallenden Verläufen in einer unangenehmen Situation beim Tierarzt.

Auch die größere Untersuchung von 2024 fand Unterschiede in der Intonation zwischen verschiedenen Kontexten.

Dabei zeigten Miaus in der Transportbox im Durchschnitt eher einen fallenden Verlauf. Bei Kuschel- und Türsituationen war der Verlauf vergleichsweise eben, während andere Situationen unterschiedliche Kombinationen zeigten.

Die Forschenden vermuten, dass solche Unterschiede unter anderem mit dem emotionalen Zustand und der Erregung der Katze zusammenhängen könnten.

Aber daraus lässt sich kein Katzen-Wörterbuch machen.

Ein ansteigendes Miau bedeutet also nicht automatisch „glücklich“ und ein fallendes nicht grundsätzlich „unglücklich“.

1. Begrüßung

Viele Katzen begrüßen vertraute Menschen mit kurzen Lauten, Miaus oder Trillern.

In einer entspannten Begrüßung kommen meist weitere freundliche Signale dazu:

  • aufrechter Schwanz,
  • lockere Körperhaltung,
  • Annäherung
  • oder Reiben am Menschen.

Der Laut allein verrät also noch nicht alles.

2. Futter

Hier werden manche Katzen ausgesprochen kommunikativ.

Miauen vor dem Füttern kann hartnäckiger werden und mehrfach wiederholt auftreten.

Eine aktuelle Untersuchung zeigte sogar, dass Katzen häufiger miauten, wenn ihnen der Zugang zu Futter kurzzeitig verwehrt wurde, als wenn dasselbe mit einem Spielzeug geschah.

Viele Katzen lernen außerdem sehr schnell, welche Art von Verhalten bei ihren Menschen zuverlässig zum Erfolg führt.

Das berühmte „Futtermiau“ kann deshalb mit der Zeit ziemlich individuell werden.

3. Tür oder gewünschter Zugang

Eine geschlossene Tür ist für manche Katzen offenbar eine persönliche Beleidigung. 😅

Wenn eine Katze Zugang zu einem Raum oder nach draußen möchte, können Miauen, Blickkontakt und Bewegungen zwischen Mensch und Tür gemeinsam auftreten.

Hier ist der Zusammenhang oft leicht zu erkennen:

Die Katze miaut, schaut zur Tür, schaut zum Menschen – und wieder zur Tür.

Der Kontext verrät in diesem Fall meist mehr als die genaue Tonhöhe des Lautes.

4. Kuscheln und soziale Nähe

Auch in ruhigen sozialen Situationen können Katzen miauen, trillern oder schnurren.

Solche Laute wirken häufig weicher oder weniger eindringlich als ein stark forderndes Rufen.

Entscheidend sind wieder die Begleitsignale:

Eine lockere Körperhaltung, halb geschlossene Augen oder freiwillige Nähe ergeben zusammen ein wesentlich aussagekräftigeres Bild als das Miau allein.

5. Spiel

Beim Spiel kommunizieren Katzen nicht nur mit Lauten.

Blickrichtung, Körperhaltung, Schwanzbewegungen und die Interaktion mit dem Spielzeug sind mindestens ebenso wichtig.

Interessanterweise zeigten Spiel-Miaus in der Studie von 2024 im Durchschnitt ebenfalls eher fallende Tonverläufe.

Das ist ein gutes Beispiel dafür, warum eine einfache Regel wie „fallender Ton = schlechte Stimmung“ nicht funktioniert.

6. Transportbox und unangenehme Situationen

In der Transportbox können Miaus deutlich anders klingen als im entspannten Alltag.

Die 2024 untersuchten Transportbox-Miaus zeigten durchschnittlich einen eher fallenden Tonverlauf.

Aber auch hier muss die gesamte Situation berücksichtigt werden:

Eine Katze mit großen Pupillen, angespannter Körperhaltung und anhaltendem Rufen liefert wesentlich mehr Informationen als die Melodie ihres Miaus allein.

Können Menschen Miaus zuverlässig verstehen?

Nicht besonders gut – zumindest nicht bei fremden Katzen.

In einer Studie hörten 225 Menschen Miaus aus drei Situationen: Warten auf Futter, Isolation und Bürsten.

Weniger als die Hälfte konnte die einzelnen Laute korrekt ihrer Situation zuordnen.

Menschen mit Katzenerfahrung schnitten teilweise besser ab.

Das passt gut zu etwas, das viele Katzenhalter aus ihrem Alltag kennen:

Wir lernen weniger eine allgemeine „Katzensprache“ als vielmehr unsere eigene Katze kennen.

Ein bestimmter Laut kann bei Mo etwas ziemlich Eindeutiges ankündigen, während eine andere Katze dafür einen ganz anderen Ton benutzt.

Die wichtigste Regel: Nicht nur zuhören

Wer verstehen möchte, was eine Katze gerade mitteilt, sollte immer mehrere Hinweise zusammen betrachten:

  • Ohren,
  • Augen und Pupillen,
  • Schwanz,
  • Körperhaltung,
  • Bewegung,
  • Situation
  • und die normalen Gewohnheiten genau dieser Katze.

Ein lautes Miau vor dem Futternapf bedeutet in einem vertrauten Ablauf etwas ganz anderes als derselbe Laut mitten in der Nacht bei einer alten Katze, die plötzlich orientierungslos wirkt.

Wann sollte man beim Miauen genauer hinhören?

Nicht jede gesprächige Katze ist krank.

Manche Katzen miauen schlicht sehr viel.

Neu auftretende oder deutlich veränderte Lautäußerungen sollten jedoch ernst genommen werden.

Hinter verstärktem oder ungewöhnlichem Miauen können beispielsweise stecken:

  • Schmerzen,
  • Schilddrüsenüberfunktion,
  • Bluthochdruck,
  • Hör- oder anderer Sinnesverlust
  • oder kognitive Veränderungen bei älteren Katzen.

Die Feline Veterinary Medical Association empfiehlt deshalb eine tierärztliche Untersuchung, wenn eine Katze plötzlich deutlich mehr vokalisiert oder sich ihr bisheriges Verhalten verändert.

Besonders bei älteren Katzen sollte nächtliches Rufen nicht automatisch mit „sie wird eben alt“ erklärt werden.

Kurz & knapp

  • Katzen können Miaus in Tonhöhe, Dauer, Lautstärke, Klang und Intonation verändern.
  • Untersuchungen zeigen messbare Unterschiede zwischen verschiedenen Alltagssituationen.
  • Es gibt aber keine feste Übersetzung einzelner Miau-Typen.
  • Ansteigende und fallende Tonverläufe können Tendenzen zeigen, sind aber keine eindeutigen Codes für positive oder negative Gefühle.
  • Menschen können fremde Miaus nur begrenzt zuverlässig einer Situation zuordnen.
  • Der Kontext und die gesamte Körpersprache sind wichtiger als der Laut allein.
  • Plötzlich verändertes oder stark zunehmendes Miauen kann ein gesundheitliches Warnzeichen sein.

Und bei Mo?

Mo besitzt vor dem Füttern offensichtlich noch eine ganz eigene Unterkategorie der Katzenkommunikation.

Ein sehr bestimmtes:

„mäkmäkmäk“. 😅🐱

Ob dieses Geräusch jemals Eingang in die wissenschaftliche Lautklassifikation finden wird, bleibt abzuwarten.

Für uns funktioniert die Übersetzung jedenfalls ziemlich zuverlässig:

„Ich sehe, was du da mit meinem Futter machst. Beeil dich.“

Quellen

Schötz S., van de Weijer J., Eklund R. (2024): „Context effects on duration, fundamental frequency, and intonation in human-directed domestic cat meows“ – Applied Animal Behaviour Science.
Analyse von 969 Miaus aus sieben Alltagssituationen. Die Studie fand kontextabhängige Unterschiede bei Dauer, Grundfrequenz und Intonation.
DOI: 10.1016/j.applanim.2023.106146
https://lup.lub.lu.se/search/publication/40b1d3f7-19ed-4d70-ad32-788423c96d0b

Schötz S., van de Weijer J. (2014): „A Study of Human Perception of Intonation in Domestic Cat Meows“
Untersuchung von futterbezogenen und tierarztbezogenen Miaus. Futter-Miaus zeigten häufiger ansteigende, die besonders gut erkannten Tierarzt-Miaus häufiger fallende Tonverläufe. Die Autoren betonen dabei Tendenzen und keine feste Übersetzung.
https://lup.lub.lu.se/search/publication/4882231

Nicastro N. et al. / Prato-Previde E. et al. (2020): „What’s in a Meow? A Study on Human Classification and Interpretation of Domestic Cat Vocalizations“ – Animals.
225 Menschen sollten Miaus aus Futter-, Isolations- und Bürstensituationen erkennen. Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen einzelne Miaus nur begrenzt zuverlässig einer Situation zuordnen können und Katzenerfahrung teilweise hilfreich ist.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7765146/

Feline Veterinary Medical Association – „Training Techniques for Addressing Undesirable Behaviors“
Veterinärmedizinische Informationen zu verstärktem Miauen. Als mögliche medizinische Ursachen werden unter anderem Schmerzen, Hyperthyreose, Bluthochdruck, Sinnesverlust und kognitive Veränderungen genannt.
https://catvets.com/resource/training-techniques-for-addressing-undesirable-behaviors/

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