Warum treteln Katzen? Was hinter dem Milchtritt steckt

Eine Pfote nach der anderen drückt in die Decke.

Links, rechts, links, rechts – manchmal minutenlang und mit erstaunlicher Hingabe.

Dieses typische Katzenverhalten nennt man Treteln oder Milchtritt.

Seinen Ursprung kennen wir ziemlich gut: Schon winzige Kitten treteln beim Säugen am Bauch ihrer Mutter.

Warum viele Katzen dieses Verhalten auch als Erwachsene beibehalten, ist dagegen nicht vollständig geklärt.

Der Milchtritt beginnt schon bei Kitten

Neugeborene Kitten drücken beim Säugen abwechselnd mit ihren Vorderpfoten gegen den Bauch und die Milchdrüsen ihrer Mutter.

Diese Bewegung unterstützt den Milchfluss.

Für ein junges Kätzchen gehört Treteln deshalb von Anfang an zu einer Situation, in der es Wärme, Nahrung und engen Körperkontakt erlebt.

Der Name „Milchtritt“ kommt also nicht von ungefähr.

Warum treteln erwachsene Katzen weiter?

Viele Katzen behalten das Verhalten weit über die Kittenzeit hinaus.

Besonders häufig sieht man es auf:

  • weichen Decken,
  • Kissen,
  • Katzenbetten
  • oder dem Schoß eines vertrauten Menschen.

Oft wirkt die Katze dabei sehr entspannt. Manche schnurren, schließen halb die Augen oder legen sich anschließend genau an dieser Stelle schlafen.

Deshalb liegt die Vermutung nahe, dass das Treteln bei erwachsenen Katzen mit den angenehmen Erfahrungen aus der Säugezeit verbunden geblieben ist.

Das ist plausibel – die genaue Funktion des Tretelns im Erwachsenenalter ist wissenschaftlich jedoch nicht abschließend geklärt.

Treteln bedeutet nicht automatisch „Ich bin glücklich“

In vielen Situationen passt diese Erklärung durchaus.

Eine entspannt liegende Katze, die schnurrend eine Decke bearbeitet, fühlt sich wahrscheinlich gerade ziemlich wohl.

Aber wie bei fast jeder Form von Katzenverhalten sollte man nicht nur auf ein einzelnes Signal schauen.

Treteln kann möglicherweise auch beruhigend wirken und in Situationen auftreten, in denen eine Katze sich selbst reguliert.

Entscheidend ist deshalb immer der gesamte Kontext.

Wie hält die Katze ihren Körper? Wie sehen Ohren und Augen aus? Was ist unmittelbar vorher passiert?

Markiert die Katze beim Treteln ihr Revier?

Katzen besitzen im Bereich ihrer Pfoten geruchsbildende Drüsen.

Untersuchungen der Drüsen in den Pfotenballen sprechen dafür, dass deren Sekrete unter anderem Duftinformationen hinterlassen können.

Deshalb wird manchmal vermutet, dass beim Treteln ebenfalls Geruchsspuren auf einer Unterlage zurückbleiben.

Was daraus jedoch nicht folgt:

Dass eine Katze gezielt tretelt, um ihren Menschen als „Eigentum“ zu markieren.

Dafür gibt es keinen überzeugenden Nachweis.

Macht die Katze damit ihr Bett?

Eine weitere häufige Erklärung lautet, dass Katzen mit dem Treteln einen Ruheplatz vorbereiten.

Die Vorstellung klingt durchaus logisch: Auch wild lebende Tiere drücken Pflanzen oder andere Untergründe nieder, bevor sie sich hinlegen.

Dass genau dies die ursprüngliche oder wichtigste Funktion des Tretelns erwachsener Hauskatzen ist, ist jedoch nicht eindeutig belegt.

Es bleibt eine mögliche Erklärung – nicht mehr.

Warum fährt sie dabei manchmal die Krallen aus?

Beim Treteln werden die Zehen rhythmisch bewegt und dabei können auch die Krallen sichtbar werden.

Das ist normalerweise keine Aggression.

Die Katze versucht also nicht, den Schoß unter ihr zu bestrafen. 😅

Auf nackter Haut kann ein besonders begeisterter Milchtritt trotzdem ziemlich unangenehm werden.

Eine dicke Decke zwischen Mensch und Katze ist dann meist die einfachste Lösung.

Die Katze sollte für das Verhalten nicht bestraft werden.

Treteln nicht alle Katzen?

Nein.

Manche Katzen treteln sehr häufig, andere nur gelegentlich und wieder andere kaum sichtbar.

Auch die Art des Tretelns kann unterschiedlich sein.

Einige benutzen nur die Vorderpfoten, andere beziehen beinahe den ganzen Körper mit ein.

Manche brauchen dafür unbedingt eine flauschige Decke – andere halten offenbar auch einen menschlichen Bauch für eine hervorragend geeignete Unterlage.

Kurz & knapp

  • Treteln beginnt bereits während der Säugezeit.
  • Kitten drücken mit ihren Vorderpfoten gegen den Bauch ihrer Mutter und unterstützen damit den Milchfluss.
  • Viele Katzen behalten das Verhalten auch als Erwachsene.
  • Es tritt häufig in ruhigen und vertrauten Situationen auf.
  • Eine Verbindung zu Wohlbefinden und Beruhigung ist plausibel, aber nicht jede Funktion des Tretelns ist abschließend erforscht.
  • Katzen besitzen geruchsbildende Strukturen an den Pfoten.
  • Dass Treteln gezielt dazu dient, Menschen als „Eigentum“ zu markieren, ist jedoch nicht belegt.
  • Auch die Erklärung als Vorbereitung eines Schlafplatzes bleibt eine Hypothese.

Und bei Mo?

Bei Mo scheint eine Decke jedenfalls erst dann wirklich benutzbar zu sein, wenn sie vorher gründlich bearbeitet wurde.

Einmal links.

Einmal rechts.

Und zur Sicherheit noch ungefähr zehnmal von vorn. 😅🐾

Ob er dabei an seine Kittenzeit denkt, sich einfach wohlfühlt oder die Decke nur nach strengsten Mo-Standards vorbereitet, können wir natürlich nicht wissen.

Aber offenbar braucht Gemütlichkeit manchmal ein bisschen Vorarbeit.

Quellen

VCA Animal Hospitals – „Why do cats knead?“
Veterinärmedizinische Erklärung zum Treteln bei Kitten und erwachsenen Katzen. Beschreibt den Milchtritt während des Säugens und die häufige Verbindung des Verhaltens mit entspannten Situationen.
https://vcahospitals.com/resources/behavior-cat/true-or-false-do-cats-knead

Cats Protection – „Why do cats knead?“
Übersicht zur Entstehung des Milchtritts während der Kittenzeit und zur weiterhin nicht vollständig geklärten Funktion des Verhaltens bei erwachsenen Katzen.
https://www.cats.org.uk/cats-blog/why-do-cats-knead

Meyer W., Bartels T. (1989): „Histochemical study on the eccrine glands in the foot pad of the cat“
Histologische Untersuchung der Drüsen in den Pfotenballen. Die Autoren beschreiben neben anderen Funktionen auch die Möglichkeit, dass die Sekrete typische Duftspuren hinterlassen.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/2818424/

Bradshaw J. W. S. et al. – „Normal feline behaviour: … and why problem behaviours develop“
Veterinärmedizinische Übersicht zum normalen Verhalten und zur Duftkommunikation von Katzen. Beschreibt unter anderem geruchsbildende Strukturen zwischen den Zehen.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11395290/

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