An der Ostseeküste der russischen Oblast Kaliningrad liegt ein Badeort, in dem Katzen kaum zu übersehen sind: Zelenogradsk.
Sie sitzen als Skulpturen an Straßen und Plätzen, tauchen auf Fassaden und Ampeln auf, haben einen eigenen kleinen Wohnbereich mitten in der Stadt – und in einem historischen Wasserturm wartet sogar eine der größten Katzensammlungen Russlands.
Kein Wunder, dass Zelenogradsk heute gern als inoffizielle Katzenhauptstadt Russlands bezeichnet wird.
Doch die Katzen sind nicht einfach zufällig ein beliebtes Fotomotiv geworden. Über die Jahre entwickelte sich rund um sie eine ganze städtische Identität.
Ein Ostseebad mit Katzenherz
Zelenogradsk liegt direkt an der Ostsee, nördlich von Kaliningrad und unweit der Kurischen Nehrung.
Der Ort blickt auf eine lange Geschichte als Seebad zurück. Vor 1945 gehörte die Stadt als Cranz zu Ostpreußen und war bereits damals ein bekannter Kurort.
Heute prägen Promenade, Sandstrand, historische Gebäude und moderne touristische Angebote das Stadtbild.
Und dazwischen sind immer wieder Katzen zu entdecken.
Katzen sind hier Teil des Stadtbildes
In Zelenogradsk begegnet man Katzen nicht nur in Fleisch und Fell.
Im öffentlichen Raum finden sich unter anderem:
- Katzenskulpturen,
- Katzenfiguren an Gebäuden,
- katzenbezogene Wandbilder,
- Souvenirs und Dekorationen,
- besondere Ampelmotive,
- und zahlreiche weitere kleine Anspielungen auf das tierische Wahrzeichen der Stadt.
Das örtliche Informations- und Tourismuszentrum bezeichnet Katzen ausdrücklich als Symbol von Zelenogradsk.
Die Katze ist damit längst mehr als ein niedliches Motiv. Sie gehört zum touristischen Erscheinungsbild der Stadt.
Das Denkmal der Zelenogradsker Katzen
Zu den bekannten Katzenmotiven gehört das Denkmal der Zelenogradsker Katzen am Kurortny Prospekt.
Die Skulptur zeigt eine Katze, die in einem Fensterrahmen auf einer Fensterbank sitzt.
Eine kleine Besonderheit: Die Konstruktion ist drehbar und kann bewegt werden.
Solche Kunstwerke sorgen dafür, dass die Katze praktisch überall im Zentrum präsent ist – selbst dann, wenn gerade keine echte Katze vorbeischlendert.
Kotofeynya – kleine Häuser für Straßenkatzen
Einer der ungewöhnlichsten Orte ist der kleine Platz „Kotofeynya“.
Er wurde 2018 am zentralen Kurortny Prospekt eröffnet und ist speziell für die dort lebenden Katzen gestaltet.
Auf dem Gelände stehen kleine hölzerne Katzenhäuser, deren Gestaltung teilweise an historische Gebäude Zelenogradsks erinnert.
Zur Anlage gehören außerdem eine Wasserversorgung und eine beheizbare Betonfläche.
Heute schützt eine transparente Abgrenzung die Katzen davor, ständig von Besuchern angefasst oder bedrängt zu werden. Man kann die Tiere weiterhin beobachten und fotografieren, während sie gleichzeitig einen eigenen geschützten Bereich besitzen.
Und dann gibt es tatsächlich einen „Koto-Shef“
Zelenogradsk hat sogar eine ungewöhnliche Funktion geschaffen: den sogenannten Koto-Shef.
Dabei handelt es sich nicht etwa um einen besonders wichtigen Kater, sondern um eine Person, die sich um die Katzen kümmert.
2018 wurde im Rahmen eines städtischen Wettbewerbs erstmals eine Koto-Shefin ausgewählt.
Zu dieser Aufgabe gehört unter anderem die Betreuung und Versorgung der Katzen rund um die Kotofeynya.
Damit wurde aus der Katzenliebe der Stadt tatsächlich eine ganz praktische Aufgabe.
Das Murarium – ein ganzes Museum voller Katzen
Wer von Katzenfiguren noch nicht genug hat, findet in Zelenogradsk einen Ort, an dem sich beinahe alles nur um Katzen dreht: das Murarium.
Das Katzenmuseum befindet sich in einem historischen Wasserturm.
Der etwa 40 Meter hohe Turm wurde 1905 errichtet und diente ursprünglich der Wasserversorgung des damaligen Cranz.
Nachdem das Gebäude lange nicht mehr für seinen ursprünglichen Zweck genutzt worden war, wurde es zwischen 2006 und 2012 restauriert.
Seit 2012 befindet sich darin die dauerhafte Ausstellung des Murariums.
Mehr als 4.500 Katzenobjekte
Die Sammlung umfasst mehr als 4.500 katzenbezogene Exponate und wird vom örtlichen Tourismuszentrum als größte russische Kunstsammlung zum Thema Katze beschrieben.
Zu sehen sind beispielsweise:
- Gemälde und Wandbilder,
- Figuren und Skulpturen,
- Spielzeug und Puppen,
- Schmuck,
- Postkarten und Kalender,
- Alltagsgegenstände mit Katzenmotiven,
- Objekte aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen
- und zahlreiche kuriose Sammlerstücke.
Ein Teil der Sammlung kann wegen ihrer Größe gar nicht gleichzeitig ausgestellt werden.
Ein Museum mit Aussicht über die Stadt
Der historische Wasserturm ist selbst bereits eine Sehenswürdigkeit.
In etwa 24 Metern Höhe befindet sich eine Aussichtsplattform, von der Besucher über Zelenogradsk und bis zur Ostsee blicken können.
Dadurch verbindet das Murarium gleich mehrere Dinge miteinander: Stadtgeschichte, Architektur, Aussicht – und sehr, sehr viele Katzen.
Turm und Katzenmuseum gelten inzwischen selbst als Wahrzeichen Zelenogradsks.
Wie wurde Zelenogradsk eigentlich zur Katzenstadt?
Eine einzelne historische Geschichte, die erklärt, warum ausgerechnet Zelenogradsk zur Katzenstadt wurde, gibt es nicht.
Vielmehr entwickelte sich das Thema über verschiedene Projekte hinweg immer weiter.
Das Murarium, öffentliche Katzenskulpturen, die Kotofeynya, Veranstaltungen und weitere Katzenmotive verstärkten sich gegenseitig.
Irgendwann wurde aus einzelnen Katzenattraktionen eine ganze städtische Marke.
Heute bewirbt sich Zelenogradsk selbst mit diesem Image.
Sogar ein eigener Katzentag wird gefeiert
Die Verbindung geht inzwischen so weit, dass jährlich der „Tag der Zelenogradsker Katze“ gefeiert wird.
Nach Angaben des örtlichen Tourismuszentrums findet das Familienfest traditionell am ersten Samstag im März statt.
Dazu gehören unter anderem Veranstaltungen rund um Katzen und ein kostümiertes Katzenprogramm in der Innenstadt.
Spätestens an diesem Tag dürfte kaum jemand daran zweifeln, welches Tier in Zelenogradsk das heimliche Stadtmaskottchen ist.
Eine Katzenstadt ist trotzdem kein Katzen-Freizeitpark
Bei all den Skulpturen und touristischen Katzenmotiven sollte man einen wichtigen Unterschied nicht vergessen:
Die echten Katzen der Stadt sind keine Dekoration und keine Fotorequisiten.
Gerade Orte wie die Kotofeynya zeigen inzwischen auch, dass Besucher und Tiere voneinander abgegrenzt werden können, damit die Katzen Rückzugsmöglichkeiten behalten.
Wer einer frei laufenden Katze begegnet, sollte deshalb:
- sie nicht verfolgen oder bedrängen,
- schlafende Tiere in Ruhe lassen,
- sie nicht für Fotos festhalten oder hochheben,
- Rückzugsorte respektieren,
- und nicht wahllos eigenes Futter verteilen.
Eine Stadt kann ihre Katzen lieben – und trotzdem sollten die Bedürfnisse der Tiere wichtiger bleiben als das perfekte Urlaubsfoto.
Zelenogradsk ist natürlich mehr als Katzen
So perfekt der Ort in unsere Reihe „Mo auf Weltreise“ passt: Zelenogradsk besteht selbstverständlich nicht ausschließlich aus Katzen.
Die Stadt ist ein traditionelles Ostseebad mit:
- einem langen Strand,
- einer Promenade entlang der Küste,
- historischen Villen und Gebäuden,
- Zeugnissen der früheren Stadtgeschichte als Cranz,
- zahlreichen Museen,
- und seiner Lage nahe der Kurischen Nehrung.
Die Katzen sind heute eines ihrer auffälligsten Wahrzeichen – aber eingebettet in eine deutlich ältere Geschichte.
Mo auf Weltreise
Für Mo wäre Zelenogradsk vermutlich ein ausgesprochen merkwürdiger Zwischenstopp.
Überall Katzen – nur dass erstaunlich viele davon aus Metall, Stein oder Farbe bestehen.
Dann kleine Katzenhäuser mitten in der Stadt, eine Person mit dem offiziellen Titel Koto-Shef und schließlich ein ganzer Wasserturm voller Katzenkunst.
Vermutlich würde er irgendwann zu dem Schluss kommen, dass die Menschen dort ihre Prioritäten ziemlich richtig gesetzt haben.
In Zelenogradsk sind Katzen nicht nur Haustiere. Sie sind sichtbar Teil der Stadt geworden.
Kurz & knapp
- Zelenogradsk liegt an der Ostsee in der russischen Oblast Kaliningrad.
- Der frühere deutsche Name des traditionsreichen Kurorts lautet Cranz.
- Die Stadt wird als inoffizielle Katzenhauptstadt Russlands bezeichnet.
- Katzen sind ein offizielles beziehungsweise touristisch stark genutztes Symbol der Stadt.
- Skulpturen, Wandbilder und andere Katzenmotive finden sich an zahlreichen Stellen im öffentlichen Raum.
- Die 2018 eröffnete Kotofeynya bietet geschützte Häuser und Aufenthaltsbereiche für Straßenkatzen.
- Mit dem Koto-Shef gibt es sogar eine besondere Funktion zur Betreuung der Katzen.
- Das Katzenmuseum Murarium befindet sich in einem restaurierten Wasserturm von 1905.
- Seine Sammlung umfasst mehr als 4.500 katzenbezogene Objekte.
- Turm und Murarium gehören heute selbst zu den Wahrzeichen Zelenogradsks.
Ein Ostseebad mit einer ungewöhnlichen Identität
Viele Städte besitzen ein Wappentier oder ein berühmtes Denkmal.
Zelenogradsk ist ein gutes Beispiel dafür, wie viel weiter so etwas gehen kann.
Hier wurde aus einzelnen Katzenmotiven nach und nach eine ganze Stadtidentität – mit Kunstwerken, Museum, Katzenhäusern, Veranstaltungen und einer echten Betreuung der Tiere.
Ein Ostseebad, das seine Katzen nicht versteckt, sondern sie zu einem sichtbaren Teil seines Stadtbildes gemacht hat.
Quellen & weiterführende Informationen
- Informations- und Tourismuszentrum Zelenogradsk: Informationen zum Stadtbild, zu Sehenswürdigkeiten und zur Bedeutung der Katze als Symbol Zelenogradsks.
- Informations- und Tourismuszentrum Zelenogradsk: Skver „Kotofeynya“ – Entstehung des Katzenplatzes, Katzenhäuser, beheizter Bereich und Betreuung der dort lebenden Tiere.
- Informations- und Tourismuszentrum Zelenogradsk: Denkmal der Zelenogradsker Katzen – Informationen zur bekannten Katzenskulptur und zum Katzenmotiv als touristischer Marke.
- Informations- und Tourismuszentrum Zelenogradsk: Museum der Katzen „Murarium“ – Geschichte des historischen Wasserturms und Informationen zur Sammlung mit mehr als 4.500 Exponaten.
- Tourismusportal der Oblast Kaliningrad: Informationen zum Murarium, zum Wasserturm und zur katzenbezogenen Sammlung.

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