Katzen zeigen Schmerzen oft nicht besonders deutlich.
Sie müssen weder laut miauen noch offensichtlich humpeln, damit etwas nicht stimmt.
Gerade bei länger bestehenden Beschwerden fallen häufig zuerst kleine Veränderungen im normalen Verhalten auf.
Deshalb ist eine der wichtigsten Fragen nicht nur: „Sieht meine Katze krank aus?“ – sondern vielmehr:
„Was macht sie plötzlich anders als sonst?“
Warum sind Schmerzen bei Katzen manchmal schwer zu erkennen?
Schmerzen können sich bei Katzen sehr unterschiedlich zeigen.
Manche ziehen sich zurück. Andere werden unruhiger oder reizbarer. Wieder andere suchen plötzlich auffällig viel Nähe.
Auch bei chronischen Schmerzen sind die Veränderungen häufig schleichend.
Eine Katze springt vielleicht nicht von heute auf morgen gar nicht mehr auf ihren Lieblingsplatz. Sie zögert zunächst nur etwas länger, sucht eine Zwischenstufe oder wählt irgendwann einen niedrigeren Platz.
Gerade Menschen, die ihre Katze täglich sehen, können solche Veränderungen deshalb besonders gut bemerken.
Bewegung und Körperhaltung
Schmerzen können beeinflussen, wie eine Katze läuft, springt oder ruht.
Mögliche Veränderungen sind zum Beispiel:
- weniger Bewegung als sonst,
- steiferes oder vorsichtigeres Laufen,
- Zögern vor Sprüngen oder Treppen,
- Meiden bisher bevorzugter erhöhter Plätze,
- eine gekrümmte oder angespannte Körperhaltung
- oder Schwierigkeiten, eine bequeme Liegeposition zu finden.
Eine Katze muss dabei nicht unbedingt deutlich lahmen.
Besonders bei länger bestehenden Gelenk- oder Rückenschmerzen kann sich zunächst einfach ihr Alltag verändern.
Auch das Verhalten kann sich ändern
Ein plötzlich verändertes Verhalten sollte ebenfalls aufmerksam machen.
Eine schmerzende Katze kann sich häufiger verstecken oder weniger Kontakt suchen.
Sie kann aber auch:
- weniger spielen,
- mehr schlafen,
- unruhiger wirken,
- Berührungen plötzlich abwehren,
- reizbarer reagieren
- oder ungewöhnlich anhänglich werden.
Keines dieser Verhaltensweisen beweist für sich allein, dass eine Katze Schmerzen hat.
Es sind Hinweise, die immer zusammen mit der übrigen Situation betrachtet werden müssen.
Fressen, Fellpflege und Katzenklo können Hinweise geben
Auch alltägliche Gewohnheiten können sich durch Schmerzen verändern.
Eine Katze kann weniger fressen oder trinken. Sie kann bestimmte Körperstellen schlechter putzen oder die Fellpflege insgesamt vernachlässigen.
Dadurch kann das Fell stumpfer, struppiger oder verfilzter wirken.
Auch Veränderungen beim Toilettengang sind wichtig.
Schmerzen können beispielsweise dazu führen, dass eine Katze:
- Probleme beim Einsteigen in ein hohes Katzenklo hat,
- beim Urin- oder Kotabsatz auffällig reagiert,
- länger als üblich auf der Toilette sitzt
- oder plötzlich außerhalb der Toilette ausscheidet.
Solche Veränderungen können viele Ursachen haben und sollten nicht vorschnell als „Unsauberkeit“ oder Verhaltensproblem abgetan werden.
Schmerzen können auch im Gesicht sichtbar werden
Bei akuten Schmerzen können sich Gesichtsausdruck und Kopfhaltung einer Katze verändern.
Dafür wurde sogar ein wissenschaftliches Bewertungssystem entwickelt: die Feline Grimace Scale.
Sie betrachtet fünf Merkmale:
- Ohrenstellung,
- Zusammenkneifen der Augen,
- Spannung der Schnauzenpartie,
- Position der Schnurrhaare
- und Kopfhaltung.
Die Skala wurde zur Einschätzung akuter Schmerzen entwickelt und wissenschaftlich validiert.
Sie zeigt sehr schön, dass Schmerzen bei Katzen tatsächlich im Gesicht erkennbar sein können.
Ein einzelner Gesichtsausdruck ersetzt aber keine tierärztliche Untersuchung – und gerade chronische Schmerzen lassen sich nicht zuverlässig allein am Gesicht beurteilen.
Entscheidend ist die Veränderung
Viele mögliche Schmerzzeichen können auch aus ganz anderen Gründen auftreten.
Eine Katze schläft viel. Sie sucht manchmal Ruhe. Sie möchte nicht immer spielen. Und nicht jede Katze springt begeistert auf hohe Möbel.
Deshalb ist ein einzelnes Verhalten selten aussagekräftig.
Besonders aufmerksam sollte man werden, wenn eine Katze etwas plötzlich oder zunehmend anders macht als bisher.
Niemand kennt ihren normalen Alltag so gut wie die Menschen, die mit ihr zusammenleben.
Wann sollte die Katze zum Tierarzt?
Deutliche, plötzliche oder anhaltende Veränderungen sollten tierärztlich abgeklärt werden.
Das gilt besonders, wenn die Katze starke Schmerzen zu haben scheint, kaum noch frisst, sehr matt wirkt, Schwierigkeiten beim Atmen hat, verletzt wurde oder Probleme beim Urinieren zeigt.
Auch weniger dramatische Veränderungen gehören abgeklärt, wenn sie bestehen bleiben oder sich verschlechtern.
Denn Schmerzen sind keine Diagnose.
Sie können durch sehr unterschiedliche Erkrankungen oder Verletzungen entstehen – und die eigentliche Ursache muss gefunden werden.
Bitte keine menschlichen Schmerzmittel geben
Schmerzmittel aus der eigenen Hausapotheke dürfen einer Katze nicht einfach gegeben werden.
Medikamente, die für Menschen alltäglich sind, können für Katzen schwer giftig sein.
Besonders Paracetamol kann bei Katzen bereits schwere Vergiftungen verursachen und tödlich sein.
Auch Medikamente wie Ibuprofen, Naproxen oder Aspirin dürfen nicht ohne tierärztliche Anweisung eingesetzt werden.
Welche Schmerztherapie geeignet und sicher ist, hängt von Ursache, Gesundheitszustand und dem verwendeten Medikament ab.
Kurz & knapp
- Katzen zeigen Schmerzen häufig durch kleine Veränderungen.
- Bewegung, Körperhaltung und Sprungverhalten können sich verändern.
- Rückzug, Reizbarkeit, weniger Spiel oder ungewöhnliche Anhänglichkeit können Hinweise sein.
- Auch Fressen, Fellpflege, Schlaf und Toilettengang können betroffen sein.
- Akute Schmerzen können Veränderungen des Gesichtsausdrucks verursachen.
- Entscheidend ist häufig der Vergleich mit dem normalen Verhalten der eigenen Katze.
- Anhaltende oder deutliche Veränderungen sollten tierärztlich untersucht werden.
- Menschliche Schmerzmittel dürfen nicht auf eigene Faust gegeben werden.
Lieber einmal genauer hinschauen
Eine Katze kann uns leider nicht sagen:
„Seit drei Tagen tut mir beim Aufstehen die Hüfte weh.“
Sie zeigt es vielleicht nur dadurch, dass sie langsamer aufsteht, nicht mehr auf die Fensterbank springt oder plötzlich einen anderen Schlafplatz auswählt.
Gerade diese kleinen Veränderungen können der entscheidende Hinweis sein. 🐱❤️
Quellen
Merck Veterinary Manual – „Recognizing and Assessing Pain in Animals“
Veterinärmedizinische Übersicht zu körperlichen und verhaltensbezogenen Schmerzzeichen. Genannt werden unter anderem Veränderungen von Bewegung und Körperhaltung, Appetit, Aktivität, Rückzug, Fellpflege und Verhalten.
https://www.merckvetmanual.com/special-pet-topics/pain-management/recognizing-and-assessing-pain-in-animals
Cats Protection – „Signs of Pain“
Praxisnahe Übersicht zu möglichen Schmerzzeichen bei Katzen, darunter Rückzug, vermehrtes Schlafen, steife Bewegungen, Zögern beim Springen, verminderter Appetit und Veränderungen der Fellpflege.
https://www.cats.org.uk/help-and-advice/health/signs-of-pain
Evangelista M. C. et al. (2019): „Facial expressions of pain in cats: the development and validation of a Feline Grimace Scale“ – Scientific Reports.
Entwicklung und wissenschaftliche Validierung der Feline Grimace Scale zur Beurteilung akuter Schmerzen anhand von Ohren, Augen, Schnauze, Schnurrhaaren und Kopfhaltung.
DOI: 10.1038/s41598-019-55693-8
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31836868/
U.S. Food and Drug Administration – „Get the Facts about Pain Relievers for Pets“
Informationen zu den Risiken menschlicher Schmerzmittel bei Haustieren. Besonders Paracetamol ist für Katzen hochgefährlich und darf ihnen nicht verabreicht werden.
https://www.fda.gov/animal-veterinary/animal-health-literacy/get-facts-about-pain-relievers-pets

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