Wenn die Kitten kommen – wie läuft eine Katzengeburt ab?

Nach rund neun Wochen Trächtigkeit wird es ernst: Die Kitten machen sich auf den Weg.

Viele Katzen bringen ihren Nachwuchs ohne menschliche Hilfe zur Welt. Trotzdem ist es sinnvoll zu wissen, was bei einer normalen Geburt ungefähr passiert – und vor allem, wann aus einer längeren Pause oder einem schwierigen Verlauf ein Notfall werden kann.

Denn gerade bei einer Katzengeburt gilt:

Beobachten ist wichtig. Eingreifen sollte man aber nur, wenn es wirklich nötig ist.

Woran erkennt man, dass es bald losgeht?

Die erste Geburtsphase kann viele Stunden dauern, ohne dass bereits sichtbare Presswehen auftreten.

Währenddessen öffnet sich der Gebärmutterhals und die Kontraktionen der Gebärmutter nehmen zu.

Viele Katzen verändern in dieser Phase ihr Verhalten. Sie können:

  • unruhiger werden,
  • einen geschützten Platz aufsuchen,
  • häufiger das Nest wechseln,
  • weniger fressen,
  • sich vermehrt putzen
  • oder sich zurückziehen.

Andere Katzen suchen gerade jetzt verstärkt die Nähe ihres Menschen.

Beides kann normal sein.

Ein ruhiger Geburtsplatz hilft

Idealerweise steht der werdenden Mutter bereits vor der Geburt ein warmer, ruhiger und geschützter Platz zur Verfügung.

Zu viel Unruhe, fremde Menschen oder ständiges Eingreifen können eine nervöse Katze zusätzlich stressen.

Wenn sie einen anderen sicheren Platz auswählt als den liebevoll vorbereiteten Wurfkorb, ist auch das nicht ungewöhnlich.

Bei Katzen hat die Mutter bei der Inneneinrichtung schließlich oft das letzte Wort. 😅

Dann beginnen die Presswehen

In der nächsten Geburtsphase werden die Kontraktionen auch von außen sichtbar.

Die Katze beginnt zu pressen und schließlich wird das erste Kitten geboren.

Kitten können mit dem Kopf voraus zur Welt kommen. Auch eine Geburt mit dem Hinterende beziehungsweise den Hinterbeinen zuerst kann bei Katzen vorkommen und muss nicht automatisch problematisch sein.

Nach der Geburt kümmert sich die Mutter normalerweise sehr schnell um ihr Junges.

Was macht die Katzenmutter mit dem neugeborenen Kitten?

Das Kitten kommt von Fruchthüllen umgeben zur Welt.

Normalerweise öffnet die Mutter diese selbst, leckt Mund und Nase frei und beginnt, das Kitten kräftig abzulecken.

Dadurch wird es getrocknet und seine Atmung und Kreislauftätigkeit werden angeregt.

Die Mutter durchtrennt außerdem normalerweise die Nabelschnur.

Wenn sie sich nicht innerhalb kurzer Zeit um die Fruchthülle kümmert und das Kitten noch darin eingeschlossen ist, kann allerdings rasches Eingreifen nötig sein, damit Nase und Mund frei werden.

Wie viel Zeit liegt zwischen zwei Kitten?

Das kann sehr unterschiedlich sein.

Bei einer unkomplizierten Geburt liegen häufig ungefähr 30 bis 60 Minuten zwischen zwei Kitten. Auch kürzere Abstände kommen vor.

Die genaue Dauer ist aber kein zuverlässiger Countdown.

Manche Katzen bringen mehrere Kitten kurz hintereinander zur Welt und ruhen anschließend eine Weile.

Können Katzen während der Geburt eine Pause machen?

Ja.

Bei Katzen gibt es das sogenannte unterbrochene Geburtsgeschehen. Die Mutter hört dabei auf zu pressen, wirkt entspannt, kümmert sich um die bereits geborenen Kitten, säugt sie und kann sogar fressen oder schlafen.

Später kann die Geburt weitergehen.

Das ist etwas anderes als eine Katze, die weiterhin kräftig presst, Schmerzen zeigt oder zunehmend erschöpft wirkt.

Weil normale Pausen und eine beginnende Geburtsstörung für Laien nicht immer leicht zu unterscheiden sind, sollte bei einer ungewöhnlich langen Pause lieber frühzeitig die Tierarztpraxis oder der tierärztliche Notdienst kontaktiert werden – besonders wenn bekannt ist, dass noch Kitten erwartet werden.

Zu jedem Kitten gehört eine Plazenta

Nach der Geburt eines Kittens wird auch die zugehörige Plazenta – die Nachgeburt – ausgestoßen.

Sie muss nicht immer unmittelbar nach genau diesem Kitten erscheinen.

Manchmal werden zunächst mehrere Kitten geboren und die entsprechenden Nachgeburten folgen anschließend.

Viele Katzenmütter fressen die Plazenten. Das ist normales Verhalten, aber nicht notwendig dafür, dass die Geburt erfolgreich verläuft.

Wenn möglich, kann es hilfreich sein, mitzuzählen, ob ungefähr so viele Plazenten wie Kitten abgegangen sind.

Wann wird aus einer Pause ein Notfall?

Hier ist weniger die Stoppuhr allein entscheidend als die Kombination aus Zeit, Presswehen und Zustand der Mutter.

Tierärztlicher Rat sollte während der Geburt insbesondere eingeholt werden, wenn:

  • die Katze etwa 30 Minuten kräftig presst, ohne dass ein Kitten geboren wird,
  • ein Kitten sichtbar im Geburtskanal feststeckt,
  • die Mutter plötzlich sehr schwach, apathisch oder offensichtlich krank wirkt,
  • stärkere oder anhaltende frische Blutungen auftreten,
  • auffälliger übelriechender Ausfluss auftritt,
  • die Geburt offensichtlich nicht weitergeht, obwohl noch Kitten erwartet werden
  • oder einfach der Eindruck entsteht, dass mit Mutter oder Kitten etwas nicht stimmt.

Auch bei längeren Abständen zwischen den Kitten lohnt sich ein Anruf in der Praxis. Verschiedene veterinärmedizinische Quellen nennen abhängig von der Situation unterschiedliche Zeitgrenzen – deshalb sollte eine lange Pause nicht allein deshalb als harmlos betrachtet werden, weil Katzen grundsätzlich Geburtsunterbrechungen haben können.

Ein bisschen Ausfluss kann normal sein

Während und nach einer Geburt kann vaginaler Ausfluss auftreten.

Entscheidend sind Menge, Zeitpunkt, Farbe, Geruch und der Allgemeinzustand der Katze.

Stärkere frische Blutungen, übelriechender Ausfluss oder ein schlechter Allgemeinzustand gehören tierärztlich abgeklärt.

Auch grüner Ausfluss kann im Zusammenhang mit Plazenten auftreten. Erscheint er jedoch ohne anschließende Geburt eines Kittens oder zusammen mit anderen Auffälligkeiten, sollte ebenfalls tierärztlicher Rat eingeholt werden.

Was sollte der Mensch während der Geburt tun?

Vor allem:

Ruhe bewahren und beobachten.

Die meisten Katzen benötigen keine aktive Geburtshilfe.

Sinnvoll ist es, Telefonnummer und Adresse einer Tierarztpraxis beziehungsweise des zuständigen Notdienstes bereits vorher griffbereit zu haben.

Außerdem kann man notieren:

  • wann sichtbare Presswehen begonnen haben,
  • wann jedes Kitten geboren wurde,
  • wie viele Kitten bereits da sind
  • und wie viele Plazenten beobachtet wurden.

Medikamente wie Oxytocin oder Kalzium dürfen keinesfalls auf eigene Faust verabreicht werden. Bei bestimmten Geburtsstörungen können sie gefährlich sein und gehören ausschließlich in tierärztliche Hände.

Wenn alle Kitten da sind

Nach einer unkomplizierten Geburt sollte die Mutter zur Ruhe kommen und ihre Kitten säugen und putzen.

Die Familie braucht jetzt vor allem Wärme, Ruhe sowie leicht erreichbares Futter und Wasser für die Mutter.

Die Kitten sollten warm sein und regelmäßig trinken.

Eine tierärztliche Kontrolle von Mutter und Wurf innerhalb der ersten 24 Stunden wird von VCA empfohlen. Dabei kann unter anderem überprüft werden, ob wirklich alle Kitten geboren wurden und ob die Milchversorgung funktioniert.

Kurz & knapp

  • Vor der Geburt werden viele Katzen unruhiger oder suchen einen geschützten Platz.
  • Mit sichtbaren Presswehen beginnt die eigentliche Austreibungsphase.
  • Die Mutter öffnet normalerweise die Fruchthülle, putzt das Kitten und durchtrennt die Nabelschnur.
  • Zwischen den Kitten liegen häufig ungefähr 30 bis 60 Minuten, die Abstände können aber stark variieren.
  • Ruhige Geburtsunterbrechungen können bei Katzen vorkommen.
  • Kräftiges Pressen ohne Kitten, ein feststeckendes Junges, starke Blutungen oder ein schlechter Allgemeinzustand sind Warnzeichen.
  • Zu jedem Kitten gehört eine Plazenta, die auch zeitversetzt ausgestoßen werden kann.
  • Bei Unsicherheit während einer Geburt lieber einmal zu früh tierärztlich nachfragen.

Und plötzlich sind sie da

Nach rund neun Wochen Trächtigkeit kann sich innerhalb weniger Stunden ein ruhiges Nest in eine ziemlich volle Kinderstube verwandeln.

Für die Katzenmutter beginnt dann schon die nächste Aufgabe:

säugen, wärmen, putzen – und möglichst ein bisschen schlafen. 😅🐱❤️

Quellen

Merck Veterinary Manual – „Labor, Delivery, and Postpartum Care in Bitches and Queens“
Aktuelle veterinärmedizinische Übersicht zu den Geburtsphasen, normalen Abständen zwischen den Kitten, Plazenten, Geburtsstörungen und der Versorgung nach der Geburt.
https://www.merckvetmanual.com/management-and-nutrition/management-of-reproduction-dogs-and-cats/labor-delivery-and-postpartum-care-in-bitches-and-queens

Merck Veterinary Manual – „Management of Reproduction of Cats“
Informationen zum normalen Geburtsverlauf bei Katzen, zu den drei Geburtsphasen und zu möglichen Hinweisen auf eine schwierige Geburt.
https://www.merckvetmanual.com/cat-owners/reproductive-disorders-of-cats/management-of-reproduction-of-cats

Cats Protection – „Birth and Kittening“
Praxisnahe Informationen zum Ablauf einer Katzengeburt und zu Warnzeichen, bei denen während der Geburt tierärztlicher Rat eingeholt werden sollte.
https://www.cats.org.uk/help-and-advice/pregnancy-and-kitten-care/birth-and-kittening

VCA Animal Hospitals – „Breeding and Queening Cats“
Informationen zur Geburt der Kitten, zum Umgang mit Fruchthüllen und Nachgeburten, zu Notfallsituationen sowie zur empfohlenen Kontrolle von Mutter und Wurf nach der Geburt.
https://vcahospitals.com/know-your-pet/breeding-and-queening-cats

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