Die Katze kommt auf uns zu, drückt ihre Stirn gegen das Bein und streicht anschließend mit der Wange daran entlang.
Dieses „Köpfchengeben“ wirkt wie eine besonders katzentypische Begrüßung – und tatsächlich steckt darin mehr als bloßes Schmusen.
Katzen verbinden dabei körperlichen Kontakt mit Duftkommunikation.
Das Reiben kann Teil eines freundlichen sozialen Kontakts sein und gleichzeitig vertraute Gerüche verteilen.
Was ist Köpfchengeben eigentlich?
Beim Reiben drückt oder streicht eine Katze Kopf, Wangen oder manchmal auch den Körper an einem Menschen, einer anderen Katze oder einem Gegenstand entlang.
Für das Reiben an einem Sozialpartner wird häufig der Fachbegriff Allorubbing verwendet.
Dieses Verhalten lässt sich auch bei frei lebenden Katzen beobachten.
Dort reiben vertraute Tiere Kopf und Körper aneinander und nutzen Allorubbing als Teil ihrer freundlichen sozialen Interaktionen.
Es kann also tatsächlich Nähe und Zugehörigkeit ausdrücken.
Welche Rolle spielt der Geruch?
Der Geruchssinn spielt für Katzen eine enorme Rolle.
Im Bereich des Kopfes und der Wangen befinden sich Drüsen, deren Sekrete beim Reiben auf andere Katzen, Menschen oder Gegenstände übertragen werden können.
Solche chemischen Signale helfen Katzen dabei, Informationen in ihrer Umgebung zu hinterlassen.
Interessant ist dabei: Reiben an Gegenständen und Reiben an einem Sozialpartner erfüllen nicht zwingend exakt dieselbe Funktion.
Beim Reiben an vertrauten Gegenständen können Duftmarken dazu beitragen, eine bekannte Geruchsumgebung entstehen zu lassen.
Beim Reiben an anderen Katzen oder Menschen kommt zusätzlich der soziale Kontakt hinzu.
Warum reibt meine Katze ihren Kopf an mir?
Wenn eine Katze freiwillig auf einen vertrauten Menschen zukommt und sich an ihm reibt, geschieht das meist in einem freundlichen Kontext.
Das Verhalten kann beispielsweise auftreten:
- bei der Begrüßung,
- wenn die Katze Kontakt aufnehmen möchte,
- in entspannten sozialen Situationen
- oder wenn sie Nähe und Aufmerksamkeit sucht.
Gleichzeitig können dabei Duftstoffe auf den Menschen gelangen.
Deshalb ist Köpfchengeben gleichzeitig soziales Verhalten und Geruchskommunikation.
„Meine Katze markiert mich als ihr Eigentum“?
Diese Erklärung liest man sehr häufig.
Sie ist allerdings zu einfach.
Ja, beim Reiben werden Duftstoffe übertragen.
Aber daraus folgt nicht, dass die Katze damit ein Besitzschild an ihren Menschen hängt.
Forschungen zur Duftkommunikation beschreiben Allorubbing besonders im Kontakt mit vertrauten Sozialpartnern.
Das Verhalten passt deshalb besser zu sozialer Nähe, Kontaktaufnahme und der Herstellung einer vertrauten Geruchsumgebung als zu:
„Dieser Mensch gehört mir.“
Auch Katzen reiben sich aneinander
Besonders interessant wird das Verhalten, wenn mehrere Katzen zusammenleben.
Allorubbing wird zwischen Katzen beobachtet, die soziale Beziehungen miteinander haben.
Eine Übersichtsarbeit zu frei lebenden Katzen beschreibt das gegenseitige Reiben deshalb ausdrücklich als freundliches beziehungsweise affiliatives Verhalten.
Es steht häufig zusammen mit anderen sozialen Verhaltensweisen wie:
- gegenseitiger Nähe,
- Körperkontakt,
- gemeinsamem Ruhen
- oder gegenseitiger Fellpflege.
Natürlich muss nicht jede Katze mit jeder anderen Katze Köpfchen austauschen.
Auch hier spielen individuelle Beziehungen eine Rolle.
Warum reibt sich eine Katze an Möbeln?
Das sieht ähnlich aus, hat aber einen etwas anderen Schwerpunkt.
Katzen reiben Gesicht und Körper häufig an:
- Türrahmen,
- Möbelecken,
- Stuhlbeinen
- oder anderen regelmäßig genutzten Stellen.
Dabei hinterlassen sie Geruchssignale an Orten, die zu ihrem vertrauten Lebensbereich gehören.
Veterinärmedizinische Leitlinien zur Katzenhaltung betonen, wie wichtig eine bekannte Geruchsumgebung für Katzen sein kann.
Deshalb sollte man beispielsweise nicht unbedingt alle bevorzugten Reibestellen einer Katze gleichzeitig gründlich mit stark riechenden Reinigungsmitteln bearbeiten.
Nicht jedes Reiben bedeutet dasselbe
Wie bei fast allen Verhaltensweisen gilt:
Der Kontext zählt.
Eine Katze, die mit aufrechtem Schwanz auf einen vertrauten Menschen zuläuft und sich entspannt an ihm reibt, befindet sich in einer anderen Situation als eine Katze, die aufgeregt an einer Tür entlangreibt, weil sie hinaus möchte.
Auch Frustration kann bei manchen Katzen zu verstärktem Reiben an Menschen oder Gegenständen führen.
Deshalb sollte man neben dem Reiben auch auf:
- Schwanzhaltung,
- Ohren,
- Augen,
- Körperhaltung
- und die jeweilige Situation
achten.
Wichtig: Köpfchengeben ist nicht dasselbe wie „Head Pressing“
Normales Köpfchengeben ist eine kurze, natürliche soziale Handlung: Die Katze kommt heran, reibt sich und bewegt sich anschließend normal weiter.
Davon zu unterscheiden ist ein anhaltendes oder wiederholtes Drücken des Kopfes gegen eine Wand, einen Boden oder einen Gegenstand.
Dieses sogenannte Head Pressing kann ein neurologisches Warnzeichen sein.
Besonders wenn zusätzlich Orientierungslosigkeit, ungewöhnliches Verhalten, Kreisbewegungen, Gleichgewichtsstörungen oder andere Veränderungen auftreten, sollte die Katze rasch tierärztlich untersucht werden.
Kurz & knapp
- Katzen reiben Kopf und Körper an Menschen, Katzen und Gegenständen.
- Beim Reiben werden Duftstoffe übertragen.
- Allorubbing bezeichnet das Reiben an einem Sozialpartner.
- Zwischen vertrauten Katzen gehört es zu freundlichem sozialem Verhalten.
- Auch Menschen können in dieses Verhalten einbezogen werden.
- Das bedeutet nicht einfach, dass die Katze ihren Menschen als „Eigentum markiert“.
- Reiben an Gegenständen trägt zu einer vertrauten Geruchsumgebung bei.
- Wie immer sollte das Verhalten zusammen mit Körpersprache und Situation betrachtet werden.
Und bei Mo?
Wenn Mo Köpfchen gibt, wirkt seine Botschaft meistens ziemlich eindeutig:
Jetzt wäre bitte einmal Nähe, Aufmerksamkeit oder am besten gleich beides angebracht. 😅🐱
Und ein bisschen Duftkommunikation gibt es offenbar gratis dazu.
Quellen
Vitale K. R. (2022): „The Social Lives of Free-Ranging Cats“ – Animals.
Übersichtsarbeit zum Sozialverhalten frei lebender Katzen. Allorubbing wird als Reiben von Kopf oder Körper an einem Sozialpartner beschrieben und tritt besonders im Zusammenhang mit sozialen Beziehungen zwischen Katzen auf.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8749887/
Vitale K. R. (2018): „Tools for managing feline problem behaviors: Pheromone therapy“ – Journal of Feline Medicine and Surgery.
Übersicht zur Duftkommunikation von Katzen. Beschreibt unter anderem Objekt-Reiben, Allorubbing sowie verschiedene Gesichtspheromone und ihre bekannten beziehungsweise vermuteten Funktionen.
DOI: 10.1177/1098612X18806759
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11343345/
AAFP/ISFM Feline Environmental Needs Guidelines
Veterinärmedizinische Leitlinien zur katzengerechten Umgebung. Sie betonen die Bedeutung von Geruchs- und Pheromonsignalen und beschreiben Gesichts- und Körperreiben als Teil der Duftkommunikation von Katzen.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11383066/
Merck Veterinary Manual – Neurologische Erkrankungen bei Katzen
Veterinärmedizinische Informationen zu neurologischen Auffälligkeiten. Anhaltendes Head Pressing kann im Zusammenhang mit Erkrankungen des Nervensystems auftreten und ist von normalem sozialem Köpfchengeben zu unterscheiden.
https://www.merckvetmanual.com/cat-owners/brain-spinal-cord-and-nerve-disorders-of-cats/the-neurologic-evaluation-in-cats

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