Wie macht eine Katze Beute? Vom Entdecken bis zum Fangen

Auch der gemütlichste Stubentiger trägt noch einen Jäger in sich.

Katzen sind Beutegreifer – und viele Verhaltensweisen, die wir beim Spielen beobachten, stammen direkt aus diesem Jagdverhalten.

Anschleichen, Lauern, Verfolgen, Anspringen und Greifen gehören zu typischen Elementen.

Eine Jagd läuft dabei nicht immer streng nach demselben Schema ab.

Und eine Katze muss auch nicht hungrig sein, um zu jagen.

Katzen sind Einzeljäger

Hauskatzen können durchaus soziale Beziehungen zu anderen Katzen haben.

Bei der Jagd sieht es jedoch anders aus:

Katzen jagen normalerweise allein.

Typische Beutetiere sind kleine Säugetiere wie Mäuse, aber auch Vögel, Insekten, Reptilien oder andere kleine Tiere können je nach Umgebung zum Beutespektrum gehören.

Ihre gesamte Jagdweise ist darauf ausgerichtet, sich einer kleinen Beute möglichst unauffällig zu nähern und im richtigen Moment schnell zuzuschlagen.

1. Entdecken und beobachten

Am Anfang steht die Wahrnehmung möglicher Beute.

Eine Katze kann Bewegungen sehen, Geräusche hören oder andere Hinweise auf ein Tier bemerken.

Dann wird aus einem scheinbar entspannten Kater plötzlich ein hochkonzentrierter Beobachter.

Der Blick richtet sich auf das Ziel, die Ohren orientieren sich und der Körper wird bereit für die nächsten Schritte.

Manchmal bleibt eine Katze zunächst längere Zeit an dieser Stelle.

Jagd bedeutet schließlich nicht nur Rennen – oft besteht ein großer Teil aus Beobachten und Warten.

2. Anschleichen

Hat die Katze ein mögliches Beutetier entdeckt, versucht sie häufig, die Entfernung möglichst unauffällig zu verkürzen.

Dafür bewegt sie sich geduckt und langsam.

Der Körper liegt tief, die Bewegungen werden kontrolliert und kleine Pausen unterbrechen das Voranschleichen.

Ziel ist es, nah genug heranzukommen, bevor die Beute flieht.

3. Lauern und auf den richtigen Moment warten

Nicht jede Katze läuft sofort los.

Sie kann zunächst still verharren und beobachten.

Dieses Lauern spart Energie und erhöht möglicherweise die Chance, dass der spätere Angriff erfolgreich ist.

Wer seine Katze schon einmal minutenlang völlig bewegungslos vor einem Mauseloch, einem Insekt oder einer Spielangel gesehen hat, kennt diesen Teil ziemlich gut.

4. Verfolgen und anspringen

Bewegt sich die Beute, kann eine kurze Verfolgung beginnen.

Dann wird aus dem langsamen Anschleichen sehr schnell eine explosive Bewegung.

Die Hinterbeine liefern einen kräftigen Schub, die Katze springt oder sprintet auf das Ziel zu und versucht, ihm den Fluchtweg abzuschneiden.

Viele Katzen zeigen genau dieses Muster auch beim Spielen:

beobachten – ducken – losrennen – springen.

5. Greifen und festhalten

Erreicht die Katze ihre Beute, kommen Vorderpfoten, Krallen und Zähne zum Einsatz.

Sie versucht, das Tier zu kontrollieren und an der Flucht zu hindern.

Bei größeren oder sich stark wehrenden Beutetieren kann sie Abstand halten, erneut zuschlagen oder das Tier mehrfach neu greifen.

Auch das kräftige Treten mit den Hinterbeinen, das viele Katzen beim Spiel mit einem größeren Spielzeug zeigen, gehört zu diesem Verhaltensrepertoire.

6. Töten – und nicht unbedingt fressen

Nach einem erfolgreichen Fang kann eine Katze ihre Beute töten und fressen.

Aber eine Jagd endet nicht automatisch mit einer Mahlzeit.

Untersuchungen zum Jagd- und Fressverhalten zeigen, dass Katzen auch dann weiter jagen können, wenn bereits Nahrung vorhanden ist.

Jagdverhalten und Hunger hängen also zusammen – sind aber nicht dasselbe.

Hunger kann die Motivation zu jagen erhöhen.

Er ist jedoch keine notwendige Voraussetzung dafür, dass eine Katze Beute verfolgt und fängt.

Warum jagt eine gut gefütterte Katze?

Das wird besonders bei Freigängern deutlich.

Eine Katze kann zu Hause zuverlässig gefüttert werden und trotzdem Mäuse oder andere Tiere jagen.

Das bedeutet nicht, dass sie zu wenig Futter bekommt.

Predationsverhalten ist Teil ihres natürlichen Verhaltensrepertoires und wird nicht einfach dadurch abgeschaltet, dass der Futternapf voll ist.

Eine gut gefütterte Katze kann deshalb durchaus Beute machen – manchmal sogar kurz nachdem sie zu Hause gefressen hat.

„Spielt“ eine Katze mit ihrer Beute?

Was für uns manchmal wie ein grausames Spiel aussieht, lässt sich besser als Teil von Jagd- und Beutefangverhalten verstehen.

Die Katze kann ein Tier:

  • freilassen und erneut greifen,
  • mit der Pfote berühren,
  • anspringen,
  • zurückweichen
  • und anschließend erneut angreifen.

Besonders bei wehrhafter oder größerer Beute kann ein vorsichtiges Vorgehen das Verletzungsrisiko für die Katze verringern.

Gleichzeitig überschneiden sich Jagd und Spiel bei Katzen stark.

Objektspiel enthält viele Elemente derselben Bewegungsabläufe – beispielsweise Anschleichen, Verfolgen, Anspringen und Beißen.

Eine menschliche Absicht wie „Grausamkeit“ sollten wir daraus deshalb nicht ableiten.

Spiel ist die Jagdversion für den Stubentiger

Auch Wohnungskatzen brauchen Möglichkeiten, Elemente ihres natürlichen Jagdverhaltens auszuleben.

Veterinärmedizinische Leitlinien zählen Möglichkeiten für Spiel und Beuteverhalten ausdrücklich zu den grundlegenden Bedürfnissen einer Katze.

Gut geeignet sind beispielsweise:

  • Spielangeln,
  • kleine bewegliche Spielzeuge,
  • Futterspiele und Fummelbretter,
  • versteckte kleine Futterportionen
  • oder kurze Jagdspiele über den Tag verteilt.

Dabei lässt sich eine vereinfachte Jagdsequenz nachahmen:

beobachten → anschleichen → verfolgen → springen → greifen.

Darf die Katze die „Beute“ beim Spielen wirklich erwischen?

Ja.

Ein Spielzeug sollte nicht dauerhaft unerreichbar bleiben.

Die Katze darf es zwischendurch tatsächlich fangen, festhalten und darauf beißen.

Sonst besteht das Spiel nur aus einer endlosen Verfolgung ohne erfolgreichen Abschluss.

Bei einer Spielangel kann man das Spiel deshalb immer wieder mit einem erfolgreichen Fang enden lassen.

Danach kann eine kleine Futterportion oder die reguläre Mahlzeit folgen.

Das bildet zwar keine echte Jagd exakt nach, ermöglicht aber mehrere typische Elemente des natürlichen Verhaltens.

Nicht jede Jagd läuft gleich ab

Die sechs Schritte aus unserer Grafik sind bewusst eine vereinfachte Darstellung.

Eine Katze muss nicht jede Phase durchlaufen.

Manchmal entdeckt sie ein Tier und springt sofort.

Manchmal lauert sie lange und gibt anschließend auf.

Manchmal wird Beute verfolgt, aber nicht gefangen.

Und selbst bei erfolgreichen Jagden kann das weitere Verhalten unterschiedlich aussehen.

Die einzelnen Elemente helfen uns deshalb vor allem dabei, das Verhalten verständlich zu beschreiben – sie sind kein festes Jagdprogramm.

Kurz & knapp

  • Katzen sind Beutegreifer und überwiegend Einzeljäger.
  • Typische Jagdelemente sind Beobachten, Anschleichen, Lauern, Verfolgen, Anspringen und Greifen.
  • Nicht jede Jagd läuft in einer festen Reihenfolge ab.
  • Hunger erhöht die Jagdmotivation, ist aber keine Voraussetzung für Jagdverhalten.
  • Deshalb können auch gut gefütterte Katzen Beute machen.
  • Spiel und Jagd teilen viele Verhaltensmuster.
  • Auch Wohnungskatzen sollten Möglichkeiten zum Ausleben von Spiel- und Beuteverhalten erhalten.
  • Beim Spielen darf die Katze das Spielzeug regelmäßig tatsächlich fangen.

Auch auf dem Sofa bleibt die Katze ein Jäger

Unsere Hauskatzen müssen heute häufig keine einzige Maus mehr fangen, um satt zu werden.

Ihr Verhaltensrepertoire ist trotzdem nicht verschwunden.

Das sieht man jedes Mal, wenn Mo sich plötzlich flach auf den Boden legt, die Augen auf ein Spielzeug richtet und offenbar für einige Sekunden vergessen hat, dass sein Abendessen längst sicher in der Küche steht. 😅🐱

Der Futternapf macht aus einem Jäger eben noch keinen Nicht-Jäger.

Quellen

Merck Veterinary Manual – „Social Behavior of Cats“
Veterinärmedizinische Übersicht zum normalen Verhalten von Katzen. Beschreibt Hauskatzen als überwiegend allein jagende Beutegreifer und erläutert, dass Objektspiel Teile der Jagdsequenz wie Anschleichen, Verfolgen, Anspringen und Beißen nachbildet.
https://www.merckvetmanual.com/behavior/behavior-of-cats/social-behavior-of-cats

Merck Veterinary Manual – „Behavior Problems of Cats“
Beschreibt Predationsverhalten unter anderem mit Anschleichen, Verfolgen, Anspringen und Beißen und empfiehlt Möglichkeiten zum Ausleben von Jagd- und Spielverhalten auch für Hauskatzen.
https://www.merckvetmanual.com/behavior/behavior-of-cats/behavior-problems-of-cats

Ellis S. L. H. et al. (2013): „AAFP and ISFM Feline Environmental Needs Guidelines“ – Journal of Feline Medicine and Surgery.
Leitlinie zu den grundlegenden Umweltbedürfnissen von Katzen. Einer der fünf zentralen Bereiche ist die Möglichkeit, Spiel- und Beuteverhalten auszuleben.
DOI: 10.1177/1098612X13477537
https://catvets.com/resource/aafp-isfm-environmental-needs-guidelines/

Delgado M., Dantas L. M. S. (2020): „Feeding Cats for Optimal Mental and Behavioral Well-Being“ – Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice.
Übersichtsarbeit zu Jagd-, Fress- und Suchverhalten von Katzen. Die Autoren beschreiben unter anderem, dass Hunger für Jagdverhalten nicht notwendig ist, es jedoch verstärken kann, und dass auch versorgte Katzen weiterhin Beute jagen können.
DOI: 10.1016/j.cvsm.2020.05.003
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7415653/

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