Manchmal sitzt die Katze plötzlich stockstill da, dreht ein Ohr zur Wand und lauscht konzentriert.
Du hörst nichts.
Sie offenbar schon.
Das liegt nicht an einer geheimen Katzen-Superkraft: Katzen besitzen tatsächlich ein sehr leistungsfähiges Gehör. Besonders hohe Frequenzen können sie deutlich besser wahrnehmen als wir Menschen – und auch beim Orten von Geräuschen sind ihre Ohren hervorragend ausgestattet.
Wie viel können Katzen hören?
Katzen besitzen einen außergewöhnlich großen Hörbereich.
In einer häufig zitierten Untersuchung aus dem Jahr 1985 wurden zwei Katzen in Verhaltenstests auf unterschiedliche Tonfrequenzen trainiert.
Bei einer Lautstärke von 70 Dezibel reichte der gemessene Hörbereich ungefähr von 48 Hertz bis 85 Kilohertz.
Zum Vergleich: Beim jungen Menschen wird als oberer Bereich meist ungefähr 20 Kilohertz angegeben.
Vor allem bei sehr hohen Tönen sind Katzen uns damit deutlich überlegen.
85 Kilohertz – hört das jede Katze?
Hier ist etwas Vorsicht wichtig.
Die oft genannten Werte von 48 Hz bis 85 kHz stammen aus einem konkreten Hörversuch unter bestimmten Bedingungen.
Sie sind deshalb keine starre Grenze, die für jede Katze zu jedem Zeitpunkt exakt gilt.
Alter, individuelle Unterschiede und Erkrankungen können das Hörvermögen beeinflussen.
Auch die Lautstärke eines Geräusches spielt eine Rolle: Einen sehr leisen Ton an der Grenze des Hörbereichs wahrzunehmen ist etwas anderes als einen deutlich lauteren.
Die Zahl zeigt deshalb vor allem eines:
Katzen können Frequenzen wahrnehmen, die weit über unseren eigenen hörbaren Bereich hinausgehen.
Warum brauchen Katzen so hohe Frequenzen?
Das Katzengehör passt hervorragend zu ihrer Lebensweise als Jäger.
Kleine Beutetiere wie Mäuse erzeugen auch sehr hohe Geräusche.
Ein Hörsystem, das solche Frequenzen wahrnehmen kann, hilft dabei, mögliche Beute zu entdecken – selbst wenn sie sich versteckt oder nur sehr leise bewegt.
Für eine Katze kann deshalb ein Rascheln, Fiepen oder Kratzen interessant sein, das wir Menschen überhaupt nicht wahrnehmen.
Die Ohren können sich bewegen
Wer eine Katze beim Lauschen beobachtet, sieht häufig zuerst ihre Ohren arbeiten.
Die äußeren Ohrmuscheln – die sogenannten Pinnae – sind sehr beweglich.
Das linke und rechte Ohr können sich weitgehend unabhängig voneinander ausrichten.
Dadurch können Katzen Geräusche aufnehmen und ihre Richtung besser bestimmen, ohne dafür sofort den ganzen Kopf bewegen zu müssen.
Untersuchungen zu Katzenohren zeigen sogar, dass sich die Ohrmuscheln beim Auftreten eines Geräusches sehr schnell gezielt in Richtung der Schallquelle bewegen können.
Wie finden Katzen heraus, woher ein Geräusch kommt?
Für die Ortung nutzt das Gehirn verschiedene Informationen.
Ein Geräusch trifft beispielsweise je nach Position minimal früher oder stärker an einem Ohr ein als am anderen.
Zusätzlich verändert die Form der Ohrmuschel den eintreffenden Schall abhängig davon, aus welcher Richtung er kommt.
So erhält die Katze Hinweise darauf, ob ein Geräusch beispielsweise von links, rechts, oben oder unten stammt.
Das erklärt, warum eine Katze manchmal erst die Ohren dreht und anschließend sehr gezielt auf eine bestimmte Stelle schaut.
Hört die Katze einfach alles lauter?
Nein.
Ein größerer Hörbereich bedeutet nicht, dass jedes Geräusch für eine Katze automatisch lauter klingt.
Es bedeutet zunächst, dass sie Töne in Frequenzbereichen wahrnehmen kann, die außerhalb unseres eigenen Hörvermögens liegen.
Wie empfindlich das Katzenohr auf einen Ton reagiert, hängt außerdem von dessen Frequenz und Lautstärke ab.
„Katzen hören besser als Menschen“ ist deshalb zwar im Alltag verständlich, aber etwas zu pauschal.
Genauer wäre:
Katzen besitzen einen größeren Frequenzbereich und ein Hörsystem, das besonders gut auf die Ortung von Geräuschen und hohe Frequenzen angepasst ist.
Das Ohr ist außerdem für das Gleichgewicht zuständig
Das Katzenohr hat noch eine zweite wichtige Aufgabe.
Im Innenohr befindet sich neben der Hörschnecke auch das Gleichgewichtsorgan.
Zu ihm gehören mit Flüssigkeit gefüllte Bogengänge, die Bewegungen des Kopfes registrieren.
Diese Informationen helfen der Katze dabei, ihre Körperposition wahrzunehmen und das Gleichgewicht zu halten.
Hörvermögen und Gleichgewicht sitzen also anatomisch ziemlich nah beieinander.
Wenn eine Katze plötzlich schlechter hört
Auch Katzen können schwerhörig oder taub werden.
Hörverlust kann angeboren sein, aber auch später entstehen – beispielsweise durch Erkrankungen des Ohres, Verletzungen oder altersbedingte Veränderungen.
Bei älteren Katzen kann das Hörvermögen deshalb nachlassen.
Auffällig können beispielsweise Veränderungen darin sein, wie eine Katze auf vertraute Geräusche oder Stimmen reagiert.
Bei einem plötzlich veränderten Hörverhalten oder zusätzlichen Symptomen wie Kopfschiefhaltung, Gleichgewichtsproblemen, starkem Kratzen am Ohr oder Ausfluss sollte das tierärztlich abgeklärt werden.
Kurz & knapp
- Katzen besitzen einen sehr großen Hörbereich.
- In Hörtests wurden bei 70 dB ungefähr 48 Hz bis 85 kHz gemessen.
- Besonders bei hohen Frequenzen hören Katzen deutlich weiter als Menschen.
- Die beweglichen Ohrmuscheln helfen dabei, Geräusche zu erfassen und zu orten.
- Hohe Frequenzen sind unter anderem für das Wahrnehmen kleiner Beutetiere hilfreich.
- Das Innenohr ist außerdem am Gleichgewicht beteiligt.
- Die oft genannten Hörgrenzen sind Orientierungswerte aus Versuchen und keine unveränderlichen Grenzen für jede einzelne Katze.
Und was hört Mo da jetzt?
Wenn deine Katze plötzlich konzentriert auf eine Wand, unter ein Möbelstück oder in eine vollkommen unspektakuläre Ecke lauscht, muss dort natürlich nicht zwingend etwas sein.
Aber es ist durchaus möglich, dass sie ein Geräusch wahrnimmt, das für unsere Ohren entweder zu leise oder schlicht zu hoch ist.
Für dieses Geräusch warst du dann offenbar nicht mit eingeladen. 😅👂🐱
Quellen
Heffner R. S., Heffner H. E. (1985): „Hearing range of the domestic cat“ – Hearing Research 19(1), 85–88.
Klassische experimentelle Untersuchung des Hörbereichs von Hauskatzen. Bei 70 dB SPL wurde in den Verhaltenstests ein Bereich von etwa 48 Hz bis 85 kHz gemessen.
DOI: 10.1016/0378-5955(85)90100-5
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/4066516/
Merck Veterinary Manual – „Ear Structure and Function in Cats“
Veterinärmedizinische Übersicht zum Aufbau des Katzenohres, zum großen Frequenzbereich, zu den unabhängig beweglichen Ohrmuscheln sowie zur Funktion des Innenohres für Hörvermögen und Gleichgewicht.
https://www.merckvetmanual.com/cat-owners/ear-disorders-of-cats/ear-structure-and-function-in-cats
Populin L. C., Yin T. C. T. (1998): „Pinna Movements of the Cat during Sound Localization“ – Journal of Neuroscience.
Experimentelle Untersuchung der Bewegungen der Ohrmuscheln beim Orten von Geräuschen. Die Katzen richteten ihre Ohren gezielt auf Schallquellen aus.
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6792787/

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