Kotor – die Stadt der Katzen: Wie Katzen zum Wahrzeichen der Altstadt wurden

Wer heute durch die historische Altstadt von Kotor läuft, begegnet ihnen beinahe überall:

auf Treppen, Mauern und Fensterbänken, zwischen Cafés und den alten Steinhäusern.

Katzen gehören inzwischen so selbstverständlich zum Bild der montenegrinischen Adriastadt, dass Kotor häufig einfach als „Stadt der Katzen“ bezeichnet wird.

Doch wie lange ist das eigentlich schon so?

Und warum gibt es ausgerechnet in Kotor so viele Katzen?

Die ehrliche Antwort ist komplizierter als manche schöne Legende.

Katzen gehören heute eindeutig zu Kotor

An ihrem heutigen Stellenwert gibt es wenig Zweifel.

Die nationale Tourismusorganisation Montenegros beschreibt Katzen als einen besonders auffälligen Teil der historischen Altstadt. Auch Souvenirläden, Katzenmotive und das Katzenmuseum haben das Bild der „Katzenstadt“ inzwischen fest etabliert.

Die Tiere leben dabei nicht in einem abgegrenzten Katzenpark.

Es handelt sich um frei lebende beziehungsweise frei laufende Katzen, die ihren Alltag mitten zwischen Einwohnern und Besuchern verbringen.

Futternäpfe und Wasserstellen gehören deshalb ebenso zum Stadtbild wie schlafende Katzen auf warmem Stein.

War Kotor schon immer die berühmte „Katzenstadt“?

So einfach ist es nicht.

Katzen lebten selbstverständlich schon früher in Kotor.

Das heute weltweit bekannte Bild der Stadt als regelrechtes Katzenreiseziel scheint sich jedoch besonders in den vergangenen Jahren entwickelt zu haben.

Das Katzenmuseum selbst schreibt rückblickend, dass Katzen bei seiner Gründung im Jahr 2013 noch längst nicht in dem heutigen Ausmaß als touristisches Symbol Kotors vermarktet wurden.

Inzwischen findet man Katzenmotive auf beinahe allen denkbaren Souvenirs – und für viele Reisende gehören die Tiere genauso zu Kotor wie die Stadtmauer oder die Bucht.

2012 und 2013 wird die Katze zum touristischen Thema

Die nationale Tourismusorganisation berichtet von einem ersten speziell auf Katzen ausgerichteten Souvenirladen, der 2012 in der Altstadt eröffnet wurde.

Ein Jahr später folgte ein noch ungewöhnlicherer Ort:

das Katzenmuseum.

Das Cats Museum von Kotor

Das Cats Museum beziehungsweise Muzej Mačaka wurde 2013 gegründet.

Es befindet sich mitten in der historischen Altstadt in Räumen, die einst zum Kloster Our Lady of the Angels gehörten.

Seine Sammlung besteht nicht aus modernen Katzenmemes, sondern aus historischen Objekten aus mehreren Jahrhunderten.

Dazu gehören unter anderem:

  • alte Bücher und Drucke,
  • Stiche und Zeichnungen,
  • Postkarten und Fotografien,
  • Münzen und Medaillen,
  • Werbung und Plakate
  • sowie zahlreiche weitere Darstellungen von Katzen.

Die ältesten Stücke reichen nach Angaben des Museums bis ins 16. Jahrhundert zurück.

Ein großer Teil der ursprünglichen Sammlung stammt aus Venedig.

Woher kamen all die Katzen?

Eine häufig erzählte Erklärung führt zurück zur langen Seefahrtsgeschichte Kotors.

Kotor war über Jahrhunderte eine bedeutende Hafenstadt.

Auf Schiffen und in Lagerhäusern waren Mäuse und Ratten ein ständiges Problem – und Katzen wurden seit langer Zeit als Mäusejäger geduldet oder gezielt mitgenommen.

Deshalb ist es durchaus plausibel, dass mit Handelsschiffen immer wieder Katzen nach Kotor gelangten und einige von ihnen dort blieben.

Als eindeutig belegter Ursprung der heutigen Katzenpopulation lässt sich diese Geschichte jedoch nicht nachweisen.

Sie erklärt plausibel, wie Katzen in einer Hafenstadt verbreitet worden sein könnten – mehr aber auch nicht.

Haben Katzen Kotor vor der Pest gerettet?

Rund um die Katzen Kotors gibt es inzwischen auch spektakulärere Geschichten.

Eine davon erzählt, Katzen hätten die Stadt einst während einer Pestepidemie gerettet, indem sie Ratten bekämpften.

Das klingt nach einer perfekten Ursprungsgeschichte für die „Stadt der Katzen“.

Historisch belegt ist sie allerdings nicht.

Das Katzenmuseum selbst warnt ausdrücklich davor, solche modernen Erzählungen als historische Tatsachen zu behandeln.

Auch Geschichten, nach denen Katzen die Bevölkerung während Belagerungen versorgt oder anderweitig die Stadt gerettet hätten, gehören eher in den Bereich der Legenden.

Schöne Geschichte? Ja. Gesicherte Geschichte? Nein.

Viele Katzen bedeuten auch viel Verantwortung

So malerisch eine Altstadt voller Katzen auf Urlaubsfotos aussieht:

Eine große frei lebende Katzenpopulation bringt auch Probleme mit sich.

Die Tiere benötigen Futter, medizinische Versorgung und vor allem eine langfristige Kontrolle der Fortpflanzung.

Ohne Kastration können innerhalb kurzer Zeit immer neue Würfe entstehen.

Das führt nicht automatisch zu einem Katzenparadies, sondern kann Krankheiten, Verletzungen und eine schlechte Versorgung vieler Tiere begünstigen.

Kastration statt immer neuer Kitten

Eine der Organisationen, die sich heute für Katzen in Montenegro engagiert, ist Kotor Kitties.

Die Initiative entstand 2018, nachdem Besucherinnen von Kotor auf die Situation der frei lebenden Katzen aufmerksam geworden waren.

Daraus entwickelte sich ein dauerhaftes Kastrationsprogramm.

Bei frei lebenden, nicht zahmen Katzen wird dabei unter anderem mit dem Prinzip TNR – Trap, Neuter, Return gearbeitet:

  • Die Katze wird sicher eingefangen.
  • Sie wird tierärztlich kastriert.
  • Nach der Erholung wird sie in ihr vertrautes Gebiet zurückgebracht.

Ziel ist nicht, sämtliche Katzen aus den Straßen verschwinden zu lassen.

Vielmehr soll verhindert werden, dass die Population durch ständig neue Würfe immer weiter wächst.

Inzwischen rund 9.000 Kastrationen

Was 2018 mit wenigen Tieren begann, entwickelte sich zu einem wesentlich größeren Projekt.

Kotor Kitties arbeitet heute mit mehreren Organisationen und Tierarztpraxen in Montenegro zusammen.

Nach eigenen aktuellen Angaben wurden durch die beteiligten Projekte inzwischen insgesamt rund 9.000 Katzen kastriert.

Das betrifft längst nicht nur die Altstadt von Kotor, sondern auch andere Teile Montenegros.

Die berühmten Katzen von Kotor stehen damit auch stellvertretend für ein Thema, das weit über hübsche Urlaubsfotos hinausgeht.

Die Katzen sind kein Freizeitpark

Wer Kotor besucht, trifft dort auf echte Tiere mit unterschiedlichen Charakteren und Gesundheitszuständen.

Nicht jede Katze möchte angefasst werden.

Manche sind an Menschen gewöhnt, andere halten lieber Abstand.

Das Beste, was Besucher tun können, ist deshalb ziemlich einfach:

  • Abstandswünsche respektieren,
  • Katzen nicht hochheben oder bedrängen,
  • keine ungeeigneten Lebensmittel verteilen
  • und seriöse lokale Tierschutzprojekte unterstützen.

Kurz & knapp

  • Katzen gehören heute fest zum Stadtbild von Kotor.
  • Die internationale Vermarktung als „Stadt der Katzen“ ist jedoch vergleichsweise jung.
  • 2012 eröffnete ein frühes Katzensouvenirgeschäft, 2013 folgte das Katzenmuseum.
  • Das Cats Museum besitzt historische Katzenkunst und Objekte, teilweise aus dem 16. Jahrhundert.
  • Dass Katzen über Schiffe in die Hafenstadt gelangten, ist plausibel, als Ursprung der heutigen Population aber nicht eindeutig belegt.
  • Geschichten über Katzen, die Kotor vor der Pest gerettet hätten, sind Legenden und keine gesicherten historischen Tatsachen.
  • Organisationen wie Kotor Kitties kümmern sich heute unter anderem um Kastrationen frei lebender Katzen.
  • Nach Angaben von Kotor Kitties wurden durch die beteiligten Projekte inzwischen rund 9.000 Katzen kastriert.

Mo in Kotor

Für Mo wäre Kotor vermutlich ein ziemlich ungewöhnliches Reiseziel.

Eine mittelalterliche Stadt, in der Katzen auf Fensterbänken liegen, durch enge Gassen laufen, auf Souvenirs gedruckt werden und sogar ein eigenes Museum bekommen haben?

Hier würde selbst Mo kaum auffallen. 😅🐱

Doch gerade hinter dem schönen Bild der Katzenstadt steckt auch eine wichtige Geschichte:

Wo viele frei lebende Katzen leben, braucht es Menschen, die Verantwortung für Kastration, Versorgung und medizinische Hilfe übernehmen.

Kotor ist deshalb nicht nur eine Stadt voller Katzen – sondern auch ein gutes Beispiel dafür, warum Katzenliebe und Tierschutz zusammengehören.

Quellen

National Tourism Organisation of Montenegro – „Welcome to Kotor, Montenegro’s medieval town that’s a cat lover’s dream“
Offizielle touristische Darstellung Kotors und seiner heutigen Katzenkultur. Genannt werden unter anderem die vielen Katzen in der Altstadt und das erste speziell auf Katzen ausgerichtete Souvenirgeschäft aus dem Jahr 2012.
https://www.montenegro.travel/en/plan-your-stay-in-montenegro/useful-tips-and-facts/news/welcome-to-kotor-montenegro-s-medieval-town-that-s-a-cat-lover-s-dream-2023-04-21

Cats Museum Kotor – offizielle Museumsseite
Informationen zur Gründung 2013, zum Standort in der Altstadt und zur Sammlung mit historischen Büchern, Drucken, Fotografien, Münzen, Medaillen, Postkarten und weiteren Katzenmotiven.
https://www.catsmuseum.org/

Cats Museum Kotor – „Cats Museum Cattaro/Kotor“
Das Museum beschreibt die jüngere Entwicklung der Katze zum touristischen Symbol Kotors und weist ausdrücklich darauf hin, dass populäre Geschichten über Katzen, die Kotor beispielsweise vor der Pest gerettet hätten, keine historische Grundlage besitzen.
https://www.catsmuseum.org/cats-museum-cattaro/

Kotor Kitties – „Our Story“
Geschichte der 2018 begonnenen Kastrationsinitiative in Montenegro. Aus ersten Kastrationen in Kotor entwickelte sich ein dauerhaftes Programm mit mehreren Tierarztpraxen und Partnerorganisationen.
https://kotorkitties.org/en/our-story/

Kotor Kitties – „Trap, Neuter, Return“
Informationen zum TNR-Verfahren bei frei lebenden Katzen: Einfangen, Kastrieren und anschließendes Zurückbringen in das vertraute Revier.
https://kotorkitties.org/en/trap-neuter-return/

Kotor Kitties – aktuelle Projektangaben
Nach Angaben der Organisation haben die drei zusammenarbeitenden Organisationen inzwischen rund 9.000 Katzen kastriert.
https://kotorkitties.org/en/our-story/

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